Neue Lösung von Fliegl für den Umschlag von Schütt- und Volumengütern

Mit einem neu entwickelten Kippchassis für 40-Fuß-Container erweitert Fliegl sein Angebot im Bereich spezialisierter Transportlösungen. Das Unternehmen aus Triptis, das seit Jahren individuelle Fahrzeugkonzepte für unterschiedliche Einsatzbereiche entwickelt und fertigt, knüpft damit an ein bereits realisiertes Projekt für 20-Fuß-Container an. Diese Fahrzeuge werden bei einem langjährigen Kunden für den Transport von losem Rohkaffee eingesetzt.
Die neue Kippchassis-Ausführung richtet sich nun an Anwendungen mit 40-Fuß-Highcube-Containern und erschließt insbesondere Einsatzfelder in der Agrar- und Schüttgutlogistik. Typische Transportgüter sind Getreide, Kakao, Futtermittel, Hackschnitzel, Pellets sowie weitere lose Volumen- und Schüttgüter, die beim Empfänger direkt aus dem Container abgekippt werden.
Konstruktion auf Basis des SDS 380 Gooseneck-Aufliegers
Technische Grundlage des neuen Fahrzeugs ist der dreiachsige SDS 380 Gooseneck-Sattelauflieger von Fliegl. Das Kippchassis erreicht in der Basisversion ein Leergewicht ab rund 6.500 Kilogramm und ermöglicht dadurch eine Nutzlast von etwa 31.500 Kilogramm. Damit ist das Fahrzeug insbesondere für vergleichsweise leichte, aber volumenintensive Ladungen ausgelegt.
Da der Kunde ausschließlich 40-Fuß-Highcube-Container transportiert, die gegenüber Standardcontainern um 305 Millimeter höher ausfallen, stand eine möglichst geringe Aufsattelhöhe im Mittelpunkt der Konstruktion des Kippchassis. Auf diese Weise bleibt trotz der höheren Containerbauweise ausreichend Spielraum hinsichtlich der Gesamthöhe des Fahrzeuggespanns.

Kippchassis mit Fokus auf Sicherheit und Flexibilität
Beim Abkippvorgang legte Fliegl besonderen Wert auf die Betriebssicherheit. Die beiden hinteren Getriebestützfüße sind mit Wasserwaagen ausgestattet, um den Auflieger vor dem Kippen möglichst exakt waagerecht auszurichten. Zusätzlich wurde die Drehwelle am Fahrzeugheck durchgehend ausgeführt, wodurch sich eine besonders robuste Konstruktion ergibt.
Der Kippzylinder wird über ein eigenes Elektrohydraulikaggregat versorgt. Dieses befindet sich geschützt in einem Edelstahlkasten, während die Stromversorgung über ein Spiralkabel direkt vom Lkw erfolgt. Dadurch ist kein Nebenabtrieb an der Zugmaschine erforderlich, was den Einsatz mit wechselnden Zugfahrzeugen erleichtert und die Flexibilität im Fuhrpark erhöht.
Zur Verbesserung der Traktion auf nassem oder rutschigem Untergrund verfügt die erste Achse über eine automatische Liftachse mit integrierter Anfahrhilfe und Zwangsabsenkung. Bis zu einer Achslastüberschreitung von 30 Prozent und einer Geschwindigkeit von maximal 25 km/h kann die Achse auch unter Last angehoben werden. Oberhalb dieser Geschwindigkeit erfolgt die automatische Absenkung.
Die drei BPW-Scheibenbremsachsen werden vor der Auslieferung im Werk per Laservermessung exakt eingestellt. Nach Angaben des Herstellers trägt dies zu einem geringeren Reifenverschleiß sowie einem reduzierten Kraftstoffverbrauch bei. Ergänzt wird die Ausstattung durch ein Reifendrucküberwachungssystem nach ECE R141 mit Anzeige im Fahrerhaus.
Für den kombinierten Verkehr ist das Fliegl Kippchassis mit einem versetzten Achsabstand von 1.310 beziehungsweise 1.410 Millimetern ausgelegt und erfüllt damit die Voraussetzungen für ein zulässiges Gesamtgewicht von 44 Tonnen.

Nachhaltigkeit als Bestandteil der Fahrzeugentwicklung
Neben der Entwicklung neuer Fahrzeugkonzepte verfolgt Fliegl nach eigenen Angaben einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Konstruktion, Produktion und Montage erfolgen zentral am Standort in Thüringen, wodurch Transporte zwischen verschiedenen Werken vermieden werden. Für das Trailerwerk weist das Unternehmen eine positive Energiebilanz aus, da die eigene Stromerzeugung den Verbrauch übersteigt. Dafür kommen unter anderem zwei Blockheizkraftwerke sowie großflächige Photovoltaikanlagen zum Einsatz. Beheizt werden die Produktionsgebäude mit Hackschnitzeln und Abfallholz.
Auch die Fertigungsprozesse wurden auf einen geringeren Energie- und Ressourcenverbrauch ausgelegt. Die Lackierung erfolgt in einer hocheffizienten Anlage, die ohne energieintensive Einbrennvorgänge auskommt. Darüber hinaus investierte Fliegl in Puls-Schweißmaschinen, Fiber-Laseranlagen und eine vollständig auf LED-Technik umgestellte Hallenbeleuchtung. Das Hochregallager speist beim Betrieb entstehende Energie wieder in den Kreislauf zurück. Im Einkauf setzt das Unternehmen auf vollständig ausgelastete Fahrzeugtransporte, um die Zahl der Anlieferfahrten zu reduzieren.
Leichtbau im Fokus
Bei der Fahrzeugentwicklung spielt Leichtbau eine zentrale Rolle. Das geringere Eigengewicht erhöht die Nutzlast und kann gleichzeitig den CO2-Ausstoß im Transportbetrieb reduzieren. Ergänzend verfolgt Fliegl aerodynamische Fahrzeugkonzepte. Dazu zählen unter anderem das Quick Lock System für Gardinenauflieger mit ebener Planenfläche ohne hervorstehende Verschlussschnallen, konisch ausgeführte Mulden bei Sattelkippern, das Curved Chassis mit besonders flachem Rahmenhals sowie Windabweiser und eine Membran-Rückwand zur Verringerung des Luftwiderstands. Darüber hinaus werden sämtliche Trailer individuell per Laser vermessen, um Rollwiderstand und Reifenverschleiß zu minimieren. Zweiachsige Twin-Gardinensattel sollen im Vergleich zu dreiachsigen Fahrzeugen zudem Kraftstoffverbrauch und Mautkosten senken.
Für seinen ganzheitlichen Ansatz im Bereich Ressourceneffizienz wurde Fliegl Trailer bereits 2016 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.
Fotos: Fliegl




