Neue Assistenz- und Automatisierungssysteme für Verdichtungsprozesse im Straßen- und Erdbau

Walzenhersteller Hamm treibt die Digitalisierung der Verdichtungsprozesse weiter voran und stellt für 2026 ein abgestimmtes Paket aus Assistenz-, Automatisierungs- und Dokumentationslösungen bereit, das sowohl im Asphalt- als auch im Erdbau ansetzt. Ziel ist es, die Verdichtungsqualität reproduzierbarer zu machen, manuelle Eingriffe zu reduzieren und gleichzeitig die Transparenz für Bauleitung und Auftraggeber zu erhöhen. Hamm verknüpft dabei Sensortechnik, Maschinensteuerung und cloudbasierte Auswertung zu durchgängigen Prozessketten, die sich in bestehende Baustellen- und Flottenmanagementsysteme integrieren lassen.
Echtzeit-Dichte als Regelgröße in der Asphaltverdichtung
Im Asphaltbau steht Smart Compact Pro im Zentrum der neuen Entwicklungen. Erstmals wird die Dichte in Echtzeit als direkte Regelgröße in den automatisierten Verdichtungsprozess eingebunden. Grundlage ist der neu entwickelte Sensor „Realtime Density Scan“, der die Dichte auch bei statischer Verdichtung kontinuierlich erfasst. Damit entfällt die bislang notwendige indirekte Ableitung über Ersatzparameter, die je nach Mischgut, Temperatur und Einbaubedingungen variieren können. Die Kalibrierung erfolgt über eine übliche Messsonde und ist auf der Baustelle ohne größeren Zeitaufwand möglich.
Die Integration der Echtzeit-Dichte erlaubt es, Verdichtungsziele präzise anzusteuern und Über- oder Unterverdichtung systematisch zu vermeiden. Gleichzeitig reduziert sich der Bedarf an nachträglichen Bohrkernentnahmen, da belastbare Prozessdaten bereits während des Einbaus zur Verfügung stehen.

Praxisrückmeldungen aus ersten Einsätzen
Erste Baustelleneinsätze zeigen, dass die Technologie nicht nur für die Qualitätssicherung relevant ist, sondern auch für die operative Steuerung. Bei einer Baumaßnahme mit rund 21.000 Quadratmetern Deckschichteinbau setzte die Josef Hebel GmbH aus Memmingen Smart Compact Pro ein. Oberbauleiter Heinrich Lang fasst die Erfahrungen zusammen: „Diese Thematik ist für uns sehr wichtig, um die Qualität im Straßenbau zu steigern und die Langlebigkeit der Straßen zu erhöhen.“ Zur Arbeit des Fahrers ergänzt er: „Der Fahrer war begeistert aufgrund der Unterstützung, die er durch das System auf der Baumaßnahme erhielt.“
Auch aus Sicht der Bauleitung ergeben sich Vorteile: „Wir von der Oberbauleitung waren auch sehr begeistert, da wir die Dichte-Daten sofort in Echtzeit von der Baustelle erhielten. Die Echtzeit-Dichte ist entscheidend, da wir damit sofort auf etwaige Mängel reagieren können und dadurch eine höhere Langlebigkeit bei den Straßen gewährleistet ist.“
Hamm treibt die automatisierte Verdichtung im Erdbau voran
Auch im Erdbau erweitert Hamm die Automatisierung der Verdichtung. Mit den neuen Walzenzügen HC 130i C VA wird die bestehende Familie mit VA-Bandage nach unten ergänzt, zu der bereits die Modelle HC 200i C VA und HC 250i C VA gehören. Ausgestattet mit Smart Compact erfolgt die Verdichtung auf Basis einer stufenlos verstellbaren Amplitude und einer neu entwickelten Verdichtungsmessung automatisiert auf einen vorgegebenen Zielwert in MN/m². Das System passt die Maschinenparameter kontinuierlich an die aktuellen Bodenbedingungen an und sorgt so für eine gleichmäßige Verdichtungsenergie über die gesamte Fläche.
In der Praxis bedeutet dies weniger Überfahrten und eine gleichmäßigere Verdichtung, was sich sowohl auf den Kraftstoffverbrauch als auch auf die Bauzeit auswirkt. Gleichzeitig verhindert die direkte Verstellung der Amplitude Sprungbetrieb und Überverdichtung, was nicht nur den Untergrund schont, sondern auch die mechanische Belastung von Maschine und Bediener reduziert. Die VA-Bandage wird dadurch Teil eines energieeffizienten Gesamtsystems, das auf wechselnde Bodenverhältnisse reagieren kann, ohne dass der Fahrer permanent manuell eingreifen muss.
Assistenz für den Fahrer und Vergleich von Soll- und Ist-Werten
Mit Track Assist stellt Hamm eine neue Android-basierte Anwendung vor, die als Weiterentwicklung der bisherigen Smart Doc App konzipiert ist. Sie richtet sich direkt an den Walzenfahrer und visualisiert während der Arbeit relevante Prozessparameter wie Überfahrten, Echtzeit-Dichte, Temperaturgrenzen, Veränderungen der Verdichtungswerte, Reversierpunkte oder den Anteil an Sprungbetrieb. Ziel ist es, dem Bediener situativ belastbare Informationen zur Verfügung zu stellen, ohne ihn mit Daten zu überfrachten.
In der nächsten Entwicklungsstufe soll der Hamm Track Assist zu einem Assistenzsystem ausgebaut werden, das Verdichtungsziele mit den aktuellen Ist-Ergebnissen abgleicht und damit eine unmittelbare Rückmeldung zur Zielerreichung gibt. Damit verschiebt sich die Qualitätssicherung weiter in den laufenden Prozess und verlässt den Bereich der reinen Nachkontrolle.

Prozessdaten für Bauleitung und Flottenmanagement
Die auf der Maschine erfassten Daten entfalten ihren Nutzen vor allem dann, wenn sie systematisch ausgewertet werden können. Hier setzt WPT Compacting, der Wirtgen Group Performance Tracker für den Bereich Verdichtung, an. In Kombination mit Track Assist ermöglicht das System die kontinuierliche Überwachung, Dokumentation und Analyse der Verdichtungsarbeiten während und nach dem Einbau. Erfasst werden neben klassischen Prozessdaten auch die neuen Echtzeit-Dichtemessungen aus Smart Compact Pro.
Die Datenübertragung erfolgt in das zentrale Baustellen- und Flottenmanagement-Tool der Wirtgen Group, das John Deere Operations Center. Dort lassen sich die Informationen in unterschiedlichen Ansichten darstellen und punktgenau auswerten, etwa zur Beurteilung der Flächenhomogenität oder zur Nachverfolgung einzelner Arbeitsabschnitte.
Darüber hinaus ist eine Maschinenkommunikation vorgesehen, sowohl zwischen mehreren Walzen als auch zwischen Walzen und Fertigern, um Arbeitsabläufe besser aufeinander abzustimmen. Hamm Track Assist und WPT Compacting sollen ab Frühjahr 2026 verfügbar sein und sind so ausgelegt, dass sie in bestehende digitale Baustellenprozesse integriert werden können.

Digitale Schnittstellen für mehr Sicherheit auf der Baustelle
Neben Effizienz und Qualität adressiert Hamm auch das Thema Arbeitssicherheit, das im Straßen- und Erdbau aufgrund des Mischverkehrs aus Personal, schweren Maschinen und externem Baustellenverkehr besondere Bedeutung hat. Für Maschinen mit dem Bedienkonzept Easy Drive in den Serien HC, HD+, HX und HP steht eine Schnittstelle zur Anbindung von Systemen zur Kollisionsvermeidung zur Verfügung, wahlweise ab Werk oder als Retrofit-Lösung.
Diese Systeme erkennen Personen oder andere Maschinen im Umfeld und warnen den Bediener oder greifen bei Bedarf direkt in die Maschinensteuerung ein, etwa durch automatisches Reduzieren der Geschwindigkeit oder vollständiges Abbremsen.
Kurzfristig plant Hamm zudem, ein vollständiges Kollisionsvermeidungssystem ab Werk anzubieten. Damit wird die Sicherheit nicht mehr allein von der Aufmerksamkeit des Bedieners abhängig gemacht, sondern durch sensorbasierte Assistenz ergänzt, die insbesondere in unübersichtlichen Baustellensituationen zusätzliche Reaktionszeit verschafft. In der Gesamtschau wird deutlich, dass der Hersteller die Digitalisierung nicht als isolierte Zusatzfunktion versteht, sondern als integralen Bestandteil moderner Baustellenprozesse, die Qualität, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit gleichermaßen adressieren.
Fotos: Wirtgen Group




