Neues 6×2-Fahrgestell kombiniert elektrische Antriebstechnik mit spezifischen Anforderungen des Wechselbrückenverkehrs

DAF erweitert sein Angebot an elektrisch angetriebenen Fahrgestellen für den BDF-Systemverkehr. Auf der IAA Transportation 2026 in Hannover stellte der Nutzfahrzeughersteller mit dem XG 350 Electric FAN 6×2 eine speziell für den deutschen Markt konfigurierte Variante vor. Im Mittelpunkt stehen eine angepasste Batterieanordnung, die Kompatibilität mit unterschiedlichen Wechselbehältern und eine für wiederkehrende Logistikabläufe ausgelegte Reichweite. Damit adressiert DAF die Anforderungen eines Transportsegments, in dem zunehmend auch elektrische Antriebe zum Einsatz kommen sollen.
Elektrifizierung im Wechselbrückenverkehr
Der BDF-Systemverkehr basiert auf dem Einsatz standardisierter Wechselbehälter, die sich mit geeigneten Fahrgestellen aufnehmen, transportieren und wieder absetzen lassen. Das System geht auf den Bundesverband des Deutschen Güterfernverkehrs zurück und ermöglicht Logistikunternehmen, Transporte flexibel zu organisieren und Standzeiten zu reduzieren. Während ein Behälter be- oder entladen wird, kann das Fahrzeug bereits einen anderen aufnehmen und weitertransportieren.
Die weitgehend standardisierten und regelmäßig wiederkehrenden Transportabläufe bieten grundsätzlich günstige Voraussetzungen für den Einsatz batterieelektrischer Lkw. Feste Relationen, planbare Standzeiten und definierte Umschlagpunkte erleichtern die Integration von Ladevorgängen in bestehende Betriebskonzepte. Zugleich müssen Elektrofahrzeuge die technischen Besonderheiten des Wechselbrückenverkehrs berücksichtigen. Dazu zählen insbesondere die erforderlichen Aufstellhöhen, die Zugänglichkeit der Verriegelungselemente und die Kompatibilität mit unterschiedlichen Behältertypen.
Mit der neuen Elektrovariante reagiert DAF auf diese Anforderungen. Das Unternehmen richtet die Konfiguration des Fahrgestells gezielt auf den deutschen Markt aus, auf dem der BDF-Verkehr eine wichtige Rolle im Stückgut- und Systemtransport spielt.

350 kW Antriebsleistung und bis zu 550 Kilometer Reichweite
Der auf der Fachmesse in Hannover präsentierte DAF XG 350 Electric FAN 6×2 nutzt den Elektromotor Paccar EX-D2. Dieser leistet 350 kW, entsprechend 480 PS, und stellt ein maximales Drehmoment von 2.400 Nm bereit. Der kompakt ausgeführte elektrische Antriebsstrang verfügt über ein integriertes Dreigang-Getriebe, das für gleichmäßige Schaltvorgänge und einen komfortablen Fahrbetrieb ausgelegt ist.
Die Energieversorgung übernimmt eine Konfiguration aus fünf Batteriepaketen. Deren Gesamtkapazität beträgt laut Hersteller 525 kWh, wovon 462 kWh nutzbar sind. DAF gibt die maximale Reichweite mit bis zu 550 Kilometern pro Ladung an. Der tatsächliche Wert hängt im praktischen Einsatz unter anderem von der Streckenführung, der Fahrzeugauslastung, den Witterungsbedingungen und dem Energiebedarf der Nebenverbraucher ab.
Für den Ladebetrieb nennt der Hersteller eine Ladezeit von rund 60 Minuten, um den Ladezustand von 20 auf 80 Prozent zu erhöhen. Voraussetzung ist eine Ladeleistung von bis zu 325 kW. Ob sich dieser Zeitraum im jeweiligen Betrieb erreichen lässt, hängt auch von der verfügbaren Ladeinfrastruktur und den konkreten Ladebedingungen ab.
Gerade im BDF-Verkehr ist die Abstimmung zwischen Reichweite und Ladeplanung von Bedeutung. Wiederkehrende Routen ermöglichen es Transportunternehmen, den Energiebedarf vergleichsweise zuverlässig zu kalkulieren und Ladefenster mit Umschlag- oder Ruhezeiten abzustimmen. Die technische Auslegung des Fahrzeugs schafft damit eine Grundlage, um den elektrischen Antrieb in standardisierte Transportprozesse einzubinden.

Batterieanordnung berücksichtigt die Anforderungen des BDF-Aufbaus
Eine zentrale konstruktive Herausforderung bei elektrischen Wechselbrückenfahrgestellen besteht darin, die Batteriepakete so unterzubringen, dass die Funktionalität des Aufbaus erhalten bleibt. Beim DAF XG 350 Electric FAN 6×2 wurde ihre Positionierung deshalb auf die Anforderungen des Mildner-Multi-BDF-Aufbaus abgestimmt.
Die Anordnung soll sicherstellen, dass die Twistlocks, mit denen die Wechselbehälter auf dem Fahrgestell verriegelt werden, weiterhin gut zugänglich bleiben. Gleichzeitig ist die Kompatibilität mit den BDF-Behältertypen C782, C745 und C715 sowie mit unterschiedlichen Abstellhöhen vorgesehen. Damit zielt die Konfiguration darauf ab, das Fahrzeug in bestehende Wechselbrückensysteme integrieren zu können, ohne die üblichen Umschlagprozesse grundsätzlich verändern zu müssen.
Neben der Anordnung der Energiespeicher bleibt die Fahrgestellgeometrie ein entscheidender Faktor. Insbesondere im Solobetrieb und beim Einsatz mit Anhänger müssen die erforderlichen Hubhöhen und die Handhabung der Wechselbehälter gewährleistet sein. Matthias Schiegl, Branchen Manager bei DAF Trucks Deutschland, verweist in diesem Zusammenhang auf die Hubhöhen des Wechselbrückenfahrgestells, die nach Unternehmensangaben auch in der Elektroausführung zu den besten am Markt zählen. Das Fahrzeug sei sowohl für den Anhängerbetrieb als auch für den Solobetrieb ausgelegt.

DAF setzt auf Nutzlast und eine veränderte Gewichtsverteilung
Bei batterieelektrischen Nutzfahrzeugen beeinflusst das Gewicht der Antriebsbatterien unmittelbar die verfügbare Nutzlast. DAF verweist auf das gesetzlich zulässige zusätzliche Gesamtgewicht von bis zu zwei Tonnen für Elektro-Lkw sowie auf die Gewichtsverteilung seiner Fahrzeuge. Nach Herstellerangaben können die elektrischen Modelle XD, XF, XG und XG+ dadurch bis zu 500 Kilogramm mehr Nutzlast bieten als die jeweiligen Dieselvarianten.
Eine weiterentwickelte Batterieanordnung soll diesen Spielraum zusätzlich vergrößern. Bei der beschriebenen Konfiguration befindet sich kein Batteriepaket unter dem Fahrerhaus. Stattdessen sind vier Batteriepakete weiter hinten am Fahrzeug angeordnet. Nach Angaben von DAF reduziert sich dadurch die Vorderachslast um rund 700 Kilogramm. Die veränderte Lastverteilung soll die verfügbare Nutzlast um bis zu 2,5 Tonnen erhöhen können.
Die tatsächliche Nutzlast hängt allerdings von der jeweiligen Fahrzeugkonfiguration und den zulässigen Achs- und Gesamtgewichten ab. Für den BDF-Verkehr ist diese Kenngröße besonders relevant, da das Eigengewicht des Fahrgestells die mögliche Transportleistung unmittelbar beeinflusst. Eine geringere Vorderachslast und eine günstigere Verteilung der Fahrzeugmasse können daher Vorteile bieten, sofern die gesetzlichen Gewichtsgrenzen und die Anforderungen des jeweiligen Einsatzprofils eingehalten werden.
LFP-Batterien und ergänzende Energieinfrastruktur
DAF stattet seine Elektrofahrzeuge mit Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) aus. Die Zellchemie kommt ohne Kobalt und Nickel aus und zeichnet sich durch eine hohe thermische Stabilität aus. Nach Angaben des Herstellers lassen sich die Batterien regelmäßig vollständig aufladen, ohne dass dadurch die Lebensdauer beeinträchtigt wird. DAF gewährt auf die Batterien eine Garantie von acht Jahren.
Neben der Fahrzeugtechnik gewinnt die betriebliche Energieversorgung bei der Umstellung auf elektrische Nutzfahrzeuge an Bedeutung. Dazu gehören eine bedarfsgerecht dimensionierte Ladeinfrastruktur, die Abstimmung der Ladezeiten auf die Transportplanung und gegebenenfalls stationäre Speicherlösungen. Über Paccar Power Solutions bietet DAF beziehungsweise die Paccar-Gruppe entsprechende Beratungsleistungen sowie Ladelösungen und Batteriespeichersysteme an.
Für Flottenbetreiber bedeutet die Umstellung deshalb mehr als den Austausch eines Diesel-Lkw gegen ein batterieelektrisches Modell. Entscheidend ist, wie sich Fahrzeugreichweite, Ladeleistung, verfügbare Netzanschlussleistung und tägliche Laufleistung aufeinander abstimmen lassen. Gerade bei wiederkehrenden Verkehren können standardisierte Abläufe die Planung erleichtern. Ob sich daraus im konkreten Betrieb wirtschaftliche Vorteile ergeben, hängt jedoch von den individuellen Einsatzbedingungen und den Investitionen in die Energieversorgung ab.

Fahrerhaus mit Fokus auf Raumangebot und Sichtverhältnisse
Für den XG 350 Electric FAN 6×2 stehen die Fahrerhausvarianten XG und XG+ zur Verfügung. Nach Angaben von DAF gehören diese Ausführungen zu den im Systemverkehr häufig gewählten Varianten. Ihr Innenraumvolumen beträgt bis zu 12,5 Kubikmeter, die maximale Stehhöhe liegt bei 2,2 Metern. Das Relax Bett wurde über seine gesamte Länge auf eine Breite von 90 Zentimetern erweitert.
Auch die direkte und indirekte Sicht spielt im Verteiler- und Systemverkehr eine wichtige Rolle, insbesondere bei Rangiermanövern, beim Anfahren von Umschlagplätzen und im innerstädtischen Verkehr. Die Fahrerhäuser der neuen DAF-Generation verfügen über eine große Windschutzscheibe, eine tief heruntergezogene Gürtellinie und Seitenfenster mit niedriger Rahmenhöhe. Ein optionales Bordsteinfenster auf der Beifahrerseite verbessert die Sicht auf den unmittelbaren Bereich neben dem Fahrzeug.
Für die indirekte Sicht ergänzt DAF diese konstruktiven Merkmale durch die Corner-View-Technologie. Das System soll eine Rundumsicht von 280 Grad um das Fahrerhaus ermöglichen und dadurch Bereiche erfassen, die vom Fahrerplatz aus sonst nur eingeschränkt einsehbar sind. Hinzu kommt ein digitales Kameraspiegelsystem, das die herkömmliche Spiegeltechnik ergänzt beziehungsweise ersetzt und die Übersicht im Verkehr verbessern soll.

Elektrische Fahrgestelle für standardisierte Transportprozesse
Mit dem XG 350 Electric FAN 6×2 erweitert DAF sein Elektroangebot um eine Variante, deren technische Auslegung auf die Besonderheiten des BDF-Systemverkehrs zugeschnitten ist. Die Kombination aus fünf Batteriepaketen, einer nutzbaren Batteriekapazität von 462 kWh und einer vom Hersteller angegebenen Reichweite von bis zu 550 Kilometern soll den Einsatz auf planbaren Transportrelationen ermöglichen. Hinzu kommen die auf unterschiedliche Wechselbehälter abgestimmte Batteriepositionierung und die auf eine hohe Nutzlast ausgerichtete Gewichtsverteilung.
Ob das Fahrzeug die Anforderungen eines konkreten Logistikbetriebs erfüllt, hängt von den täglichen Fahrleistungen, den Umschlagzeiten, den Lademöglichkeiten und der benötigten Nutzlast ab. Die standardisierten Abläufe im BDF-Verkehr bieten allerdings Ansatzpunkte, um Ladezyklen in bestehende Prozesse zu integrieren und den Einsatz batterieelektrischer Lkw systematisch zu planen.
DAF Trucks N.V. ist eine Tochtergesellschaft des global tätigen Technologieunternehmens Paccar Inc., das leichte, mittelschwere und schwere Lkw entwickelt und produziert. Neben Zugmaschinen und Nutzfahrzeugen umfasst das Angebot Dienstleistungen für den Flottenbetrieb. Dazu zählen die Reparatur- und Wartungsverträge von MultiSupport, Finanzierungsangebote von Paccar Financial sowie der Ersatzteilservice von Paccar Parts.
Fotos: DAF Trucks




