Grabenloser Trassenbau mit Tracto Grundodrill-Technologie auf der A-Nord

Der Ausbau der Höchstspannungs-Gleichstromverbindung A-Nord zählt zu den zentralen Infrastrukturvorhaben der Energiewende in Deutschland. Auf Teilabschnitten kommt dabei der grabenlose Leitungsbau im Horizontal-Spülbohrverfahren (HDD) zum Einsatz. Im nordrhein-westfälischen Geldern realisiert das niederländische Unternehmen Niks Infra B.V. die Verlegung mehrerer Kabelschutzrohre mit dem speziell für den Trassenbau entwickelten Grundodrill JCS300 von Tracto. Das Projekt verdeutlicht die zunehmende Bedeutung leistungsfähiger HDD-Technik für den Bau moderner Energietrassen.
HGÜ-Trasse für den Stromtransport aus Offshore-Windenergie
Mit einer Gesamtlänge von rund 300 Kilometern verbindet die A-Nord den Konverterstandort Emden-Petkum mit dem Konverter in Meerbusch-Osterath. Dort wird der aus Offshore-Windparks in der Nordsee erzeugte Wechselstrom zunächst in Gleichstrom umgewandelt, um ihn verlustarm über große Entfernungen zu übertragen. Am südlichen Endpunkt erfolgt die Rückumwandlung in Wechselstrom und die Einspeisung in das 380-kV-Übertragungsnetz. Die Übertragungsleistung der Leitung beträgt 2.000 MW und deckt den Strombedarf von rund zwei Millionen Menschen.
Der Baustart erfolgte im Oktober 2023, die Inbetriebnahme ist für 2027 vorgesehen. Die Erdkabeltrasse besteht aus zwei parallel verlaufenden Systemen mit jeweils zwei 380-kV-Hochspannungskabeln sowie einem Rückleiter. Wo bestehende Verkehrswege, Gewässer oder sensible Naturräume eine offene Bauweise ausschließen, wird die Leitung im geschlossenen HDD-Verfahren verlegt. Dies betrifft unter anderem den rund 60 Kilometer langen Abschnitt NRW3a zwischen der Kreisgrenze Kleve/Wesel und dem Konverterstandort Osterath.

HDD reduziert Eingriffe in Landschaft und Infrastruktur
Niks Infra setzt auf den Baustellen der A-Nord seit rund zwei Jahren konsequent auf das Horizontal-Spülbohrverfahren. Im Vergleich zur offenen Bauweise reduziert die grabenlose Verlegung die Eingriffe in landwirtschaftliche Flächen und ökologisch sensible Bereiche erheblich.
Während Kabelgräben für die offene Verlegung etwa 5,5 Meter breit und rund zwei Meter tief ausgeführt werden müssen und zusätzliche Flächen für Bodenlagerung und Baulogistik beanspruchen, beschränkt sich das HDD-Verfahren auf Start- und Zielgruben sowie die erforderlichen Arbeitsflächen und Zuwegungen.
Dadurch sinken sowohl der Umfang der Erdarbeiten als auch der Bedarf an Baumaschinen und Transportleistungen. Gleichzeitig verringern sich Wiederherstellungsaufwand, Staubentwicklung, Lärmemissionen und CO2-Ausstoß während der Bauausführung.

Grundodrill im Einsatz auf langen HDD-Strecken
Im Bereich der Issumer Fleuth innerhalb des Naturschutzgebietes Fleuthkuhlen wurden insgesamt sechs Parallelbohrungen mit einer Länge von jeweils 490 Metern hergestellt. Eingezogen werden Kabelschutzrohre mit Durchmessern von 315 beziehungsweise 350 Millimetern. Für diese Arbeiten nutzt Niks Infra den Grundodrill JCS300 von Tracto, eine speziell auf Anforderungen des linearen Trassenbaus ausgelegte Jet-Bohranlage.
Der Grundodrill JCS300 verfügt über eine Schub- und Zugkraft von 300 kN sowie ein hohes Drehmoment und ist damit für lange Bohrungen mit großen Rohrdurchmessern ausgelegt. Das Bohrgestängemagazin fasst 70 Gestänge mit einer Länge von jeweils 4,5 Metern. Zusätzlich können bis zu sechs weitere Gestänge parallel nachgeladen werden. Gegenüber herkömmlichen Drei-Meter-Gestängen reduziert sich dadurch die Anzahl der Gestängeverbindungen, was in Verbindung mit dem vollautomatischen Gestängehandling zu kürzeren Taktzeiten beiträgt.

Grundodrill JCS300 unterstützt präzise und dokumentierte Bohrprozesse
Zur Serienausstattung des Grundodrill JCS300 gehören verschiedene Assistenzsysteme, darunter eine automatische Erfassung sämtlicher Bohrdaten. Die digitale Dokumentation erleichtert insbesondere bei Infrastrukturprojekten mit umfangreichen Nachweispflichten die lückenlose Aufzeichnung des Bauablaufs.
Bedient wird die Anlage über eine mobile Human-Machine-Interface-Lösung (HMI), die sämtliche Maschinen- und Bohrdaten zentral darstellt und zugleich als Fernbedienung genutzt werden kann. Während der Pilotbohrung werden zusätzlich die Daten des Walk-Over-Ortungssystems direkt in die Bedienoberfläche integriert. Die Verknüpfung von Ortungstechnik und Maschinensteuerung verbessert die Präzision der Bohrkopfsteuerung und erhöht die Prozesssicherheit.
Die erzielten Bauleistungen verdeutlichen die Leistungsfähigkeit des Grundodrill JCS300 unter den Bedingungen des Trassenbaus. Die sechs Pilotbohrungen mit einer Länge von jeweils 490 Metern wurden durchschnittlich innerhalb von sieben Stunden hergestellt. Für die Aufweitung auf den erforderlichen Rohrdurchmesser war jeweils ein weiterer Arbeitstag erforderlich. Der anschließende Clean-Up-Run zur Freispülung des Bohrkanals sowie der Einzug der Schutzrohre mit 315 beziehungsweise 350 Millimetern Durchmesser konnten ebenfalls innerhalb eines Arbeitstages je Rohrleitung abgeschlossen werden. Die Hochspannungskabel werden zu einem späteren Zeitpunkt in die bereits verlegten Schutzrohre eingezogen.
NO-DIG-Technologien gewinnen im Energieleitungsbau an Bedeutung
Auch auf weiteren Abschnitten der A-Nord setzt der Übertragungsnetzbetreiber Amprion auf grabenlose Bauverfahren. Zwischen Emden und Wietmarschen wird die Trasse auf einer Länge von rund 100 Kilometern gemeinsam mit den Offshore-Netzanbindungssystemen DolWin4 und BorWin4 geführt. Die Leitungen transportieren Windstrom aus der Nordsee unter anderem von der Insel Norderney zum Festland und weiter in Richtung Emsland.
Da die Küstenlandschaft und das Wattenmeer besonders hohe Anforderungen an den Naturschutz stellen, erfolgt die Leitungsverlegung dort ausschließlich in geschlossener Bauweise. Bereits im Sommer wurden sechs HDD-Bohrungen von der Inselmitte in Richtung südliches Watt und Festland ausgeführt. Im Jahr 2026 werden die Arbeiten in Richtung der Offshore-Konverterplattformen fortgesetzt. Aufgrund der instabilen sandigen Bodenverhältnisse kamen an den Eintrittspunkten zusätzlich Casing-Rohre zum Einsatz, die mittels Rammtechnik eingebracht wurden und die Bohrungen in tragfähigen Bodenschichten ermöglichen.
Die Erfahrungen aus den verschiedenen Bauabschnitten zeigen, dass grabenlose NO-DIG-Verfahren im Leitungsbau längst nicht mehr ausschließlich als umweltschonende Alternative zur offenen Bauweise betrachtet werden. Sie haben sich zu einem technisch und wirtschaftlich etablierten Verfahren entwickelt, das die Anforderungen moderner Hochleistungs-Gleichstromtrassen hinsichtlich Verlegequalität, Prozesssicherheit und Bauleistung erfüllt und damit einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung komplexer Infrastrukturprojekte leistet.
Fotos: Niklas Thiemann / Tracto




