Diesel- und Benzinmotoren im realen Maschineneinsatz

Rehlko lud im Juli zur vierten Ausgabe der Demo Days. PROTRADER war vor Ort und konnte neun Maschinen mit Rehlko Antrieben im praktischen Einsatz erleben. Im Mittelpunkt stand dabei weniger die einzelne Motorenkennzahl als die Frage, wie sich Antrieb und Maschine als Gesamtsystem bewähren.
Motoren lassen sich auf dem Prüfstand vermessen. Ihre tatsächliche Bedeutung zeigt sich jedoch erst in der Maschine. Genau diesen Ansatz verfolgt Rehlko mit den Demo Days, die am 13. und 14. Juli am Unternehmenssitz in Reggio Emilia in Italien stattfanden. Sechs OEM-Partner – Cormidi, MDB, Palfinger, Vermeer, Wacker Neuson und Weidemann – brachten insgesamt neun Maschinen mit.
Antriebstechnik zum Anfassen
Das Spektrum war entsprechend breit: von kompakten Ladern und Raupenmaschinen über Teleskop-Radlader und Mitnahmestaplern bis zu Maschinen für Baumpflege und Grabenbau. Gemeinsam ist den Anwendungen, dass begrenzter Bauraum, hohe Leistungsdichte und ein möglichst effizienter Betrieb miteinander in Einklang gebracht werden müssen.
Für Rehlko bot die Veranstaltung zugleich die Bühne für die Vorstellung des KDI 1903TCR HP. Die neue High-Power-Variante des KDI 1903TCR erreicht bis zu 50 kW und 250 Nm Drehmoment. Der Dreizylinder-Diesel ist für kompakte Off-Highway-Maschinen ausgelegt und soll mehr Leistungsreserven bereitstellen, ohne die für die Baureihe typische kompakte Bauweise und Installationsflexibilität aufzugeben.
Der Motor erfüllt EU Stage V und ist mit Rehlkos Abgasnachbehandlung ausgestattet. Hinzu kommen lange Wartungsintervalle und die Möglichkeit, 100 Prozent HVO als Kraftstoff einzusetzen. Gerade für OEMs, die ihre Maschinen ohne grundlegende konstruktive Änderungen für alternative Kraftstoffe nutzbar machen wollen, ist diese Eigenschaft von Bedeutung.

Vom Datenblatt in die Anwendung
Wie stark sich die Anforderungen an einen Motor mit der jeweiligen Maschine verändern, wurde bei den verschiedenen Vorführungen deutlich. Cormidi beispielsweise setzt im CMF1500 auf den KSD 1403NA. Die kompakte Multifunktionsmaschine kann 1.500 Kilogramm aufnehmen und ist dank ihres Raupenfahrwerks auch für schwieriges Gelände ausgelegt.
Auf Baustellen und in landwirtschaftlichen Anwendungen kommt es dabei nicht allein auf Motorleistung an. Wendigkeit, Traktion und ein möglichst schneller Wechsel zwischen unterschiedlichen Arbeitsaufgaben bestimmen den praktischen Nutzen.
Dazu trägt beim CMF1500 das Quick-Attach-System bei. Die Maschinenkonfiguration lässt sich innerhalb von weniger als fünf Minuten wechseln, ohne Spezialwerkzeug und mit nur einer Person. Eine schallisolierte Motorhaube, ein Multifunktionsdashboard und eine ergonomische Bedienplattform mit 360-Grad-Sicht ergänzen das Konzept.
Einen deutlich extremeren Einsatzbereich deckt MDB mit dem Green Climber LV400X ab. Der ferngesteuerte Geräteträger wird vom KSD 1403TC angetrieben und ist für Arbeiten unter schwierigen Bedingungen konzipiert. Bei solchen Maschinen spielen neben der Leistungsbereitstellung vor allem Baugröße und Leistungsgewicht eine Rolle. MDB setzt deshalb auf die kompakten Rehlko Motoren inzwischen nicht nur bei der Green-Climber-Reihe, sondern weitet deren Einsatz auch auf weitere Spezialmaschinen aus.

Zwei Motoren für den Materialtransport
Palfinger zeigte mit dem FLM 25 und dem BM 214 zwei Maschinen, bei denen die Integration des Antriebs ebenfalls unmittelbar mit dem Einsatzprofil zusammenhängt. Der FLM 25 nutzt den KSD 1403NA Stage V und ist für Materialtransporte in anspruchsvollen Umgebungen vorgesehen. Bei einer Hubkapazität von 2.500 Kilogramm und einem Eigengewicht von weniger als 2.000 Kilogramm fällt das Verhältnis von Nutzlast zu Maschinengewicht vergleichsweise günstig aus.
Die erhöhte zentrale Fahrerposition schafft freie Sicht über 360 Grad. 180-Grad-Lenkung, Allradlenkung, Teleskopgabeln und Bodensteuerung erweitern den Einsatzbereich. Auf engem Raum und auf unebenem Untergrund muss die Maschine nicht nur ausreichend Leistung bereitstellen, sondern sich vor allem präzise positionieren lassen.
Der BM 214 geht einen anderen Weg. Der mit einem KSD 1403TC Stage V ausgerüstete Mitnahmestapler verfügt über permanenten Allradantrieb und vollständige Funkfernsteuerung. Dadurch kann der Bediener die Maschine außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs positionieren und gleichzeitig das Arbeitsumfeld im Blick behalten. Die boxmontierte Konstruktion senkt den Schwerpunkt und wirkt sich damit auf die Stabilität während Transport und Betrieb aus.

Vermeer zeigt die Bandbreite
Besonders anschaulich wurde die Bandbreite der Anwendungen bei Vermeer. Mit dem ML100 Minilader, der SC552 Baumstumpffräse und der RTX250 Grabenfräse waren drei Maschinen vertreten, die sich hinsichtlich Einsatz und Antrieb deutlich unterscheiden.
Der ML100 nutzt einen 18,4 kW starken KSD 1403TC Diesel und ist für Vermietung, Landschaftsbau und Baumpflege ausgelegt. Seine Nennbetriebslast beträgt 430,9 Kilogramm. Durch die kompakte Bauweise und die Möglichkeit, unterschiedliche Anbaugeräte einzusetzen, ist die Maschine für Arbeiten auf beengtem Raum konzipiert.
Beim SC552 steht dagegen die zur Verfügung stehende Motorleistung stärker im Vordergrund. Die Baumstumpffräse wird von einem 41,2 kW starken KDI 1903TCR angetrieben und ist für anspruchsvolle Baumstumpffräsarbeiten ausgelegt. Das SmartSweep-Steuersystem unterstützt dabei die Arbeitsbewegung und soll eine effiziente Bearbeitung auch an schwer zugänglichen Stellen ermöglichen.
Mit dem RTX250 zeigte Vermeer außerdem eine Maschine mit Benzinantrieb. Die Grabenfräse nutzt einen 18,6 kW starken Rehlko ECH740 EFI und ist für Versorgungsleitungen, Bewässerungsarbeiten und Landschaftsbau vorgesehen. Raupenlaufwerk, kompakte Abmessungen und eine intuitive Lenkung erleichtern die präzise Führung auf unterschiedlichen Untergründen.
Damit zeigte Vermeer gleichzeitig, dass sich die Zusammenarbeit mit einem Motorenlieferanten nicht auf eine einzige Antriebsklasse beschränkt. Je nach Maschinenkonzept kommen unterschiedliche Rehlko Plattformen zum Einsatz.

Der KDI 1903TCR HP im Teleskop-Radlader
Besondere Aufmerksamkeit galt dem neuen KDI 1903TCR HP auch deshalb, weil Weidemann ihn bereits in einem Serienmaschinenkonzept einsetzt. Der 2090T gehört zu einer neuen Generation von Vier- und Fünf-Tonnen-Radladern des Herstellers und kombiniert die kompakten Abmessungen eines Radladers mit der Funktionalität eines Teleskopladers.
Der 50 kW starke Stage-V-Diesel verfügt über Dieseloxidationskatalysator (DOC) und Dieselpartikelfilter (DPF). Zusammen mit dem elektronisch gesteuerten ecDrive-Getriebe soll er ein hohes Drehmoment und eine schnelle Reaktion des Antriebs ermöglichen.
Interessanter als die reine Leistungsangabe ist beim 2090T jedoch das Zusammenspiel mit der Maschinensteuerung. Weidemanns effizienzsteigernde Ladeassistenz (DLA) automatisiert wiederkehrende Ladefunktionen. Schaufelrückführautomatik, Tilt-in-Assist, Rüttelfunktion und Hubhöhenbegrenzung gehören ebenso dazu wie Tele-Retract, das bei den Teleskopmodellen zur Verfügung steht. Die Funktionen greifen in typische Ladezyklen ein, unterstützen eine gleichmäßige Schaufelbefüllung und sollen gleichzeitig den Bedienaufwand sowie Maschinenverschleiß reduzieren.
Hier zeigt sich besonders deutlich, dass die Motorisierung nur ein Teil des Gesamtkonzepts ist. Leistung und Drehmoment müssen zur Hydraulik, zum Fahrantrieb und zu den elektronischen Assistenzsystemen passen, damit daraus im praktischen Einsatz tatsächlich höhere Produktivität entsteht.

Wacker Neuson setzt auf kompakte Integration
Auch beim Wacker Neuson WL750 stand die Integration des Motors im Mittelpunkt. Der etwa vier Tonnen schwere Kompakt-Radlader nutzt den dreizylindrigen KDI 1903 TCR mit 42 kW und 225 Nm Drehmoment. Der Stage-V-Diesel ist in das kompakte Maschinenlayout integriert und eignet sich aufgrund seiner Bauform speziell für die Quermontage.
Für Wacker Neuson war nach Angaben des Herstellers neben der kompakten Bauweise auch die Einbindung in ein modulares Maschinenkonzept ein wesentlicher Grund für die Entscheidung zugunsten der KDI-Baureihe. Gegenüber der vorherigen Motorengeneration stehen höheres Drehmoment, ein niedrigerer Kraftstoffverbrauch und geringere Geräuschemissionen im Vordergrund.
Die Maschine selbst wurde bei der Veranstaltung mit einer überarbeiteten Komfortkabine, verbesserter Sicht auf den Schnellwechsler und einem Panorama-Heckfenster gezeigt. Das elektronisch gesteuerte Fahrantriebssystem bietet mehrere Betriebsmodi, mit denen sich die Charakteristik an unterschiedliche Einsatzbedingungen anpassen lässt.

Rehlko KSD und KDI als unterschiedliche Entwicklungsstufen
Die Demo Days vermittelten damit einen guten Eindruck davon, wo Rehlko seine aktuellen Dieselplattformen positioniert. Die KSD-Familie deckt kompakte Anwendungen mit hoher Leistungsdichte ab und kommt inzwischen in Bau-, Materialumschlag- und Industrieanwendungen zum Einsatz. Der KDI 1903TCR bildet eine etablierte Plattform für anspruchsvollere Off-Highway-Anwendungen. Mit dem KDI 1903TCR HP kommt nun eine leistungsstärkere Ausführung hinzu.
Entscheidend ist dabei weniger die Frage, welcher Motor isoliert betrachtet die besten Kennwerte besitzt. Je nach Maschine verändern sich die Prioritäten: Bei einem ferngesteuerten Geräteträger sind Bauraum und Leistungsgewicht relevant, beim Teleskop-Radlader das Zusammenspiel von Motor und Getriebe, beim Kompaktlader die Integration in ein modulares Maschinenkonzept und bei der Baumstumpffräse die verfügbare Dauerleistung.
Genau diese Perspektive machte den praktischen Charakter der Demo Days aus. Die Veranstaltung stellte die Motoren nicht als eigenständige Produkte in den Vordergrund, sondern zeigte sie dort, wo ihre technischen Eigenschaften für den Anwender tatsächlich relevant werden – in der fertigen Maschine.
Für die OEMs bedeutet diese Form der Zusammenarbeit eine zunehmende Abstimmung bereits während der Entwicklung. Motor, Abgasnachbehandlung, Getriebe, Hydraulik und elektronische Steuerung müssen als Gesamtsystem betrachtet werden. Die bei Rehlko gezeigten Maschinen lieferten dafür neun unterschiedliche Beispiele aus der Praxis.
Fotos: Thomas Kagerbauer




