Flexibles Lenkkonzept für differenzierte Einsatzprofile

Mit der Integration einer Joystick-Option in das Lenkkonzept seiner Teleskoplader reagiert Sennebogen auf einen seit Jahren zunehmenden Spagat zwischen präzisem Rangieren im Arbeitsmodus und stabiler Spurführung bei Transportfahrten. Die Lenkung als zentrales Interface zwischen Mensch und Maschine beeinflusst dabei maßgeblich sowohl die Arbeitsgeschwindigkeit als auch die körperliche Belastung des Fahrers.
Vor diesem Hintergrund zielt das neu entwickelte System nicht auf die Ablösung etablierter Lösungen, sondern auf deren Erweiterung durch ein konfigurierbares Bedienkonzept, das sich an unterschiedliche Einsatzanforderungen anpassen lässt.
Grenzen etablierter Lenkradkonzepte im Dauereinsatz
In der Praxis dominieren weiterhin hydrostatische Lenkradlenkungen, die sich durch Robustheit und intuitive Handhabung auszeichnen. Die Steuerung erfolgt direkt über das Lenkrad, während verschiedene Lenkarten über zusätzliche Bedienelemente angewählt werden. Diese Architektur gilt als zuverlässig, zeigt jedoch insbesondere bei zyklischen Arbeitsprozessen ihre ergonomischen Schwächen.
Häufige Rangierbewegungen erfordern eine hohe Anzahl an Lenkradumdrehungen, was im Schichtbetrieb zu einer deutlichen Beanspruchung der Muskulatur führt. Während die klassische Lenkradlenkung bei höheren Geschwindigkeiten ihre Vorteile ausspielt, wird sie bei langsamen, präzisionsintensiven Manövern zunehmend zum limitierenden Faktor.

Elektronische Lenkarchitektur als Grundlage neuer Bedienlogik
Das von Sennebogen entwickelte System basiert auf einem Steer-by-Wire-Ansatz, bei dem die Lenkbewegungen nicht mechanisch, sondern elektronisch übertragen werden. Diese Architektur ermöglicht die Implementierung variabler Kennlinien, die das Lenkverhalten situationsabhängig anpassen. Im Niedriggeschwindigkeitsbereich wird eine hohe Sensitivität erreicht, sodass bereits geringe Eingaben ausreichen, um exakte Korrekturen vorzunehmen.
Mit steigender Geschwindigkeit greift eine progressive Begrenzung des Lenkwinkels, um ein ruhiges Fahrverhalten sicherzustellen. Die Signalerfassung erfolgt über einen Joystick, dessen Eingaben in Echtzeit verarbeitet und an die Lenkhydraulik weitergeleitet werden. Das System ist redundant ausgelegt und überwacht kontinuierlich die Plausibilität aller Eingangsdaten.

Joystick-Option im dualen Bedienkonzept
Ein zentrales Merkmal des Systems liegt in der Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Bedienvarianten zu wählen. Neben einer reinen Joysticklenkung steht eine Kombination aus Joystick und klassischem Lenkrad zur Verfügung. Diese duale Auslegung adressiert die Einschränkungen bisheriger Lösungen, bei denen der vollständige Verzicht auf ein Lenkrad häufig zu Akzeptanzproblemen führte.
Im praktischen Einsatz ergibt sich daraus eine klare funktionale Trennung: Für Straßenfahrten und längere Transfers bleibt das Lenkrad das bevorzugte Bedienelement, während im Arbeitsmodus die Joysticksteuerung aktiviert wird. Die Umschaltung erfolgt entweder manuell oder durch eine automatische Priorisierung der jeweils aktiven Eingabe. Zur Absicherung gegen Fehlfunktionen ist ein Rückfall auf die Lenkradbedienung vorgesehen.
Ergonomie und Effizienz im operativen Betrieb
Die Integration des Joysticks in die Armlehne verändert die Körperhaltung des Fahrers grundlegend. Statt großräumiger Lenkbewegungen genügen kleine, kontrollierte Eingaben, wodurch die physische Belastung reduziert wird. Gleichzeitig verbessert sich die Sicht nach vorne und in den Arbeitsbereich, da das Lenkrad im Joystickbetrieb keine dominierende Rolle mehr spielt. Diese ergonomischen Effekte wirken sich unmittelbar auf die Produktivität aus, da längere Einsatzzeiten ohne Leistungseinbußen möglich sind. Darüber hinaus erlaubt die direkte Umsetzung der Steuerbefehle eine präzisere Maschinenführung, insbesondere bei beengten Platzverhältnissen.

Konfigurierbarkeit als strategischer Ansatz
Die Entwicklung des Lenkkonzepts folgt erkennbar dem Anspruch, keine universelle Standardlösung zu etablieren, sondern ein variables System bereitzustellen. Anwender können abhängig von Einsatzprofil und persönlichen Präferenzen zwischen klassischer Lenkradlenkung, reiner Joystick-Variante und kombinierter Lösung wählen.
Während die Lenkradsteuerung weiterhin ihre Stärken bei Transportaufgaben ausspielt, bietet die Joystick-Option Vorteile bei repetitiven Umschlagprozessen mit hohem Präzisionsbedarf. Die Kombination beider Systeme schafft eine Schnittstelle zwischen diesen Anforderungen und erhöht die Anpassungsfähigkeit der Maschine an unterschiedliche Einsatzszenarien.
Fotos: Sennebogen




