Variokit als Ansatzpunkt für effizientere Infrastrukturprojekte

Der Infrastrukturbau in Deutschland steht unter erheblichem Druck. Tausende Brücken gelten als sanierungsbedürftig, vielerorts sind Abriss und Neubau wirtschaftlicher als eine Instandsetzung, zugleich wächst der Bedarf an neuen Bauwerken für Straße und Schiene. Hinzu kommen knappe Budgets, ein zunehmender Fachkräftemangel sowie hohe Anforderungen an Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Verkehrsführung.
Vor diesem Hintergrund gewinnen systembasierte Ansätze an Bedeutung, die Planung, Logistik und Ausführung stärker integrieren. Der Variokit Ingenieurbaukasten des Herstellers Peri wird in diesem Kontext als technisches und organisatorisches Instrument eingesetzt, um Abläufe zu standardisieren und gleichzeitig projektspezifisch anzupassen.
Ausgangslage im Brückenbestand
Ein großer Teil des Brückenbestands stammt aus den 1960er- und 1970er-Jahren und ist nicht für heutige Verkehrsbelastungen ausgelegt. Die steigenden Achslasten im Güterverkehr, ein hohes Verkehrsaufkommen sowie altersbedingte Materialermüdung führen dazu, dass Eingriffe immer häufiger und umfangreicher werden. Parallel dazu hat sich der Anspruch an Bauabläufe verändert. Bauzeitenfenster sind eng, Sperrungen sollen möglichst vermieden werden, und die Toleranz gegenüber Verzögerungen ist gering.
Damit verschiebt sich der Fokus von reinen Produktlösungen hin zu integrierten Konzepten, die auch Arbeitsvorbereitung, Taktung und Logistik berücksichtigen. Hersteller wie Peri reagieren darauf, indem sie technische Systeme zunehmend mit projektbegleitenden Dienstleistungen verknüpfen.

Systemlogik statt Einzellösungen: Variokit im praktischen Einsatz
Der Variokit Ingenieurbaukasten von Peri basiert auf einem begrenzten Satz standardisierter Stahlbauteile, die sich zu unterschiedlichen Trag- und Arbeitskonstruktionen kombinieren lassen. Dieses Prinzip ermöglicht es, sowohl Sanierungsmaßnahmen als auch Neubauten mit derselben Systembasis abzuwickeln, unabhängig davon, ob in Ortbetonbauweise, im Stahlverbund oder mit abschnittsweisem Vorbau gearbeitet wird.
Ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor ist dabei die hohe Mietquote des Systems, denn rund 95 Prozent aller Bauteile sind mietbar. Dadurch lassen sich Investitionen projektbezogen steuern, während gleichzeitig kurzfristige Anpassungen an veränderte Bauabläufe möglich bleiben. Für dauerhaft eingesetzte Komponenten steht alternativ der Kauf zur Verfügung, wobei die auf Wiederverwendung ausgelegten Stahlbauteile auf lange Nutzungszyklen ausgelegt sind.
Ein weiterer Aspekt ist die Systemkompatibilität. Variokit lässt sich mit dem Peri UP Gerüstbaukasten kombinieren, sodass Arbeitsplattformen, Zugänge und Absturzsicherungen ohne zusätzliche Sonderkonstruktionen integriert werden können. Damit können temporäre Bauzustände vollständig aus einem abgestimmten System aufgebaut werden, was Schnittstellen reduziert und die Koordination zwischen Gewerken vereinfacht. In der Praxis bedeutet dies, dass Schalung, Traggerüst und Zugangslösungen gemeinsam geplant, geliefert und montiert werden können.

Planungskapazitäten und Qualifizierung als Engpassfaktoren
Die Herausforderungen beginnen häufig bereits in der Vorbereitungsphase. In vielen Ingenieurbüros fehlen Kapazitäten für detaillierte Vorplanung und Ausschreibung, während Bauunternehmen zunehmend Schwierigkeiten haben, erfahrenes Baustellenpersonal zu besetzen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Unterstützung durch systembezogene Planungsleistungen an Bedeutung. Peri stellt für Projekte mit Variokit-Anwendungen auf Wunsch statische Vorbemessungen, detaillierte Ausführungsplanungen und strukturierte Ausschreibungstexte bereit, um den Planungsaufwand in frühen Projektphasen zu reduzieren.
Auf der Ausführungsseite zielt der Ansatz darauf ab, Montageabläufe zu vereinfachen und den Bedarf an hochspezialisierten Fachkräften zu senken. Ergänzend werden Schulungen angeboten, die sowohl theoretische Grundlagen als auch praktische Montageübungen umfassen. Diese Qualifizierungsangebote sind darauf ausgelegt, die Systemsicherheit zu erhöhen und gleichzeitig die Einarbeitungszeiten auf der Baustelle zu verkürzen.
Ein typisches Anwendungsbeispiel ist die Sanierung von Gesimskappen, bei der häufig unter laufendem Verkehr gearbeitet wird. Die dafür entwickelte Variokit Gesimskappenschalung ist so ausgelegt, dass ihre Einzelkomponenten von einer Person montiert werden können. Konsolen lassen sich stufenlos an unterschiedliche Geometrien anpassen, ohne dass Sonderbauteile erforderlich sind. Vormontierte Bühneneinheiten verkürzen die Rüstzeiten auf der Baustelle und reduzieren die Abhängigkeit von zusätzlichem Personal.

Variokit und die Organisation eng getakteter Bauabläufe
Im Brückenbau sind parallele Arbeitsabläufe inzwischen die Regel. Während Abbruch, Bewehrung, Schalung und Betonage aufeinander abgestimmt werden müssen, laufen häufig gleichzeitig Maßnahmen zur Verkehrsführung und Sicherung. Jede Verzögerung wirkt sich unmittelbar auf nachfolgende Gewerke aus. Um diese Abhängigkeiten zu reduzieren, werden für Variokit-basierte Projekte von Peri auf Wunsch Taktplanungen und Arbeitsvorbereitungen erstellt, die den Materialfluss und die Montageabfolge festlegen.
Ein Beispiel für zeitkritische Anwendungen ist der Freivorbau in Ortbetonbauweise, etwa über Gewässern oder sensiblen Bereichen, in denen keine Hilfsunterstützung möglich ist. Das Variokit Freivorbaugerät ist hydraulisch verfahr- und ausrichtbar und benötigt nur zwei Verankerungen pro A-Rahmen. Dadurch werden Eingriffe in den Untergrund minimiert und der Baufortschritt beschleunigt. Die Auslegung auf große Betonierabschnitte ermöglicht eine Reduzierung der Gesamtbauzeit, was insbesondere bei projektierten Sperrpausen relevant ist.
Für Stahlverbundbrücken wurde mit der unten fahrenden Variokit Kragarmbahn eine Lösung entwickelt, bei der alle Arbeiten an der Fahrbahnplatte von oben erfolgen. Da keine Fahrschienen oder Durchdringungen erforderlich sind, bleibt das Tragwerk ungestört, und die Qualität der Betonage kann unter konstanten Bedingungen sichergestellt werden. Gleichzeitig verkürzt sich die Dauer der Betonierarbeiten, was bei stark frequentierten Streckenabschnitten ein wesentlicher Faktor für die Aufrechterhaltung des Verkehrs ist.

Bauen unter Verkehr und Anforderungen an die Sicherheit
Ein Großteil der Brückenbauprojekte findet heute unter laufendem Verkehr statt. Insbesondere in Ballungsräumen lassen sich Vollsperrungen kaum noch realisieren, da Umleitungen schnell zu erheblichen Stau- und Emissionsbelastungen führen. Daraus ergeben sich hohe Anforderungen an die Baustellensicherheit, sowohl für das Personal als auch für den darunterliegenden Verkehr.
Peri setzt hier auf Systemlösungen, die den Zugang von oben ermöglichen und gleichzeitig geschlossene Arbeitsbereiche schaffen. Bei der Variokit Gesimskappenschalung werden Arbeitsbühne und Schalungseinheit getrennt montiert, sodass der Bühnenbelag durchgehend geschlossen bleibt. Ergänzende Einhausungen am Geländer dienen als Schutz vor herabfallenden Materialien, etwa beim Abbruch alter Kappen oder bei Schalungsarbeiten. Auf diese Weise lassen sich Sanierungsmaßnahmen durchführen, ohne den Verkehr unterhalb der Brücke zu unterbrechen.
Wirtschaftlichkeit zwischen Mietmodellen und Prozessoptimierung
Der finanzielle Rahmen öffentlicher Infrastrukturprojekte ist in der Regel eng gesteckt, während Material- und Lohnkosten steigen. Vor diesem Hintergrund rückt die Wirtschaftlichkeit der Bauprozesse selbst stärker in den Fokus. Dass rund 95 Prozent der Variokit-Bauteile von Peri mietbar sind, ermöglicht es, Investitionen projektbezogen zu steuern und die Kapitalbindung gering zu halten. Gleichzeitig profitieren Bauunternehmen von der Wiederverwendbarkeit und Robustheit der Systembauteile, wenn diese dauerhaft im Bestand gehalten werden.
Ein weiterer Kostenfaktor liegt in der Organisation der Baustelle. Vormontierte Einheiten, reduzierte Rüstzeiten und klar definierte Montageabläufe wirken sich direkt auf die Produktivität aus. Wenn Schalung und Gerüst aus einem System stammen und gemeinsam geplant werden, verkürzen sich Abstimmungswege, und potenzielle Fehlerquellen an Schnittstellen werden reduziert. In der Summe trägt dies dazu bei, sowohl direkte Baukosten als auch indirekte Kosten durch Verzögerungen oder Nacharbeiten zu senken.

Partnerschaftliches Modell zwischen Planung und Ausführung
Die technische Leistungsfähigkeit eines Systems allein reicht im komplexen Umfeld des Brückenbaus nicht aus. Entscheidend ist die Einbindung in die Projektorganisation. „Die größte Herausforderung im Brückenbau ist heute nicht die Statik, sondern die Organisation. Genau hier setzten wir an: mit einem Baukastensystem, das Komplexität reduziert. Und mit einem Team, das nicht einfach nur liefert, sondern partnerschaftlich begleitet – von der Ausschreibung bis zur letzten Abnahme“, sagt Christoph Dilger, Leiter Produktmanagement bei Peri Deutschland.
Ingenieurbüros erhalten dadurch Unterstützung bei der Erstellung technischer Unterlagen und bei der Abstimmung mit prüfenden Stellen, während Bauunternehmen auf vorkonfigurierte, statisch abgesicherte Lösungen zurückgreifen können. Ergänzt um Schulungen, Logistik und projektbegleitende Beratung entsteht ein Modell, das Planung und Ausführung enger verzahnt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Rahmenbedingungen im Infrastrukturbau wird damit versucht, den strukturellen Engpässen bei Personal, Zeit und Budget mit standardisierten, aber anpassungsfähigen Prozessen zu begegnen.
Ausblick auf die Rolle modularer Systeme im Infrastrukturausbau
Die anstehenden Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur werden das Bauvolumen in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Gleichzeitig ist nicht absehbar, dass sich der Fachkräftemangel kurzfristig entspannt oder Genehmigungs- und Bauprozesse deutlich vereinfacht werden. In diesem Umfeld gewinnen modulare, systembasierte Lösungen an strategischer Bedeutung, da sie dazu beitragen können, Komplexität zu reduzieren und Abläufe zu stabilisieren.
Der Variokit Ingenieurbaukasten von Peri steht exemplarisch für diesen Ansatz, indem er technische Flexibilität mit organisatorischer Unterstützung verbindet. Für viele Projektbeteiligte liegt der Mehrwert weniger in einzelnen Produkten als in der Möglichkeit, wiederkehrende Bauaufgaben mit standardisierten, erprobten Konzepten abzuwickeln und gleichzeitig auf projektspezifische Randbedingungen reagieren zu können. Damit wird der Systemgedanke zu einem Baustein, um die anstehenden Aufgaben im Brückenbau unter realistischen personellen und finanziellen Bedingungen bewältigen zu können.
Fotos: Peri Deutschland




