Die Spezialfahrzeuge transportieren bis zu 140 Tonnen heiße Schlacke und werden durch digitale Zustandsüberwachung sowie ein lokales Servicekonzept ergänzt

TII Kamag hat von einem brasilianischen Bergbauunternehmen den Auftrag zur Lieferung von sechs Slag Pot Carriern (SPC) erhalten. Die U-Rahmen-Spezialfahrzeuge mit einer Nutzlast von jeweils 140 Tonnen sollen in einem Nickelwerk heiße Schlacke von der Produktionsanlage zu einer räumlich getrennten Deponie transportieren.
Neben der Auslegung für hohe Lasten und anspruchsvolle Streckenbedingungen umfasst das Projekt die digitale Überwachung der Fahrzeugzustände, eine langfristig angelegte Ersatzteilversorgung und die technische Betreuung durch den lokalen Partner Rimac.
Neue Flotte für den Schlackentransport
Mit der Beschaffung erneuert das Bergbauunternehmen seine bestehende Transportflotte erstmals mit Fahrzeugen der TII Group. Bei der Auftragsvergabe spielten neben den technischen Leistungsdaten insbesondere die Anforderungen an Betriebssicherheit, Wartung und Verfügbarkeit über die gesamte Einsatzdauer eine Rolle. TII Kamag entwickelte deshalb gemeinsam mit Rimac ein Konzept, das die Fahrzeugtechnik mit digitalen Serviceleistungen und einer Betreuung vor Ort verbindet.
Die Slag Pot Carrier sind für den Transport von Schlackenkübeln mit einem Volumen von bis zu 30 Kubikmetern ausgelegt. Ihr Einsatzgebiet stellt hohe Anforderungen an Antrieb, Bremsanlage und Bereifung: Auf einem rund einen Kilometer langen Transportabschnitt müssen die Fahrzeuge auch mit voller Beladung Steigungen von bis zu fünf Prozent bewältigen. Die Kombination aus hoher Nutzlast, wiederkehrenden Lastwechseln und dem Transport heißer Schlacke erfordert eine auf den industriellen Dauerbetrieb abgestimmte Fahrzeugkonfiguration.
„Unsere Slag Pot Carrier basieren auf einem bewährten Fahrzeugkonzept, das wir gezielt an die jeweiligen Einsatzbedingungen anpassen. Gemeinsam mit dem Kunden haben wir eine Lösung entwickelt, die die Anforderungen vor Ort erfüllt und gleichzeitig hohe Betriebssicherheit mit zuverlässigem Service verbindet“, sagt Oliver Schwarz, Area Sales Manager der TII Group.

Caterpillar Motoren für anspruchsvolle Streckenprofile
Für die sechs Fahrzeuge setzt TII Kamag erstmals in dieser Baureihe Dieselmotoren des Typs Caterpillar C18 ein. Die Aggregate leisten jeweils 429 kW und stellen die erforderliche Antriebsleistung für den Transport der schweren Schlackenkübel auf dem hügeligen Streckenabschnitt bereit. Die Motorisierung ist damit auf die Kombination aus hoher Zuladung und wiederkehrenden Steigungsfahrten ausgelegt.
Auch die Sicherheitsausstattung berücksichtigt die besonderen Einsatzbedingungen. Ein Reifendruckkontrollsystem überwacht kontinuierlich den Zustand der Bereifung und ermöglicht es, Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Das ist vor allem mit Blick auf die Transportstrecke zur abgelegenen Deponie relevant: Werden Unregelmäßigkeiten rechtzeitig festgestellt, lassen sich Wartungsmaßnahmen besser planen und ungeplante Stillstände unter Umständen vermeiden.
Für die Verzögerung und das sichere Abbremsen der voll beladenen Fahrzeuge kommen Ölbad-Lamellenbremsen zum Einsatz. Sie sind darauf ausgelegt, auch bei wiederholten Bergabfahrten eine konstante Bremsleistung bereitzustellen. Zugleich reduziert die Bauweise den Verschleiß der Bremskomponenten und begrenzt den Wartungsbedarf. Damit berücksichtigt die technische Konfiguration nicht nur die Anforderungen an die Transportleistung, sondern auch die Belastungen, die sich aus dem regelmäßigen Betrieb unter hoher Last ergeben.

Kamag Connect unterstützt die vorausschauende Wartung
Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist die digitale Vernetzung der Fahrzeuge über Kamag Connect. Das System überträgt aktuelle Betriebsdaten und Fehlermeldungen, sodass sich der technische Zustand der Fahrzeuge besser nachvollziehen lässt. Potenzielle Wartungsbedarfe können dadurch frühzeitig sichtbar werden, bevor sie zu einer Betriebsunterbrechung führen.
Die digitalen Informationen unterstützen zudem die Vorbereitung von Serviceeinsätzen. Techniker können verfügbare Diagnosedaten bereits vor ihrer Ankunft auswerten und erforderliche Maßnahmen mit den zuständigen Ansprechpartnern abstimmen. Dadurch lassen sich Fehlerbilder gezielter eingrenzen und Einsätze besser vorbereiten. Gerade bei Fahrzeugen, die schwere Lasten über eine feste Transportstrecke zu einer entfernt gelegenen Deponie bewegen, ist die Verfügbarkeit der Flotte ein wesentlicher Faktor für einen kontinuierlichen Materialfluss.
Die digitale Zustandsüberwachung ergänzt eine projektbezogene Vereinbarung zur Ersatzteilversorgung für die ersten Betriebsjahre. Zusammen mit den Servicekapazitäten von Rimac soll sie dazu beitragen, Wartungs- und Reparaturmaßnahmen planbar zu gestalten und die Fahrzeuge langfristig einsatzbereit zu halten. Das Konzept verbindet damit technische Überwachung und Ersatzteilmanagement mit einer lokal verfügbaren Serviceorganisation.

Rimac übernimmt die Betreuung vor Ort
Vertrieb, Projektkoordination und Service organisiert TII Kamag gemeinsam mit Rimac. Das brasilianische Unternehmen ist seit vielen Jahren Vertriebs- und Servicepartner der TII Group und übernimmt die Betreuung des Kunden vor Ort. Die Zusammenarbeit soll sicherstellen, dass neben der Fahrzeuglieferung auch die erforderliche technische Unterstützung und Ersatzteilversorgung auf die Einsatzbedingungen im Nickelwerk abgestimmt sind.
Die Auslieferung der sechs Slag Pot Carrier erfolgt schrittweise. Das erste Fahrzeug befindet sich bereits auf dem Transportweg nach Brasilien, zwei weitere Einheiten wurden kürzlich fertiggestellt. Die verbleibenden Fahrzeuge sollen bis Ende 2026 ausgeliefert werden. Mit der gestaffelten Bereitstellung erhält der Betreiber die neuen Spezialfahrzeuge sukzessive für den Einsatz im Schlackentransport.
Spezialfahrzeuge für Bergbau und Hüttenindustrie
Der Auftrag erweitert die Präsenz von TII Kamag im industriellen Schwerlasttransport. Das Projekt verdeutlicht zugleich, welche Anforderungen Betreiber an Spezialfahrzeuge für den Transport heißer Schlacke stellen: Neben ausreichender Motorleistung und hoher Nutzlast sind eine belastbare Bremsanlage, die Überwachung sicherheitsrelevanter Fahrzeugkomponenten sowie ein auf den Einsatzort abgestimmtes Wartungs- und Ersatzteilkonzept entscheidend. Die technische Auslegung und die begleitenden Serviceleistungen bilden dabei eine gemeinsame Grundlage für den Flottenbetrieb.
Die TII Group ist ein Unternehmen der Familie Otto Rettenmaier mit Sitz in Heilbronn und beschäftigt weltweit rund 1.000 Mitarbeiter. Zur Unternehmensgruppe gehören die Branchenspezialisten TII Scheuerle und TII Kamag. Die Produktionsstandorte befinden sich in Deutschland und Indien; ein internationales Netz aus Vertriebs- und Servicepartnern ergänzt die Organisation.
Die Gruppe entwickelt und fertigt Schwerlast- und Spezialfahrzeuge für komplexe Transportaufgaben. Zu den Einsatzbranchen zählen Transport und Logistik, Baugewerbe, Anlagenbau, Luft- und Raumfahrt, Schiffbau, Energie, Stahl- und Bergbau sowie die Hoflogistik. Die TII Group ist im Index der Weltmarktführer geführt.
Fotos: TII Kamag




