Du betrachtest gerade Brandl nutzt 3D-Maschinensteuerung

Brandl nutzt 3D-Maschinensteuerung

Digitale Geländemodelle und vernetzte Baustellenprozesse

Die Brandl GmbH Strassen- und Tiefbau steigert die Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung von Bauprozessen
Die mit 3D-Maschinensteuerung ausgerüsteten Baumaschinen von Brandl arbeiten auf Basis digitaler Geländemodelle und GNSS-Positionierung

Die mittelständische Brandl GmbH aus Neufraunhofen in Niederbayern nutzt die Digitalisierung gezielt zur Optimierung ihrer Bauprozesse im Straßen- und Tiefbau. Das Unternehmen ist seit den 1960er Jahren am Markt tätig, betreibt eigene Kiesgruben und beschäftigt rund 100 Mitarbeiter. Neben klassischen Infrastrukturmaßnahmen übernimmt Brandl heute insbesondere die Erschließung von Wohn- und Gewerbegebieten und steht dabei im Wettbewerb mit überregional agierenden Anbietern sowie preislich sensibel kalkulierenden Kommunen und Generalunternehmern.

Digitalisierung als strategische Antwort auf Marktdruck und Fachkräftemangel

Der zunehmende Wettbewerbsdruck bei öffentlichen und gewerblichen Ausschreibungen sowie der spürbare Fachkräftemangel zwangen das Unternehmen, bestehende Prozesse systematisch zu überprüfen. Brandl begann vor einigen Jahren mit der schrittweisen Digitalisierung zentraler Arbeitsabläufe. Zunächst wurde in moderne Vermessungstechnologie investiert, in einem weiteren Schritt folgten 3D-Maschinensteuerungen sowie softwaregestützte Lösungen für das Projekt- und Datenmanagement. Ziel war eine durchgängige Datenkette vom Aufmaß über die Kalkulation bis zur Ausführung auf der Baustelle.

Durch die Integration digitaler Geländemodelle und die Vernetzung von Büro und Baustelle konnten Zeitverluste reduziert und die Ausführungsqualität verbessert werden. Die digitale Verfügbarkeit konsistenter Planungsdaten minimiert Schnittstellenprobleme und reduziert den Bedarf an manuellen Kontroll- und Absteckarbeiten.

Die Brandl GmbH Strassen- und Tiefbau steigert die Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung von Bauprozessen
Cat 336 mit GNSS-gestützter 3D-Maschinensteuerung bei Aushub- und Fundamentarbeiten

Praxisbeispiel: Erdarbeiten für ein Logistikzentrum

Die Effizienzgewinne lassen sich anhand eines typischen Projekts aus dem vergangenen Jahr veranschaulichen. Brandl erhielt den Auftrag für die Erdarbeiten beim Neubau eines Logistikzentrums in Obertaufkirchen. Die bebaute Fläche betrug rund 30.000 Quadratmeter. Insgesamt waren etwa 25.000 Kubikmeter Oberboden und Aushub zu bewegen, hinzu kamen 5.000 Kubikmeter Fundamentaushub sowie Maßnahmen zur Bodenverbesserung zur Stabilisierung der Sohle.

Die Urvermessung des Geländes erfolgte innerhalb von etwa 30 Minuten aus der Luft mittels einer Drohne des Typs DJI Mavic 3 Enterprise. Im Vergleich dazu würde eine klassische Vermessung ausschließlich mit Rover-Systemen nach Unternehmensangaben rund zwei Arbeitstage in Anspruch nehmen. Auf Basis der gewonnenen Daten wurde ein digitales Geländemodell erstellt, das sowohl der Massenermittlung für die Angebotskalkulation als auch nach Auftragserteilung als Grundlage für die 3D-Maschinensteuerung diente.

Für die Ausführung kamen zwei Bagger mit GNSS-Positionierung und Trimble MS976-Empfängern zum Einsatz. Ergänzt wurde das Setup durch zwei Planierraupen mit hochgenauer UTS-Steuerung, realisiert über die Trimble SPS930-Totalstation und das Maschinenprisma Trimble MT900. Die 3D-Maschinensteuerung basierte auf Trimble Earthworks. Durch die kontinuierliche Positionsbestimmung und Soll-Ist-Visualisierung in der Kabine entfiel das wiederholte manuelle Abstecken zur Höhenkontrolle, sodass die Geräte ohne Unterbrechungen arbeiten konnten.

Die Brandl GmbH Strassen- und Tiefbau steigert die Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung von Bauprozessen
Die Cat D5 im Einsatz mit UTS-Steuerung und angebundener Totalstation für präzise Planierarbeiten

Brandl: Vernetztes Datenmanagement als Beschleuniger

Ein zentraler Baustein der Prozesskette war die Nutzung von Trimble WorksManager. Planänderungen, die während des Bauablaufs erforderlich wurden, konnten vom Büro aus unmittelbar in das System eingepflegt und in Echtzeit an die Maschinen auf der Baustelle übertragen werden.

Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass ausschließlich mit aktuellen Planständen gearbeitet wurde. Fehlerquellen durch veraltete Unterlagen oder inkonsistente Datenstände ließen sich so deutlich reduzieren.

Trotz eines engen Zeitfensters im Dezember konnte Brandl das Projekt fristgerecht abschließen. Nach Unternehmensangaben trugen insbesondere die präzise Massenkalkulation, der reduzierte Kontrollaufwand sowie der unterbrechungsarme Maschineneinsatz zur termingerechten Fertigstellung bei.

Die Brandl GmbH Strassen- und Tiefbau steigert die Wettbewerbsfähigkeit durch Digitalisierung von Bauprozessen
Mit Investitionen in moderne Bautechnologie und Datenintegration steigert Brandl die Wettbewerbsfähigkeit im Straßen- und Tiefbau

Schulung und Systemintegration

Ein weiterer Aspekt der Digitalisierungsstrategie ist die Qualifizierung der Mitarbeiter. Die Schulungen zur effizienten Nutzung der Trimble-Technologie wurden durch die SITECH Deutschland GmbH durchgeführt. Das Unternehmen mit Sitz in Oberhausen ist exklusiver Vertriebs- und Servicepartner von Trimble Inc. in Deutschland für Maschinensteuerung, Bauvermessung und Baustellenmanagement-Lösungen. Mit über 190 Mitarbeitern betreut SITECH Deutschland von acht Standorten aus mehr als 8.000 Maschinensteuerungs- und Bauvermessungssysteme.

Trimble selbst wurde 1978 in Sunnyvale, Kalifornien, gegründet und entwickelt GPS- und GNSS-basierte Technologien sowie Softwarelösungen unter anderem für Bauwirtschaft, Transportwesen, Telekommunikation und Landwirtschaft. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 7.000 Mitarbeiter und war 2014 in 35 Ländern aktiv, bei einem Umsatz von 2,4 Milliarden US-Dollar.

Einordnung

Das Beispiel zeigt, wie sich durch die konsequente Verzahnung von Vermessung, digitaler Modellierung, Maschinensteuerung und Datenmanagement klassische Erdbaumaßnahmen beschleunigen lassen. Neben der Reduktion von Zeitaufwand und Nacharbeiten steht insbesondere die Erhöhung der Ausführungsgenauigkeit im Vordergrund.

Für mittelständische Bauunternehmen wie Brandl kann die Integration solcher Systeme einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit leisten, insbesondere in einem Marktumfeld mit hohem Preisdruck und begrenzten personellen Ressourcen.

Fotos: Brandl GmbH Strassen- und Tiefbau