Nicht kleckern, sondern klotzen
Der fertige Löffel im Einsatz am langen Arm des Komatsu PC1250 im Steinbruch der SSR Mineralgestein

Nicht kleckern, sondern klotzen

Baggerlöffel individuell an Einsatzbedingungen angepasst – Rädlinger Maschinen- und Stahlbau konstruiert die Anbauwerkzeuge für Großbagger nach den Anforderungen seiner Kunden. Bei ihrem letzten Coup ließen die Bayern sich ein wenig in die Karten schauen

Jeder Löffel besteht aus vielen Einzelteilen

Gut zehn Tonnen Gesamtgewicht, 2,4 Meter Schnittbreite, 7,5 Kubikmeter Inhalt und rundherum gepanzert – die jüngste Einzelanfertigung von Rädlinger Maschinen- und Stahlbau ist ein wahrer Riesen-Löffel und wird am kräftigen Arm eines Komatsu PC1250 in einem Steinbruch zum Einsatz kommen. Mit 120 Tonnen Kampfgewicht zählt der Neuzugang im Maschinenpark der SSR Mineralgestein zu den richtig großen Jungs mit entsprechendem Dampf unter der Haube. Den braucht er auch, denn sein Job besteht im Wesentlichen im Verladen von Granitblöcken, die im Steinbruch des Unternehmens abgesprengt wurden.

Angesichts der Größe und des Investitionsaufwands weiß man bei Rädlinger, dass es sich lohnt, die Konstruktion solcher Mega-Anbauwerkzeuge als Einzelanfertigung genau auf die Einsatzbedingungen, die Arbeitsabläufe und die verwendete Maschine abzustimmen. Genau dieses Vorgehen gibt dem Unternehmen Gelegenheit, seine Stärken – höchste Qualität, kurze Lieferzeit und die Wahrung eines starken Preis-Leistungs-Verhältnisses – auszuspielen. Am Beispiel des SSR-Tieflöffels gab Rädlinger jüngst einen höchst interessanten Einblick in den Konstruktions- und Fertigungsprozess eines solchen Giganten.

Ideale Abstimmung auf die typische Einsatzsituation

Messer und Zahnhalterungen werden vor dem Schweißen per Induktion erhitzt – so werden Temperaturunterschiede innerhalb der Materialien ausgeglichen und es entsteht eine stabile Schweißnaht

Schlüssel zu einem solchen Produkt, da gibt es nach 30 Jahren Erfahrung in der Konstruktion und Fertigung von Löffeln für Großbagger bei Rädlinger keine zwei Meinungen, ist eine enge Abstimmung mit Kunden und Händlern. Um das zu gewährleisten, besucht ein Team aus Vertriebs- und Konstruktionsspezialisten des Herstellers den späteren Einsatzort von Maschine und Löffel und geht Fragen wie etwa jener nach den Gegebenheiten vor Ort nach. Entscheidend ist auch die Frage, wie genau der Löffel später eingesetzt werden soll. Welche Materialien werden damit verladen? Und wie arbeiten die Maschinisten mit dem Gerät?

Im Fall des Tieflöffels für die SSR Mineralgestein stellte sich dabei heraus, dass im Steinbruch viel stark abrasiver Quarzsand vorhanden ist, welcher der Oberfläche stark zusetzt. So war es erforderlich, den Löffel mit einer kräftigen, weit das übliche Maß für Einsätze in Steinbrüchen hinaus gehenden Panzerung zu versehen. Diesen Job übernehmen aus HB450 und HB500 gefertigte, sowohl innen als auch außen angebrachte Verschleißstreifen und Seitenschneiden aus Hardox, die mit zusätzlichen Zähnen und Panzerungen der schwedischen Marke „Combi Wear“ausgestattet sind. Dank des Termins vor Ort konnten diese Anforderungen bereits bei der Angebotsabgabe berücksichtigt werden und somit spätere Zusatzkosten vermieden werden.

Konstruktion und Fertigung

Anschweißen der Panzerungen auf den Löffelboden

Aufbauend auf dem Konstruktionsplan eines Standardtieflöffels wurden die so ermittelten Anpassungen an die besonderen Anforderungen des Steinbruchs mit Hilfe des 3D-Konstruktionsprogramms vorgenommen. Dabei legten die Konstrukteure von Rädlinger großen Wert darauf, die Forderungen nach hinreichendem Verschleißschutz mit denen nach einem vertretbaren Eigengewicht und maximalem Füllvolumen zu einem intelligenten Ausgleich zu bringen. So sollte etwa der Löffel im Einsatz einen Komatsu HD 605 Muldenkipper mit maximal sechs Ladespielen beladen. Angestellte Finite-Elemente-Analysen hingegen offenbarten, wo eine Materialreduktion gefahrlos möglich war. Während des Konstruktionsprozesses stimmte sich die Konstruktionsabteilung in allen Belangen fortlaufend mit der Fertigung ab.

Nach Abnahme der Freigabezeichnung durch den Endkunden und den Baumaschinenhändler begann dann am Standort in Windischbergerdorf die Fertigung. Die Einzelteile wurden zunächst aus Stahlplatten unterschiedlicher Qualitäten geschnitten, anschließend in Form gebracht, sowie danach geheftet und  geschweißt. Messer und Zahnhalterungen werden vor dem Schweißen per Induktion erhitzt. So lassen sich Temperaturunterschiede innerhalb der Bauteile angleichen und es entsteht eine stabile Schweißnaht. Nach wenigen Wochen konnte der fertige Löffel lackiert und verschickt werden.

Das Schwergewicht ist damit genau auf den Einsatz im Steinbruch der SSR Mineralgestein abgestimmt. Bereits bei seinem ersten Einsatz zeigte der Löffel, was er drauf bzw. drin hat: Rund zehn Tonnen Granit pro Ladespiel packte der Baggerfahrer auf den Komatsu HD 605.

Panzerungen schützen den Löffel vor Verschleiß am Löffelboden und an den Seiten