Präzisionsarbeit im Sakralraum

Ein Kran im Dom St. Stephan in Passau ist kein alltägliches Bild, doch im Zuge der laufenden Generalsanierung der weltbekannten Domorgel wurde genau dieses Szenario Realität. Rund 40 Jahre nach der letzten grundlegenden Instandsetzung werden derzeit etwa 15.000 Orgelpfeifen ausgebaut, restauriert und später wieder eingesetzt. Einige dieser Pfeifen erreichen Längen von bis zu acht Metern und Einzelgewichte von rund 300 Kilogramm. Für das Heben dieser Bauteile kommt ein Liebherr L1-24 aus dem Mietpark der Beutlhauser Gruppe zum Einsatz, der direkt auf der Empore im Kirchenraum arbeitet.
Technische Logistik im denkmalgeschützten Innenraum
Ursprünglich hatten die Verantwortlichen des Bistums Passau vorgesehen, ein fest installiertes Gerüst mit Brückenkran und Laufkatze aufzubauen. Dieses hätte jedoch über die gesamte Dauer der Restaurierungsarbeiten stehen bleiben müssen, da die Pfeifen erst nach Abschluss der Arbeiten wieder eingebaut werden. Da die Fertigstellung der Maßnahme für das Jahr 2027 vorgesehen ist, hätte dies über mehrere Jahre hinweg zu einer dauerhaften baulichen Einschränkung im Dom geführt und zugleich laufende Kosten verursacht. „Glücklicherweise hatte Architekt Zdenek Svarc vom Architekturbüro Schwetz die zündende Idee, einen Kran für das Heben der Pfeifen zu nutzen“, sagt Dompropst Dr. Michael Bär.
„Ein Kran erfüllt punktuell genau den Zweck, für den er benötigt wird. Er ist die kosteneffiziente Alternative zu einem Gerüst“, führt Bär aus und spricht von einer voraussichtlichen Kosteneinsparung im sechsstelligen Bereich. Der konzeptionelle Vorteil dieser Lösung ging allerdings mit erheblichen planerischen Anforderungen einher, da der Einsatz eines Turmdrehkrans in einem denkmalgeschützten Innenraum weder standardisiert noch ohne Weiteres übertragbar ist. Umfangreiche Vorarbeiten, präzise Vermessungen und statische Bewertungen bildeten die Grundlage für die spätere Montage.
Vorbereitung unter beengten Bedingungen
Da frühzeitig absehbar war, dass die eingeschränkten Platzverhältnisse die Aufstellparameter des Krans maßgeblich beeinflussen würden, führte Beutlhauser im Vorfeld mehrere Testaufbauten auf dem eigenen Betriebsgelände in Passau durch. Unterstützung kam zudem von der Liebherr Abteilung Tower Crane Solutions, die in die technische Planung eingebunden war. Parallel dazu wurden im Dom Bodenproben entnommen, um die Tragfähigkeit des historischen Untergrunds zu prüfen und die spätere Lastverteilung zu berechnen.
Die eigentliche Montage erfolgte Mitte August 2025 und begann bereits mit logistischen Herausforderungen. Die einzige mögliche Zufahrt zum Domplatz führt durch enge Gassen und teilweise entgegen der regulären Verkehrsführung. Unter Polizeibegleitung erreichte der Transport dennoch planmäßig den Dom. Im Innenraum wurde zunächst eine temporäre Baustraße aus Lastverteilungsplatten verlegt, um den empfindlichen Marmorboden zu schützen und zugleich ausreichend Reibung auf den glatten Fliesen sicherzustellen.
Nach dem Auslegen dieser Schutzschicht wurde der spätere Standplatz des Krans vorbereitet. „Wir verwenden Antirutschmatten und setzen darauf große, stabile Eisenplatten, um eine bessere Lastverteilung zu erreichen – es sind vier Platten mit je 800 Kilo für jeden Fuß des Krans“, schildert Benjamin Grillmeier, Leiter Hochbau bei Beutlhauser. Erst nach diesen vorbereitenden Maßnahmen konnte der eigentliche Einzug des Krans in den Kirchenraum erfolgen.

Kran-Positionierung zwischen Gerüsten und Kunstwerken
Da das Domportal für die Anlieferung mit einem Lkw nicht ausreichend dimensioniert ist, musste eine alternative Lösung gefunden werden. Der 16 Tonnen schwere Kran wurde mithilfe eines Elektrostaplers durch das Portal gezogen. „Voraussetzung war, dass wir im Dom emissionsfrei arbeiten können. Die Kollegen der Beutlhauser Tochtergesellschaft Carl Beutlhauser Kommunal- und Fördertechnik GmbH & Co. KG aus Hagelstadt bei Regensburg haben uns einen Elektrostapler X50 von Linde zur Verfügung gestellt und gleich das passende Zubehör geliefert“, berichtet Christian Plettl, Einsatzleiter im Bereich Hochbau.
Im Anschluss wurde der Kran auf Schwerlastrollen schrittweise an seinen endgültigen Standort bewegt und dort ausgeklappt. Diese Arbeiten fanden unter zusätzlich erschwerten Bedingungen statt, da im Zuge der laufenden Sanierung des Kirchenraums zahlreiche Gerüstkonstruktionen installiert sind. Der verfügbare Bewegungsraum war dadurch weiter eingeschränkt, was die Positionierung des Krans zu einer Aufgabe mit sehr geringen Toleranzen machte.
„Wir haben den Kran richtiggehend in den Dom ‚hineingezimmert‘”, sagt Grillmeier. Zwischen denkmalgeschützten Engelsfiguren, Säulen, Gerüstteilen und der Kranstruktur verblieben teilweise nur wenige Zentimeter Abstand. Um die erforderliche Hakenhöhe für den Zugang zur Orgelempore zu erreichen, wurden die Kranfüße abschließend auf Pyramiden und zusätzlichen Unterlegplatten positioniert, wodurch die Standhöhe nochmals angepasst werden konnte.
Ausblick auf den weiteren Projektverlauf
„Die gesamte Aktion war wirklich alles andere als alltäglich für uns! Ich möchte den beteiligten Monteuren und Fahrern Markus Neudorfer, Gerhard Eder, Fabian Gibis und Christian Klessinger für ihr überdurchschnittliches Engagement und ihre lösungsorientierte Herangehensweise danken“, so Benjamin Grillmeier. Einen weiteren Dank richtet er an Diözesanbaumeister Jochen Jarzombek und die weiteren Verantwortlichen des Bistums Passau sowie Architekt Zdenek Svarc für das in Beutlhauser gesetzte Vertrauen.
Nachdem alle Pfeifen von der Empore abgehoben worden waren, wurde der Kran kurz vor Heiligabend 2025 wieder demontiert, damit die Weihnachtsfeierlichkeiten im Dom ohne bauliche Einschränkungen stattfinden konnten. Der erneute Aufbau für den Wiedereinbau der restaurierten Pfeifen ist zu einem späteren Zeitpunkt im Projektverlauf vorgesehen.
Über die Beutlhauser-Gruppe
Die Beutlhauser-Gruppe ist ein marktführendes Handels- und Dienstleistungsunternehmen mit einem Jahresumsatz von 551 Millionen Euro. Das Unternehmen ist in den Bereichen Verkauf, Vermietung und Service hochwertiger Produkte sowie digitaler Lösungen tätig. Zu den Hauptlieferanten zählen die Premium-Hersteller Liebherr Baumaschinen, Linde Flurförderzeuge und Mercedes-Benz Unimog. Einen entscheidenden Mehrwert für die Kunden leisten die rund 1.500 Mitarbeiter an 27 Standorten durch ihre persönliche, kompetente, schnelle und lösungsorientierte Arbeitsweise – Leistungen, die weder künstliche Intelligenz noch Algorithmen ersetzen können.
Fotos: pbp/Markus Kornexl




