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Volvo L120 Electric im Praxistest

Ein elektrischer Radlader im anspruchsvollen Recyclingbetrieb

Der Volvo L120 Electric überzeugt im anspruchsvollen Recyclingeinsatz
Der Einsatz unter realen Betriebsbedingungen zeigt, wie sich der Volvo L120 Electric im Recycling bewährt. Mit seiner Demoflotte ermöglicht Swecon Interessenten, elektrische Baumaschinen vor einer Investitionsentscheidung im eigenen Arbeitsumfeld zu erproben

Dampfende Kompostmieten, schwere Materialbewegungen und der Lärm dieselbetriebener Maschinen prägen den Arbeitsalltag im Kompostwerk. Mittendrin muss sich der Volvo L120 Electric bewähren. Der batterieelektrische Radlader mit einem Einsatzgewicht von rund 20 Tonnen absolvierte dort eine knapp zweiwöchige Vorführung unter realen Betriebsbedingungen.

Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die elektrische Antriebstechnik des Volvo L120 Electric den Anforderungen im Recyclingbetrieb nicht nur technisch, sondern auch im täglichen Einsatz gerecht wird. Entscheidend waren dabei die Umschlagleistung, die Bedienbarkeit, die Einbindung in bestehende Arbeitsabläufe und die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Betrieb.

Praxistest statt kurzer Maschinendemonstration

Auf dem Betriebsgelände treffen unterschiedliche Anforderungen aufeinander: Organische Rohstoffe müssen bewegt, lose Materialmengen zusammengeschoben und verschiedene Komponenten wie Kompost und Mutterboden miteinander vermischt werden. Bislang übernehmen überwiegend Dieselradlader diese Aufgaben. Der Volvo L120 Electric musste sich deshalb unmittelbar mit den etablierten Maschinen und den gewohnten Arbeitsweisen messen lassen.

Die Vorführung begleitete Volker Fischer, Key Account Manager bei Swecon. Der Baumaschinenhändler hält eine umfangreiche Demoflotte elektrischer Maschinen für Einsätze bei Kunden bereit. Das Konzept ermöglicht es, neue Antriebstechnologien nicht allein anhand technischer Daten oder kurzer Vorführungen zu beurteilen, sondern über einen längeren Zeitraum in den jeweiligen betrieblichen Abläufen zu erproben.

„Wir freuen uns, diesen Praxistest über fast zwei Wochen realisiert zu haben. So sieht man genau, was die Kunden wirklich brauchen und worauf es im Alltag ankommt“, erklärt Fischer. Dabei gehe es speziell darum, das Verhalten des Volvo L120 Electric bei typischen Aufgaben zu beobachten und zu prüfen, wie sich die Maschine in vorhandene Prozesse integrieren lasse.

Gerade im Recycling sind die Einsatzbedingungen anspruchsvoll. Radlader bewegen große Materialmengen, arbeiten häufig unter hoher Last und müssen über lange Betriebszeiten zuverlässig verfügbar sein. Nach Angaben von Fischer werden Maschinen in diesem Segment häufig nach etwa drei Jahren ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt können sie rund 10.000 Betriebsstunden geleistet und etwa eine Million Tonnen Material bewegt haben. An diesen Größenordnungen muss sich auch ein batterieelektrisches Modell messen lassen.

Der Volvo L120 Electric überzeugt im anspruchsvollen Recyclingeinsatz
Volle Leistung unter Alltagsbedingungen: Im Test muss der Volvo L120 Electric dieselben Aufgaben bewältigen wie ein konventionell angetriebener Radlader. Entscheidend ist, ob er den Anforderungen im laufenden Betrieb standhält

Hohe Anforderungen an Umschlagleistung und Bedienbarkeit

Im Mittelpunkt des Tests standen zunächst das Zusammenschieben großer Mengen losen Biomaterials und anschließend Arbeiten auf dem Freigelände. Dort sollte der Volvo L120 Electric unter anderem Kompost, Mutterboden und weitere Komponenten mit einer Schaufel von mehr als vier Kubikmetern Fassungsvermögen aufnehmen und vermischen. Der Fahrer belastete die Maschine dabei wie einen konventionellen Radlader, statt den Arbeitsablauf an die elektrische Antriebstechnik anzupassen.

Die ersten Einsätze zeigten, dass sich der elektrische Antrieb in die gewohnten Arbeitsabläufe einfügen lässt. Besonders die unmittelbare Reaktion des Volvo L120 Electric auf Fahr- und Hubbefehle fiel positiv auf. Auch die Hubgeschwindigkeit wurde im direkten Praxiseindruck als hoch bewertet. Damit hängt die Leistungsfähigkeit im Materialumschlag nicht allein von der verfügbaren Motorleistung ab, sondern ebenso von der Abstimmung zwischen Antrieb, Arbeitshydraulik und Bedienung.

Ein weiterer Faktor ist die Anpassbarkeit des Fahrerplatzes. Nach einigen Einstellungen der Bedienelemente ließ sich der Volvo L120 Electric auf die individuellen Vorlieben des Fahrers abstimmen. Das ermöglicht eine feinfühlige Steuerung und erleichtert die Umstellung auf das neue Antriebskonzept. Hinzu kommt der geringere Geräuschpegel. Da der Elektromotor keine lokalen Abgase erzeugt und die typischen Motorgeräusche eines Dieselantriebs entfallen, verändert sich auch die Arbeitsumgebung für den Fahrer und das Personal im unmittelbaren Umfeld.

Konstruktion mit veränderter Heckpartie

Bei der grundlegenden Bauweise orientiert sich der Volvo L120 Electric an der konventionell angetriebenen Variante. Nach Angaben von Swecon unterscheiden sich die Maschinen hinsichtlich Aufbau und Gewicht nur wenig. Unterschiede ergeben sich vor allem aus der Anordnung der Antriebskomponenten.

Weil der Elektromotor weniger Bauraum beansprucht als ein Verbrennungsmotor, konnte Volvo die Heckpartie flacher gestalten. Das verbessert die Sichtverhältnisse aus der Kabine und kann vor allem bei häufigen Richtungswechseln und beim Rangieren von Vorteil sein. In einem Recyclingbetrieb, in dem sich Materialhaufen, Transportfahrzeuge und andere Maschinen auf engem Raum begegnen, ist eine gute Übersicht ein wesentlicher Faktor für sicheres und effizientes Arbeiten.

Die Praxistauglichkeit ergibt sich somit nicht ausschließlich aus der elektrischen Antriebstechnik. Auch konstruktive Details, die den Arbeitsalltag erleichtern, beeinflussen die Akzeptanz einer Maschine. Entscheidend ist, ob sie die gewohnten Aufgaben mit vergleichbarer Produktivität erledigt, ohne dass dafür Arbeitsverfahren grundlegend verändert werden müssen.

Der Volvo L120 Electric überzeugt im anspruchsvollen Recyclingeinsatz
Ein Permanentmagnet-Synchronmotor mit 228 kW Leistung treibt den Volvo L120 Electric an. Mit einer Kipplast von bis zu 14 Tonnen ist der Radlader auch für den Umschlag schwerer Materialmischungen ausgelegt

L120 Electric: Antrieb, Batterie und Ladeleistung

Für den Antrieb des Volvo L120 Electric sorgt ein Permanentmagnet-Synchronmotor mit einer Leistung von 228 kW. Bei einer Kipplast von bis zu 14 Tonnen verfügt der Volvo L120 Electric über die Voraussetzungen, auch schwere Materialmischungen aufzunehmen und umzuschlagen. Die Kombination aus hoher Antriebsleistung und unmittelbarer Drehmomentbereitstellung ist vor allem bei wiederkehrenden Lade- und Schaufelbewegungen relevant.

Als Energiespeicher dient eine Lithium-Ionen-Batterie auf Basis der Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP) mit einer Kapazität von 282 kWh. Diese Zellchemie gilt im Vergleich zu verschiedenen anderen Lithium-Ionen-Systemen als thermisch stabil und zeichnet sich durch eine hohe Zyklenfestigkeit aus. Wie viele Ladezyklen tatsächlich erreicht werden, hängt unter anderem von der Auslegung des Batteriesystems, den Ladebedingungen und der Nutzung im Betrieb ab. Swecon verweist auf eine gegenüber herkömmlichen Elektrofahrzeugbatterien deutlich höhere mögliche Zyklenzahl.

Die verfügbare Energie soll abhängig von Arbeitsintensität und Einsatzprofil für etwa fünf bis neun Stunden Betrieb ausreichen. Diese Spanne verdeutlicht, wie stark die tatsächliche Einsatzdauer von den Bedingungen vor Ort abhängt. Häufige Fahrbewegungen, hohe Lasten, lange Arbeitsphasen und die Art der ausgeführten Tätigkeiten beeinflussen den Energiebedarf. Für Betreiber ist deshalb nicht nur die nominelle Batteriekapazität relevant, sondern vor allem der Verbrauch im konkreten Einsatz.

Auch die Ladeplanung spielt eine zentrale Rolle. Über eine konventionelle Ladeoption lässt sich die Batterie nach Herstellerangaben innerhalb von ungefähr sieben Stunden aufladen, beispielsweise während der nächtlichen Betriebspause. Über den CCS2-Anschluss sind bei einer Ladeleistung von bis zu 165 kW Schnellladevorgänge möglich. Für eine Ladung von null auf 100 Prozent werden dabei rund zwei bis drei Stunden angegeben. Die tatsächliche Dauer kann abhängig von Ladebedingungen und Ladeverlauf abweichen.

Ergänzt wird das Energiemanagement durch eine Rekuperationsfunktion. Beim Abbremsen wird ein Teil der Bewegungsenergie in elektrische Energie umgewandelt und in die Batterie zurückgeführt. Wie stark dieser Effekt den Gesamtverbrauch reduziert, hängt vom jeweiligen Fahr- und Arbeitszyklus ab. Gerade bei häufigen Brems- und Beschleunigungsvorgängen kann die Rückgewinnung von Energie einen Beitrag zur Effizienz leisten.

Weniger Lärm, keine lokalen Abgase

Im praktischen Einsatz werden die Unterschiede zwischen elektrischem und dieselbetriebenem Radlader besonders unmittelbar wahrnehmbar. Der niedrigere Geräuschpegel und der Wegfall lokaler Abgasemissionen verändern die Arbeitsbedingungen am Fahrerplatz und auf dem Betriebsgelände. Gleichzeitig reagiert der Volvo L120 Electric beim Fahren und Heben direkt auf die Steuerbefehle.

Für Recyclingunternehmen können diese Eigenschaften auch über den unmittelbaren Bedienkomfort hinaus von Bedeutung sein. Wo Maschinen in der Nähe von Arbeitsplätzen, benachbarten Betrieben oder sensiblen Bereichen eingesetzt werden, kann die geringere Geräuschentwicklung zusätzliche Spielräume eröffnen. Der Verzicht auf lokale Abgase ist zudem relevant für den Einsatz in geschlossenen oder teilweise überdachten Bereichen, sofern die jeweiligen Sicherheits- und Betriebsbedingungen den Einsatz zulassen.

Die Bewertung muss dennoch den gesamten Betrieb berücksichtigen. Eine elektrische Maschine wie der Volvo L120 Electric verursacht am Einsatzort keine Abgase aus einem Verbrennungsmotor; die Umweltwirkungen der Strombereitstellung und der Herstellung der Batterie bleiben davon unberührt. Für die betriebliche Beurteilung zählen deshalb neben den unmittelbaren Emissionen auch die Herkunft des Ladestroms, die Auslastung und die Infrastruktur.

Der Volvo L120 Electric überzeugt im anspruchsvollen Recyclingeinsatz
„Es gibt im Aufbau und Gewicht praktisch keinen Unterschied zur Verbrennerversion. Da aber der Elektromotor weniger Platz einnimmt, ist das Heck des Volvo L120 Electric flacher geworden. Das gibt dem Fahrer eine viel bessere Übersicht“, erklärt Swecon Key Account Manager Volker Fischer

Betriebskosten und Ladeinfrastruktur entscheiden mit

Neben Leistung und Bedienbarkeit rückt die Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt. Volker Fischer beziffert die möglichen Einsparungen bei Wartung und Betriebskosten auf rund 30 Prozent. Wie hoch die tatsächliche Differenz ausfällt, hängt jedoch von den individuellen Einsatzbedingungen ab. Zu berücksichtigen sind unter anderem die jährlichen Betriebsstunden, die Energiepreise, die Kosten für Ladeeinrichtungen, der Wartungsaufwand sowie die Anschaffungs- und Finanzierungskosten.

Ein wesentlicher Vorteil kann entstehen, wenn der benötigte Strom direkt am Betriebsstandort erzeugt wird. Betreiber, die beispielsweise über eine eigene Photovoltaikanlage verfügen, können ihren Eigenverbrauch erhöhen und ihre Abhängigkeit von extern bezogener Energie reduzieren. Voraussetzung für eine belastbare Kalkulation ist allerdings, dass Erzeugungsprofil, Ladezeiten und Energiebedarf zusammenpassen. Auch die Frage, ob die Maschine während regulärer Pausen ausreichend geladen werden kann, beeinflusst die Wirtschaftlichkeit.

Für den Einsatz im Mehrschichtbetrieb müssen Unternehmen deshalb prüfen, ob Batteriekapazität, Ladeleistung und vorhandene Infrastruktur den täglichen Bedarf abdecken. Je nach Einsatzprofil kann eine nächtliche Ladung genügen; bei längeren Betriebszeiten sind zusätzliche Ladefenster oder eine angepasste Betriebsorganisation erforderlich. Der mehrtägige Praxistest liefert dafür eine bessere Entscheidungsgrundlage als eine isolierte Betrachtung der technischen Daten.

Praxiserprobung als Grundlage für Investitionsentscheidungen

Aus Sicht von Swecon liegt der Wert einer Vorführung vor allem darin, dass Kunden den Volvo L120 Electric unter ihren eigenen Bedingungen beurteilen können. Neben dem Fahrverhalten und der Arbeitsleistung lassen sich dabei auch organisatorische Fragen klären: Wie passt das Laden in die Schichtplanung? Welche Ladeleistung steht am Standort zur Verfügung? Und welche Auswirkungen hat der Wechsel auf die tägliche Maschinenlogistik?

„Unsere Kunden bekommen ein besseres Gefühl dafür, wie elektrische Maschinen sich anfühlen, wie sie sich in die eigenen Arbeitsprozesse integrieren lassen und in die vorhandene Ladeinfrastruktur und Schichtpläne passen“, sagt Fischer. Die Erprobung vor Ort schafft damit eine praktische Grundlage für die Investitionsentscheidung, ohne die individuelle Wirtschaftlichkeitsrechnung zu ersetzen.

Der Einsatz des Volvo L120 Electric im Kompostwerk zeigt, dass ein batterieelektrischer Radlader in einem anspruchsvollen Recyclingumfeld Aufgaben übernehmen kann, die bislang überwiegend dieselbetriebenen Maschinen vorbehalten waren. Die hohe Antriebsleistung, die direkte Reaktion auf Steuerbefehle und die geringere Geräuschentwicklung sprechen für das Konzept. Ob sich daraus im jeweiligen Betrieb ein wirtschaftlicher Vorteil ergibt, hängt jedoch von Auslastung, Energieversorgung, Ladeinfrastruktur und Kostenstruktur ab.

Die Elektrifizierung beschränkt sich damit längst nicht mehr auf stationäre Umschlagtechnik oder kleinere Maschinenklassen. Auch im Bau- und Recyclingsektor rücken batterieelektrische Radlader in den Fokus. Entscheidend für ihre weitere Verbreitung wird sein, wie zuverlässig sie sich in die vorhandenen Betriebsabläufe integrieren lassen und welche Gesamtkosten sie über die Nutzungsdauer verursachen.

Über Swecon

Die Swecon Baumaschinen GmbH mit Hauptsitz in Ratingen ist seit 2003 Importeur und Händler für Volvo Baumaschinen in Deutschland. Seit 2023 vertreibt das Unternehmen hierzulande auch Straßenbaumaschinen des Herstellers Ammann. Swecon ist mit 20 Standorten vertreten und gehört zur international tätigen Swecon-Gruppe, die Teil von Volvo Construction Equipment ist.

Das Portfolio umfasst Bagger, Radlader und Dumper von Volvo, darunter elektrische Modelle, sowie Straßenfertiger und schwere Tandemwalzen von Ammann. Mehr als 550 Beschäftigte, darunter über 300 Servicemonteure, kümmern sich um Vertrieb, Wartung, Reparatur und Ersatzteilversorgung. Ergänzt wird das Angebot durch einen Mietpark mit mehr als 1.000 Maschinen, Gebrauchtmaschinen sowie digitale Vertriebs- und Serviceangebote. Dazu zählt das Kundenportal „mySwecon“, über das Kunden jederzeit auf wichtige Maschineninformationen, Dokumente und Dienstleistungen zugreifen können.

Fotos: Swecon Baumaschinen GmbH