Nach dem Rebuild absolviert der Radlader rund 3.000 Betriebsstunden im Glasumschlag

Im Glasrecycling-Zentrum der Reiling GmbH & Co. KG in Marienfeld übernimmt ein Volvo L120H zentrale Aufgaben im innerbetrieblichen Materialfluss. Altglas zusammenschieben, Aufbereitungsanlagen beschicken und Lastkraftwagen beladen gehören zum täglichen Einsatzprofil des Radladers. Die abrasive Umgebung stellt dabei hohe Anforderungen an Maschine und Komponenten.
Nach mehreren Jahren im Betrieb stand Reiling vor der Frage, ob eine Ersatzbeschaffung erforderlich ist oder sich die vorhandene Maschine technisch und wirtschaftlich sinnvoll erneuern lässt. Die Entscheidung fiel auf das zertifizierte Volvo Rebuild Programm der Swecon Baumaschinen GmbH.
Für Reiling spielte dabei neben den Investitionskosten vor allem die Möglichkeit eine Rolle, vorhandene Ressourcen weiter zu nutzen. „Durch Nachhaltigkeit wollten wir Ressourcen schonen und unseren Maschinen ein neues Leben geben“, erklärt Dirk Bessmann, stellvertretender Produktionsleiter der Reiling GmbH & Co. KG. Ein Jahr nach Abschluss der Arbeiten lässt sich inzwischen beurteilen, wie sich das Konzept unter den anspruchsvollen Bedingungen des Glasrecyclings bewährt.

Vorhandene Substanz statt kompletter Ersatz
Reiling arbeitet seit vielen Jahren mit Swecon zusammen. Die Kooperation umfasst neben dem Maschinenkauf auch Service, Wartung und Ersatzteilversorgung für die Volvo Flotte. Am Standort Marienfeld sind unter anderem zwei Volvo Radlader des Typs L120H sowie ein Volvo L20 im Einsatz.
Mit den Einsatzbedingungen des L120H war auch das Swecon-Team um Kundendienstleiter Frank Schaefer vertraut. Die Analyse vor dem Rebuild zeigte, dass die grundlegende Substanz des Radladers weiterhin eine solide Basis für einen weiteren Einsatz bildete. Gleichzeitig hatten Verschleiß und Betriebsalter einen Umfang erreicht, der eine umfassende technische Überarbeitung sinnvoll machte.
Für Reiling war damit nicht allein die Frage entscheidend, ob sich die Maschine technisch erneuern lässt. Auch die wirtschaftliche Perspektive sprach für das Rebuild. Gegenüber einer Neuanschaffung konnten die Investitionskosten reduziert werden. Gleichzeitig sollte der überholte Radlader niedrigere Betriebskosten je Betriebsstunde ermöglichen und weiterhin zuverlässig im bestehenden Einsatzprofil arbeiten.
„Wir hatten klare Erwartungen: Wir wollten, dass der überholte L120H anschließend wie ein neuer Radlader läuft. Das war der Anspruch“, sagt Bessmann. Damit verband Reiling die technische Erneuerung unmittelbar mit dem Gedanken der Ressourcenschonung und einer möglichst langen Nutzungsdauer der vorhandenen Maschine.

Acht Wochen für die vollständige Überarbeitung
Für Swecon in Anröchte war der Auftrag zugleich ein besonderes Projekt. Der L120H von Reiling war das erste zertifizierte Volvo Rebuild, das der Standort vollständig umsetzte. Entsprechend umfangreich fiel die Vorbereitung aus. Über einen Zeitraum von rund acht Wochen arbeiteten der verantwortliche Rebuild-Monteur Christian Spieth und zwei weitere erfahrene Mitarbeiter nahezu durchgängig an der Maschine.
Am Anfang stand die vollständige Demontage. Anschließend wurden die einzelnen Baugruppen geprüft, überholt oder durch neue Komponenten ersetzt. Rund 550 gelistete Originalteile flossen in die Überarbeitung ein. Sämtliche Kabelbäume wurden erneuert, die Hydraulikzylinder überholt und die Achsen einer Generalüberholung unterzogen. Motor und Getriebe wurden als neue Komponenten verbaut. Hinzu kamen ein überholtes Kühlerpaket sowie eine erneuerte Hydraulikverschlauchung.
Auch das Hubgerüst wurde überarbeitet. Neue Buchsen und Bolzen stellten die erforderlichen Voraussetzungen für den weiteren Einsatz her. Gleichzeitig konnten wesentliche tragende und konstruktive Komponenten erhalten bleiben. Chassis, Hubgerüst und Achsen mussten nicht ersetzt, sondern konnten nach der jeweiligen Generalüberholung wieder in den Einsatz zurückgeführt werden.
Gerade darin liegt ein wesentlicher Bestandteil des Rebuild-Konzepts: Nicht jede Baugruppe wird pauschal ersetzt. Entscheidend ist vielmehr die technische Bewertung der vorhandenen Komponenten. Wo die Substanz eine weitere Nutzung zulässt, wird sie aufgearbeitet; verschlissene oder nicht mehr geeignete Komponenten werden erneuert.

Volvo L120H erhält aktuelle technische Spezifikationen
Neben der mechanischen und hydraulischen Überarbeitung erhielt der Volvo L120H im Zuge des Rebuilds die aktuellen technischen Spezifikationen, die auch für die derzeitige Baureihe vorgesehen sind. Nach Abschluss der Montage folgten umfangreiche Funktionsprüfungen, bevor die Maschine wieder an Reiling übergeben wurde. Die Einweisung des Bedienpersonals bildete den Abschluss des Prozesses.
Für den Betreiber sollte sich das Ergebnis nicht nur auf einzelne erneuerte Komponenten beschränken. Der Anspruch bestand darin, einen Radlader zurückzubekommen, dessen Leistungsfähigkeit und Ausstattung dem Niveau einer neuen Maschine entsprechen. Entsprechend standen neben der technischen Erneuerung auch die Betriebssicherheit und die Alltagstauglichkeit im Vordergrund.
Auch bei Garantie und Service orientiert sich das Rebuild-Konzept an den Rahmenbedingungen einer Neumaschine. „Nach Abschluss eines Volvo Rebuild erhalten Kunden auf die ausgeführten Arbeiten die gleiche Garantie wie bei der Auslieferung einer neuen Maschine“, erläutert Spieth. Ergänzend können individuelle Wartungs- und Reparaturverträge vereinbart werden.
Für Reiling bedeutet das eine Kombination aus erneuerter Technik und planbarer Betreuung im weiteren Betrieb. Gerade bei einem Radlader, der für den kontinuierlichen Materialumschlag im Recycling eingesetzt wird, ist diese Absicherung von Bedeutung. Ungeplante Stillstandszeiten können sich unmittelbar auf nachgelagerte Aufbereitungs- und Logistikprozesse auswirken.

3.000 Betriebsstunden im Glasumschlag
Die entscheidende Bewährungsprobe begann mit der Rückkehr des überholten L120H nach Marienfeld. Knapp ein Jahr später stehen rund 3.000 Betriebsstunden im Glasrecycling zu Buche. Der Radlader übernimmt dabei weiterhin die Aufgaben, für die er bereits vor dem Rebuild eingesetzt wurde: Er schiebt Glasmaterial zu Haufwerken zusammen, beschickt Aufbereitungs- und Zerkleinerungsanlagen und belädt Lastkraftwagen.
Damit trifft die überholte Maschine wieder auf genau jene Bedingungen, die wesentlich zur ursprünglichen Entscheidung für das Rebuild beigetragen hatten. Glasumschlag bedeutet hohe mechanische Belastungen und eine abrasive Arbeitsumgebung. Entsprechend aussagekräftig ist der bisherige Betrieb für die Beurteilung der Maßnahme.
Aus Sicht von Reiling fällt die Zwischenbilanz positiv aus. „Nach 3.000 Betriebsstunden können wir sagen: Für uns war es die richtige Entscheidung. Die Maschine läuft wieder wie am ersten Tag, genau wie wir es von unserem Partner Swecon erwartet haben“, sagt Bessmann.
Bislang verzeichnet Reiling keine relevanten Störungen oder ungeplanten Ausfälle. Auch die Rückmeldungen der Fahrer fallen entsprechend aus: Sie beschreiben das Fahrverhalten des Radladers als vergleichbar mit dem einer neuen Maschine. Für den Betreiber bestätigt sich damit die ursprüngliche Entscheidung, die vorhandene Maschine nicht vorzeitig aus dem Fuhrpark zu nehmen, sondern ihre technische Substanz für einen weiteren Einsatzzyklus zu nutzen.

Rebuild als Bestandteil einer längeren Maschinenstrategie
Für Swecon Anröchte war das Projekt zugleich ein Praxistest für die eigenen Abläufe. Die vollständige Zerlegung und anschließende Wiederherstellung eines Radladers erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine präzise Planung der einzelnen Arbeitsschritte. Bei einem Rebuild müssen die benötigten Komponenten rechtzeitig verfügbar sein und in der vorgesehenen Reihenfolge bearbeitet und montiert werden.
Christian Spieth sieht darin einen wesentlichen Faktor für den erfolgreichen Projektabschluss. „Das war unser erstes Volvo Rebuild am Standort und für alle Beteiligten eine echte Herausforderung. Wir haben genau geplant, welche Komponenten in welcher Reihenfolge bestellt und verbaut werden, um alles im vorgegebenen Zeitrahmen zu halten“, sagt der Rebuild-Monteur.
Nach seiner Einschätzung lässt sich das Verfahren nach entsprechender Prüfung auf zahlreiche ältere Volvo Maschinen anwenden. Für den Standort Anröchte eröffnet das Rebuild damit ein weiteres Geschäftsfeld innerhalb der Betreuung bestehender Maschinen. Die Erfahrung aus dem Reiling-Projekt bildet dafür eine konkrete Referenz unter anspruchsvollen Einsatzbedingungen.
Auch bei Reiling ist das Thema damit nicht abgeschlossen. „Wir haben schon weitere Ideen, welche Volvo Maschinen wir ebenfalls durch das Rebuild Programm erneuern lassen könnten“, erklärt Bessmann. Ob weitere Maschinen folgen, wird anhand ihres Zustands, des jeweiligen Einsatzprofils und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entschieden.
Das Beispiel aus dem Glasrecycling zeigt damit vor allem, dass die Nutzungsdauer einer Baumaschine nicht zwangsläufig mit dem Ende ihrer ersten Einsatzphase erreicht sein muss. Wenn Chassis, Hubgerüst, Achsen und weitere zentrale Baugruppen über eine ausreichende Substanz verfügen, kann eine umfassende technische Überarbeitung eine Alternative zur Ersatzbeschaffung darstellen. Im Fall des Reiling L120H trifft dieser Ansatz auf einen besonders anspruchsvollen Einsatz: Nach rund 3.000 Betriebsstunden läuft der Radlader weiterhin im täglichen Glasumschlag. Für Betreiber von Baumaschinen wird damit neben der klassischen Neuanschaffung auch die Frage interessant, wie sich vorhandene Maschinen technisch und wirtschaftlich für einen weiteren Lebenszyklus ertüchtigen lassen.
Fotos: Swecon Baumaschinen




