Modernisierte Betonbautechnik beschleunigt den Ausbau einer zentralen Verkehrsachse in der texanischen Ölregion
Im Permischen Becken, der bedeutendsten Ölförderregion der USA, spielen Maschinen von Wirtgen eine zentrale Rolle bei der Modernisierung eines stark belasteten Abschnitts der Interstate 20. Mit dem Ausbau der wichtigen Ost-West-Verbindung zwischen Midland und Odessa soll eine Verkehrsachse ertüchtigt werden, die für den Transport von Gütern und die wirtschaftliche Entwicklung der Region von zentraler Bedeutung ist. Im Mittelpunkt des Projekts steht der Einsatz moderner Wirtgen Gleitschalungstechnologie für den Betonstraßenbau.
Das Permische Becken erstreckt sich über rund 220.000 Quadratkilometer in Texas und New Mexico. Mit einer täglichen Fördermenge von etwa 4,2 Millionen Barrel Rohöl beziehungsweise rund 670 Millionen Litern zählt die Region zu den produktivsten Ölfeldern weltweit.
Entsprechend hoch ist die Verkehrsbelastung auf der Interstate 20, die San Angelo, Midland und Odessa miteinander verbindet. Jahrzehntelanger Schwerlastverkehr hat die Infrastruktur erheblich beansprucht. Wiederkehrende Staus beeinträchtigen nicht nur den Verkehrsfluss, sondern wirken sich zunehmend auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der gesamten Region aus.

Ausbau einer zentralen Verkehrsverbindung
Mit einem Investitionsvolumen von 424 Millionen US-Dollar lässt das Texas Department of Transportation (TxDOT) einen rund 18 Kilometer langen Abschnitt der Interstate 20 zwischen Midland und Odessa umfassend erneuern. Das Projekt umfasst den Ausbau der bestehenden Fahrbahnen, den Neubau von Anschlussstellen, die Umgestaltung mehrerer Auffahrten sowie die Umwandlung bisheriger Gegenverkehrsstraßen in Einbahnstraßen. Ziel ist es, die Verkehrskapazität nachhaltig zu erhöhen und gleichzeitig die regionale Anbindung der wirtschaftlich bedeutenden Öl- und Gasindustrie zu verbessern.
Den Auftrag für die Gleitschalungsarbeiten erhielt Pulice Construction. Das 1956 gegründete Unternehmen mit Standorten in Arizona und Texas ist vor allem im Südwesten der USA tätig und gehört zum spanischen Baukonzern Dragados S.A. mit Sitz in Madrid. Das Unternehmen zählt zu den weltweit größten Anbietern im Hoch- und Tiefbau und hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 7.200 Kilometer Autobahnen, 3.500 Kilometer Landstraßen, 1.500 Brücken sowie 1.400 Kilometer Tunnel realisiert. Zwischen Dragados und der Wirtgen Group besteht seit Jahren eine enge Zusammenarbeit, weshalb Pulice bei der Zusammenstellung der erforderlichen Maschinentechnik auf die Unterstützung der Spezialisten aus Deutschland zurückgriff.
„Wir haben uns für die Maschinen von Wirtgen entschieden, weil sie von unserem Mutterkonzern in Europa häufig verwendet werden“, erklärt Rod Roglin, Equipment Superintendent von Pulice. Zum neu beschafften Maschinenzug gehören der Seitenbeschicker WPS 102i, der Inset-Gleitschalungsfertiger SP 94i sowie das Nachbehandlungsgerät TCM 180i. „Aus unserer Sicht bieten diese ausgezeichneten Maschinen viel mehr Möglichkeiten“, so der erfahrene Ausrüstungsmanager.

Modularer Beton-Einbauzug von Wirtgen im Praxiseinsatz
Der eingesetzte Wirtgen Beton-Einbauzug deckt sämtliche Arbeitsschritte vom Materialtransport bis zur Oberflächennachbehandlung ab. Den Materialfluss übernimmt der zweikettige Seitenbeschicker WPS 102i, der Beton in Arbeitsbreiten zwischen vier und zwölf Metern sowie bis zu einer Schichtdicke von 500 Millimetern vorlegt. Ein hydraulisch teleskopierbarer Maschinenrahmen und eine modulare Beton-Abstreifeinheit ermöglichen eine schnelle Anpassung an unterschiedliche Einbaubreiten. Ergänzt wird das Konzept durch ein intelligentes Bedienkonzept sowie ein klappbares Förderband, das das Rangieren der Mischfahrzeuge erleichtert und damit eine kontinuierliche Betonversorgung unterstützt.
Den eigentlichen Fahrbahneinbau übernimmt der vollmodulare Inset-Gleitschalungsfertiger SP 94i der Neun-Meter-Klasse. Die Maschine eignet sich für Einbaubreiten von 3,5 bis 9,5 Metern bei Schichtdicken von bis zu 45 Zentimetern. Die speziell für den nordamerikanischen Markt entwickelte Betonausrüstung umfasst unter anderem Verteilerschwert, Fahrbahnschalung mit automatischer Dachprofilverstellung, Edge Slump Control-Einsätze, hydraulische Rüttler, geteilte Seitenschalung sowie einen Längsglätter. Sämtliche Komponenten lassen sich an unterschiedliche Einbauanforderungen anpassen. Über eine entsprechende Schnittstelle können zudem 3D-Steuerungssysteme integriert werden, wodurch ein leitdrahtloser Einbau mit hoher Präzision möglich wird.
Zum flexiblen Einsatz trägt auch der modulare Maschinenaufbau bei. Hydraulische Schwenkarme, ein Lenkwinkel von 90 Grad sowie die schnelle Umrüstung zwischen Transport- und Arbeitsstellung ermöglichen eine zügige Anpassung an wechselnde Baustellenbedingungen, ohne dass Betonausrüstung oder Längsglätter demontiert werden müssen. Darüber hinaus kann der SP 94i mit einem selbstverladenden Dübelsetzer, Seitenankereinstoßgeräten oder zentralen Ankersetzern ausgerüstet werden, wodurch Bewehrungselemente direkt im laufenden Einbauprozess integriert werden können.
Für die Nachbehandlung der frischen Betonoberfläche kommt das selbstfahrende TCM 180i zum Einsatz. Sein modularer Aufbau erlaubt Arbeitsbreiten zwischen vier und 18 Metern. Das Gerät erzeugt die gewünschte Oberflächentextur und schützt den jungen Beton mithilfe einer automatisierten Sprühanlage mit großem Vorratsbehälter vor einem vorzeitigen Austrocknen.

Schulung und Praxiserfahrung als wichtiger Projektbaustein
Bereits vor Beginn der Bauarbeiten stellten Fachleute von Pulice Construction und Wirtgen gemeinsam die Maschinenkonfiguration sowie die erforderlichen Einsatzteams zusammen. Darüber hinaus wurden sämtliche Maschinenführer intensiv auf ihre jeweiligen Arbeitsplätze eingewiesen.
„Am Anfang war es schwierig, sich die ganzen Bedienelemente und Handgriffe zu merken“, sagte Alejandro Guevara, der als erster die Steuerung des WPS 102i auf der Baustelle übernahm. „Aber nun fühle ich mich beim Bedienen der Maschine sicher.“
Marcial Loa III fügt hinzu: „Es ist schon aufregend zu wissen, dass wir über neues Spielzeug verfügen. Nun wollen wir unbedingt zeigen, was damit möglich ist.“
Auch der erste Praxiseinsatz verlief aus Sicht der Beteiligten erfolgreich. Unter der Begleitung von Tim Nash, seit Januar 2013 Director of Concrete Products bei Wirtgen America, absolvierte der Maschinenzug seinen ersten Produktionstag. Nash zog ein positives Fazit: „Bei Frischbeton gibt es kaum Fehlertoleranzen. Heute nach Feierabend wird Pulice allein am ersten Tag 305 Kubikmeter Beton verarbeitet haben. Bisher lief alles gut.“
Positive Rückmeldungen kamen ebenso aus den Einbauteams. „Bei diesem Projekt lernen wir ständig dazu“, so Romero Benavides, Betonfinisher bei Pulice Construction und fügt hinzu: „Diese Erfahrungen kommen uns auf der nächsten Baustelle zugute. Inzwischen kennt jeder seine Position und Aufgaben, sodass wir künftig noch schneller und besser arbeiten können.“
Auch aus Sicht des Texas Department of Transportation und der regionalen Verwaltung gilt das Projekt als wichtiger Baustein für die langfristige Entwicklung der Region. „Die Durchführung dieser Projekte zur Verbesserung der Sicherheit und Mobilität trägt wesentlich dazu bei, die Industrie in dieser Region zu stärken und ihre Erzeugnisse an den Rest der Welt zu liefern”, resümiert Bezirksingenieur Eric Lykins.
Fotos: Wirtgen Group




