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MINI 502e und HD 12e – elektrisches Duo

Praxisbericht zum Einsatz elektrischer Straßenbaumaschinen im Pilotprojekt

Vögele MINI 502e Fertiger und Hamm HD 12e VT Walze im vollelektrischen Asphalteinbau
Pilotbaustelle in Rangendingen: Bei einer Maßnahme zur Netzverstärkung setzte das ausführende Bauunternehmen den batterieelektrischen Vögele Fertiger MINI 502e und eine E-Walze von Hamm ein

Im Rahmen einer Maßnahme zur Netzverstärkung in Rangendingen in Baden-Württemberg wurde der Einbau der Asphaltdeckschicht unter Einsatz ausschließlich elektrisch angetriebener Baumaschinen realisiert. Im Mittelpunkt standen dabei der Radfertiger MINI 502e des Herstellers Joseph Vögele AG sowie die Tandemwalze HD 12e VT der Hamm AG. Die Baustelle war als Pilotprojekt angelegt und Teil des Programms „NETZbaustelle der Zukunft“ der Netze BW, das auf die systematische Erprobung emissionsärmerer, leiserer und digital unterstützter Bauprozesse abzielt.

Vollelektrischer Einbau mit dem MINI 502e

Das ausführende Bauunternehmen setzte bei den Erd- und Straßenbauarbeiten konsequent auf batterieelektrische Maschinen. Ziel war es, die Lärm- und CO2-Emissionen während der Bauphase signifikant zu reduzieren und gleichzeitig die Prozesssicherheit zu gewährleisten. Gerade im innerörtlichen Bereich mit sensibler Anwohnerstruktur stellen Geräuschentwicklung und lokale Emissionen zentrale Einflussgrößen dar.

Für den Einbau der Asphaltdeckschicht kam der kompakte Radfertiger MINI 502e zum Einsatz. Mit einer Grundbreite von 0,90 Metern und variablen Arbeitsbreiten zwischen 0,25 Metern und 1,8 Metern eignete sich die Maschine insbesondere für die Instandsetzung des schmalen und abschnittsweise kurvigen Gehwegs in der Königsberger Straße. Die Einbaulänge betrug rund 290 Meter bei einer Breite von 1,00 bis 1,30 Metern. Aufgrund seiner kompakten Bauweise und des geringen Wenderadius konnte der Fertiger auch unter beengten Platzverhältnissen effizient manövriert werden. Die Steuerung und Überwachung des Einbauprozesses erfolgten analog zu konventionellen, dieselbetriebenen Modellen über die gewohnten Bediensysteme.

Sämtliche Hauptaggregate des MINI 502e, einschließlich Fahrantrieb, Fördertechnik und Bohlenheizung, sind elektrisch ausgeführt. Die Materialaufnahme erfolgte über einen groß dimensionierten Materialbehälter mit breiter, trichterförmiger Öffnung, der seitlich von einem Radlader beschickt wurde. Die Mischgutverteilung über die gesamte Einbaubreite übernahmen zwei elektrisch angetriebene Verteilerschnecken. Der elektrische Antrieb ermöglicht dabei eine bedarfsgerechte Leistungsabgabe, sodass Energie nur während aktiver Arbeitsphasen aufgenommen wird.

Vögele MINI 502e Fertiger und Hamm HD 12e VT Walze im vollelektrischen Asphalteinbau
Laufzeit von bis zu zwei Einbautagen: Der Radfertiger MINI 502e hat eine Speicherkapazität von 22 kWh und konnte vor Ort an den Stromverteilerkästen aufgeladen werden

Energieversorgung und Betriebsdauer im Baustellenalltag

Die Energieversorgung beider Maschinen basierte auf integrierten Lithium-Ionen-Batterien. Der MINI 502e verfügt über eine Speicherkapazität von 22 kWh, die Tandemwalze HD 12e VT über 23,4 kWh. Die Batterien wurden über Nacht geladen, sodass die Maschinen zu Beginn des Arbeitstags mit voller Kapazität zur Verfügung standen. Unter den gegebenen Einsatzbedingungen reichte die gespeicherte Energie für Laufzeiten von bis zu zwei Einbautagen aus.

Zusätzlich bestand die Möglichkeit, die Maschinen an die vorhandenen Stromverteilerkästen vor Ort anzuschließen. Dies diente nicht nur der optionalen Zwischenladung, sondern auch dem praktischen Kennenlernen der Ladeinfrastruktur durch das Baustellenteam. Der jeweilige Ladezustand war über die Displays an den Bedienkonsolen jederzeit abrufbar, was eine transparente Einsatzplanung ermöglichte.

MINI 502e und HD 12e VT im abgestimmten Systemeinsatz

Unmittelbar hinter dem Fertiger übernahm die HD 12e VT von Hamm die Verdichtung der eingebauten Asphaltlage. Die kompakte Tandemwalze arbeitet ebenfalls lokal emissionsfrei und zeichnet sich durch eine geringe Geräuschentwicklung aus. Für innerstädtische Einsätze ergeben sich daraus deutliche Vorteile hinsichtlich Immissionsschutz und Arbeitsumfeld.

Die Walze kombiniert eine dynamische Verdichtung über die Glattbandage mit der Knet- und Walkwirkung der Gummiräder. Diese konstruktive Auslegung ermöglicht eine zügige Verdichtungszunahme bei gleichzeitig homogener Oberflächenversiegelung. Insbesondere bei kleineren Baustellen mit begrenztem Arbeitsraum erwies sich die hohe Manövrierfähigkeit als praxisrelevant. Darüber hinaus erlaubt die präzise Randverdichtung eine exakte Anpassung an Bordsteinkanten und angrenzende Bauteile.

Vögele MINI 502e Fertiger und Hamm HD 12e VT Walze im vollelektrischen Asphalteinbau
Präzise Verdichtung im Nachlauf: Direkt hinter dem Vögele Fertiger übernimmt die batterieelektrische Hamm Walze HD 12e VT die Asphaltverdichtung

Bewertung des Pilotprojekts

Nach Abschluss der Arbeiten zog das Baustellenteam eine insgesamt positive Bilanz hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Bedienbarkeit und Energieeffizienz der eingesetzten Maschinen. Der elektrische Antrieb zeigte im praktischen Einsatz keine Einschränkungen im Hinblick auf Einbauqualität oder Verdichtungsleistung. Gleichzeitig führte die bedarfsgerechte Energieabgabe zu einem insgesamt reduzierten Verbrauch.

Neben ökonomischen Aspekten standen auch arbeits- und umweltbezogene Effekte im Fokus. Die deutlich reduzierte Geräuschentwicklung verbesserte die Arbeitsbedingungen für das Personal und minderte die Belastung der Anwohner. „Wir freuen uns, hier vor Ort durch den Einsatz von vollelektrischen Baumaschinen, zur Reduzierung von Lärm und Umweltauswirkungen beitragen zu können“, sagt Jean-Pierre Liedtke, Bauleiter bei Leonhard Weiss GmbH & Co. KG.

Das Pilotprojekt in Rangendingen zeigt, dass vollelektrische Einbau- und Verdichtungstechnik unter realen Baustellenbedingungen technisch umsetzbar ist und sowohl hinsichtlich Prozessstabilität als auch Emissionsminderung belastbare Ergebnisse liefern kann.

Fotos: Wirtgen Group