Leichtbau, Nutzlast und alternative Antriebskonzepte prägen den Messeauftritt
Vom 15. bis 20. September 2026 rückt die IAA Transportation in Hannover erneut die Entwicklung des Nutzfahrzeugsektors in den Mittelpunkt. Fliegl nutzt die internationale Leitmesse, um verschiedene Anhänger- und Aufliegerkonzepte vorzustellen, bei denen geringes Eigengewicht, hohe Nutzlast und eine praxisorientierte Fahrzeugauslegung zusammenkommen. Zu sehen sind unter anderem Lösungen für den Coil-, Container-, Stückgut- und Schüttguttransport. Der Fahrzeugbauer aus Triptis stellt seine Fahrzeuge am Messestand C37 in Halle 27 sowie auf der Außenstandfläche L41 vor.
Die zunehmende Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs verändert auch die Anforderungen an Trailer. Wenn Zugmaschinen aufgrund der Batterie schwerer werden und zugleich bei der Sattellast Einschränkungen bestehen, gewinnt jedes eingesparte Kilogramm am Anhänger an Bedeutung. Leichtbau ist damit nicht allein eine Frage der technischen Optimierung, sondern wirkt sich unmittelbar auf Nutzlast, Energieverbrauch und die Wirtschaftlichkeit des Transports aus.

Weniger Eigengewicht, höhere Nutzlast
Ein Beispiel dafür ist der SDS 390 RoadRunner Coil Ultralight. Fliegl entwickelt damit das bereits auf der vorherigen IAA gezeigte Leichtbaukonzept für den Coil-Transport weiter. Das Leergewicht beginnt bei 5.460 Kilogramm. Erreicht wird dieser Wert durch eine konsequente Gewichtsoptimierung des gesamten Aufliegers. Beim Rahmen setzt Fliegl auf Spezialstahl in Ultraleichtbauweise. Die tiefgezogenen Rahmenlöcher reduzieren das Gewicht, ohne die konstruktive Stabilität des Rahmens aus dem Blick zu verlieren.
Trotz des reduzierten Eigengewichts bleibt der Auflieger für den anspruchsvollen Coil-Transport umfassend ausgestattet. Die Konstruktion verbindet den Leichtbau mit Ladungssicherungssystemen, die auf die spezifischen Anforderungen beim Transport von Stahlcoils ausgerichtet sind. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel der einzelnen Bauteile: Nicht ein isoliertes Leichtbauelement, sondern die konsequente Gewichtsreduzierung an mehreren Stellen bestimmt das Ergebnis.
Auch beim Containerchassis Vario V3+ steht die möglichst hohe Nutzlast bei gleichzeitig breitem Einsatzspektrum im Vordergrund. Das Chassis wiegt ab 4.700 Kilogramm und ist für unterschiedliche Containerformate ausgelegt. Über Front- und Heckausschub sowie eine taillierte Mittel-Teleskopierung lässt sich die Rahmenlänge an 20-, 30- und 40-Fuß-Container ebenso anpassen wie an zwei 20-Fuß-Container oder einen 45-Fuß-Container. Damit zielt das Konzept vor allem auf Transporte, bei denen häufig zwischen verschiedenen Containerlängen gewechselt wird.

Fliegl entwickelt Trailer für unterschiedliche Transportaufgaben
Beim Tandem-Wechselpritschenanhänger TWP 180 Standard verschiebt sich der Schwerpunkt vom Containertransport hin zum Stückgut- und Paketverkehr. Der Anhänger ist für Wechselbehälter mit Längen von 7,15, 7,45 und 7,82 Metern ausgelegt. Mit einem Leergewicht ab 3.100 Kilogramm stehen bis zu 14.900 Kilogramm Nutzlast zur Verfügung.
Eine konstruktive Besonderheit liegt im tief positionierten Zugholm. Dadurch kann der zugehörige Motorwagen auch mit einer Ladebordwand ausgestattet werden. Gerade im Wechselbrückenverkehr spielen außerdem Rangier- und Anfahrschäden eine relevante Rolle. Fliegl berücksichtigt diesen praktischen Aspekt bei der Auslegung des TWP 180 Standard mit konstruktiven Details, die den Wechselbetrieb erleichtern und die Gefahr typischer Rangierschäden reduzieren sollen.
Für den Transport von Paletten und anderem Stückgut zeigt Fliegl auf der Außenstandfläche L41 den Tandem-Plattformanhänger TPS 118. Die Pritsche verfügt über eine Länge von 7.300 Millimetern und bietet eine Nutzlast von 8.500 Kilogramm. Ausgestattet ist das ausgestellte Fahrzeug mit einem Schiebegardinenaufbau und einem Durchladesystem mit Frontportaltüren und Überfahrklappe.
Die geteilte Überfahrklappe erreicht eine Tragfähigkeit von 1.800 Kilogramm und ermöglicht damit auch das Überfahren mit schweren Paletten. Zum technischen Konzept gehören darüber hinaus ein Schiebeverdeck, ein versiegelter Boden, der patentierte I-Lock-Türverschluss und ein längenverstellbarer Zugholm. Verschiedene Optionen zur Ladungssicherung ergänzen die Ausstattung. Die Auslegung orientiert sich damit an den Anforderungen eines universell einsetzbaren Plattformanhängers für den täglichen Stückgutverkehr.

Schüttguttransport mit reduzierter Masse
Für Anwendungen im Baugewerbe gehört der Kippsattelauflieger DHKS 390 in der Greenline-Ausführung zum Messeprogramm. Der mit einer Stahlmulde ausgestattete Sattelkipper bringt 5.403 Kilogramm auf die Waage und erreicht eine zulässige Nutzlast von 29.600 Kilogramm. Die konische StoneMaster-Mulde fasst 25 Kubikmeter. Ihre Geometrie dient nicht nur der Gewichtsoptimierung, sondern auch der Reduzierung des Luftwiderstands.
Beim Bedienkonzept setzt Fliegl unter anderem auf ein klapp- und schwenkbares Step-Podest, das den Zugang zur Mulde sicherer machen soll. Ein elektrisches Verdeck übernimmt das Öffnen und Schließen der Abdeckung. Hinzu kommt das Drive-On-System. Zusammen mit der gewichtsoptimierten Konstruktion soll die Ausstattung einen möglichst effizienten Betrieb im Baustellen- und Schüttgutverkehr ermöglichen.
Eine weitere technische Ausrichtung zeigt der Container-Sattelauflieger SDS 380. Fliegl hat das Chassis für den ADR-Transport ausgelegt und zugleich für die Kombination mit elektrisch angetriebenen Zugmaschinen optimiert. Bei E-Lkw kann die verfügbare Sattellast geringer ausfallen als bei konventionellen Sattelzugmaschinen. Fliegl reagiert darauf mit einer angepassten Positionierung der Achsen und einem leicht vergrößerten Radstand. Ziel ist es, die verfügbare Nutzlast auch bei der Kombination mit einer elektrischen Zugmaschine möglichst vollständig auszuschöpfen.
Der SDS 380 verfügt über Aufnahmen für 20-Fuß-Container. Optional lassen sich ab Werk vier Wägezellen integrieren, auf denen der Container aufliegt. Das ermöglicht eine direkte Erfassung des Containergewichts beziehungsweise der transportierten Menge. Für Transporte, bei denen die exakte Liefermenge eine besondere Rolle spielt, etwa bei Spezialchemikalien, kann diese Funktion zusätzliche Transparenz schaffen.

Fliegl setzt auf kundenspezifische Fahrzeuglösungen
Neben den ausgestellten Serienfahrzeugen ist die Fertigung individueller Anhänger und Auflieger ein weiterer Bestandteil des Fliegl Konzepts. Das Unternehmen entwickelt und produziert in Triptis auch Einzelstücke und Kleinserien für spezifische Transportaufgaben. Damit richtet sich das Angebot nicht ausschließlich auf standardisierte Fahrzeugkonfigurationen, sondern auch auf Anwendungen, für die vorhandene Serienlösungen angepasst oder vollständig neu ausgelegt werden müssen.
Die Fertigung sämtlicher Anhänger und Sattelauflieger erfolgt nach Unternehmensangaben in Deutschland. Konstruktion, Produktion und Montage sind an einem zentralen Standort gebündelt. Das verkürzt interne Transportwege und schafft zugleich kurze Abstimmungswege zwischen Entwicklung und Fertigung.
Geschäftsführer Helmut Fliegl wird während der IAA ebenfalls am Messestand vertreten sein. Der persönliche Austausch mit Anwendern und die Diskussion konkreter technischer Anforderungen gehören damit zum Messeauftritt ebenso wie die Präsentation der Fahrzeuge.

Nachhaltigkeit beginnt in der Produktion
Fliegl betrachtet Nachhaltigkeit nicht ausschließlich über das Einsatzgewicht der Fahrzeuge. Auch die Produktion im Werk in Thüringen ist auf einen möglichst geringen Energie- und Ressourcenverbrauch ausgerichtet. Das Unternehmen betreibt zwei Blockheizkraftwerke und nutzt großflächige Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung. Nach Unternehmensangaben liegt die eigene Stromproduktion über dem Verbrauch des Standorts. Für die Wärmeversorgung kommen Hackschnitzel und Abfallholz zum Einsatz.
Auch innerhalb der Fertigungsprozesse setzt der Fahrzeugbauer auf eine Reduzierung des Energiebedarfs. Eine ressourcenschonende Lackieranlage kommt ohne energieintensive Einbrennvorgänge aus. Puls-Schweißmaschinen und Fiber-Laseranlagen sollen den Energieeinsatz bei der Bearbeitung weiter reduzieren. Die Hallenbeleuchtung wurde vollständig auf LED-Technik umgestellt. Zudem ist das neue Hochregallager in den betrieblichen Energiekreislauf eingebunden.
Ein weiterer Ansatz betrifft die Logistik der zugelieferten Komponenten. Fliegl bündelt Bestellungen nach Möglichkeit zu Full Truck Loads, um die Transportkapazitäten bei der Anlieferung besser auszunutzen. Dadurch lässt sich die Zahl beziehungsweise der Auslastungsgrad der erforderlichen Transporte beeinflussen.
Aerodynamik und Fahrwerk als Teil des Leichtbaukonzepts
Auch die Fahrzeugauslegung selbst soll dazu beitragen, den Energiebedarf im späteren Betrieb zu reduzieren. Beim Quick Lock System für Gardinenauflieger verzichtet Fliegl auf hervorstehende Verschlussschnallen. Die dadurch weitgehend ebene Planenfläche verbessert die aerodynamischen Eigenschaften des Aufliegers.
Bei Sattelkippern setzt der Hersteller auf konische Mulden und ein Curved Chassis mit flachem, rund ausgeführtem Rahmenhals. Der Kipper soll dadurch aerodynamisch günstiger hinter der Zugmaschine liegen. Windabweiser und eine Membran-Rückwand gehören ebenfalls zu den Maßnahmen zur Reduzierung des Luftwiderstands.
Eine weitere Stellgröße ist die Fahrwerksgeometrie. Fliegl stellt die Spur seiner Trailer nach eigenen Angaben individuell und laserbasiert ein. Eine präzise Spureinstellung kann den Rollwiderstand und den Reifenverschleiß reduzieren und damit sowohl den Kraftstoffverbrauch als auch die Betriebskosten beeinflussen.
Bei den zweiachsigen Twin-Gardinensattelaufliegern kommt schließlich ein weiterer Ansatz hinzu: Durch den Verzicht auf eine dritte Achse lässt sich das Eigengewicht reduzieren. Gleichzeitig können sich gegenüber dreiachsigen Fahrzeugen Vorteile beim Kraftstoffverbrauch und bei den Mautkosten ergeben. Damit wird deutlich, dass Fliegl den Leichtbau nicht auf einzelne Bauteile beschränkt, sondern als Zusammenspiel aus Konstruktion, Aerodynamik, Fahrwerk und Einsatzprofil versteht.
Auf der IAA Transportation 2026 lässt sich dieses Konzept anhand mehrerer Fahrzeugklassen nachvollziehen. Vom Coil-Auflieger über Containerchassis und Wechselpritschen bis zum Baustellenkipper reicht das Spektrum der ausgestellten Fahrzeuge. Gemeinsam ist ihnen der Versuch, Eigengewicht, Nutzlast, Betriebssicherheit und praktische Funktionalität so miteinander zu verbinden, dass daraus im täglichen Transporteinsatz ein messbarer wirtschaftlicher Vorteil entstehen kann.
Fotos: Fliegl Fahrzeugbau




