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ASS 372 Mega – Kippen ohne Risiko

Horizontales Entladen soll Temperaturentmischung und Kipprisiken beim Asphalteinbau reduzieren

Fliegl Asphalt Profi-Thermo ASS 372 Mega
Beim Ausbau einer Allee unterstützt der Fliegl ASS 372 Mega den kontinuierlichen Materialtransport zum Asphaltfertiger

Der ASS 372 Mega von Fliegl Bau- und Kommunaltechnik stand bei der vergangenen IAA Transportation im Mittelpunkt der Präsentation zur Abschiebetechnik für den Asphalteinbau. Der Abschiebe-Sattelauflieger Asphalt Profi-Thermo ASS 372 Mega verbindet eine thermisch isolierte Mulde mit einem horizontal arbeitenden Entladesystem.

Damit adressiert das Konzept zwei zentrale Anforderungen im modernen Straßenbau: die möglichst homogene Beschaffenheit des Mischguts bis zum Einbau und die sichere Entladung ohne Anheben der Mulde. Die Abschiebetechnik gehört bei Fliegl seit Jahren zum etablierten Produktspektrum und wird in unterschiedlichen Fahrzeuggrößen und Typenkonfigurationen angeboten.

Thermische Stabilität als Faktor für die Einbauqualität

Für die Qualität eines Asphaltbelags spielen Temperatur und Homogenität des Mischguts eine wesentliche Rolle. Das beim ASS 372 Mega eingesetzte Fliegl Isotherm-Thermopaket soll die Wärmeverluste während des Transports begrenzen. Dazu sind Seitenwände, Boden, Stirn- und Rückwand der Mulde isoliert. Vier Temperaturanzeigen ermöglichen die Kontrolle der thermischen Situation des Ladeguts, während ein Thermo-Schiebeverdeck die Mulde zusätzlich gegen Wärmeverlust schützt.

Besondere Bedeutung erhält die Temperaturführung durch die zunehmende Verarbeitung von Asphalt bei reduzierten Temperaturen. Sinkt die Ausgangstemperatur des Mischguts, verkürzt sich das für Transport, Einbau und Verdichtung verfügbare Zeitfenster. Gleichzeitig steigt die Bedeutung einer gleichmäßigen Materialtemperatur, um Beeinträchtigungen der Einbauqualität zu vermeiden.

Hier setzt die Abschiebetechnik an. Beim ASS 372 Mega wird die Mulde zum Entladen nicht angehoben. Stattdessen bewegt ein mechanisches Abschiebesystem das Mischgut horizontal aus dem Auflieger. Während dieses Vorgangs wird das Material kontinuierlich durchmischt. Dadurch soll verhindert werden, dass sich unterschiedliche Temperatur- oder Materialbereiche im Ladegutsystem ausbilden und beim Entladen getrennt auf dem Fertiger ankommen. Gerade bei niedrigen Verarbeitungstemperaturen kann dieser Prozess dazu beitragen, das verfügbare Zeitfenster für den Einbau besser auszunutzen.

Das Verfahren eignet sich dabei nicht nur für konventionelle Asphaltmischungen. Auch anspruchsvollere Materialien wie Splittmastix, offenporiger Asphalt (OPA), Porous-Mastic-Asphalt (PMA) oder Mischungen mit gummimodifiziertem Bitumen lassen sich mit der Abschiebetechnik transportieren und entladen. Entscheidend ist dabei die kontinuierliche Bewegung des Materials während des Abladevorgangs, die einer Entmischung entgegenwirken soll.

Fliegl Asphalt Profi-Thermo ASS 372 Mega
Der tiefe Ladungsschwerpunkt des ASS 372 Mega trägt zu einer stabilen Straßenlage bei und unterstützt ein ruhiges Fahrverhalten auch bei Kurvenfahrten

ASS 372 Mega verbindet Volumen mit niedrigem Schwerpunkt

Die thermoisolierte Mulde besteht aus hochverschleißfestem Stahl mit einer Härte von 450 HB und verfügt über ein Fassungsvermögen von rund 24 Kubikmetern bei leichter Häufung. Trotz des hohen Ladevolumens liegt der Ladungsschwerpunkt vergleichsweise niedrig. Hinzu kommt die niedrige Beladehöhe, die den Einsatz kleinerer Radlader und Bagger erleichtert und zugleich eine gute Übersicht beim Beladevorgang ermöglicht.

Die Konstruktion wirkt sich auch auf das Fahrverhalten aus. Der niedrige Schwerpunkt unterstützt die Straßenlage des Aufliegers und reduziert die dynamischen Auswirkungen beim Durchfahren von Kurven. Für den Betreiber kann das geringere Abbremsen vor Kurven und anschließende Beschleunigen mit einem reduzierten Kraftstoff- und Reifenverbrauch verbunden sein. Gleichzeitig lässt sich die Transportleistung durch einen flüssigeren Fahrbetrieb erhöhen.

Auch der hydraulische Energiebedarf bleibt beim Abschieben vergleichsweise begrenzt. Für einen vollständigen Abschiebevorgang werden nach Herstellerangabe lediglich rund 28,5 Liter Öl aus dem Tank entnommen. Damit berücksichtigt das Konzept neben der eigentlichen Transport- und Entladeleistung auch den Verbrauch der hydraulisch betriebenen Funktionen.

Fliegl Asphalt Profi-Thermo ASS 372 Mega
Die zweiteilige Rückwand des ASS 372 Mega ermöglicht beim Abschieben eine kontrollierte und vollständige Entleerung der thermoisolierten Mulde

Entladen ohne Anheben der Mulde

Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Dreiseitenkippern und Hinterkippern liegt in der Entladebewegung. Während bei einem Kipper die Mulde angehoben und dadurch der Schwerpunkt des Fahrzeugs verändert wird, bleibt der ASS 372 Mega während des Abschiebens in seiner normalen Fahrposition. Das reduziert die beim Kippvorgang entstehenden Stabilitätsrisiken und erweitert zugleich die Einsatzmöglichkeiten auf Baustellen mit beengten räumlichen Verhältnissen.

So kann der Auflieger auch auf stark geneigten Flächen eingesetzt werden, ohne dass eine angehobene Mulde zusätzliche seitliche Stabilitätsprobleme verursacht. Gleiches gilt für Einsatzorte mit begrenzter Höhe. Unter Brücken, Stromleitungen oder dichtem Baumbestand entfällt das Risiko einer Kollision mit einer hochgestellten Kippmulde. Auch für Arbeiten im Umfeld von Flughäfen ergeben sich daraus besondere Einsatzmöglichkeiten, da beim Entladen kein Aufbau in den Luftraum ragt, der beispielsweise Radarsysteme der Flugsicherung beeinträchtigen könnte.

Neben der Betriebssicherheit spielt die vollständige Entleerung der Mulde eine Rolle. Ein präzise arbeitendes Abstreifsystem soll auch bei stark haftenden Materialien eine weitgehende Totalentleerung ermöglichen. Dadurch reduziert sich der Bedarf an manuellen Reinigungsarbeiten auf der Mulde, die bei herkömmlichen Kippfahrzeugen mit entsprechenden Sicherheits- und Zeitaufwendungen verbunden sein können.

Steuerung und Ausstattung für unterschiedliche Einsatzbedingungen

Für die Bedienung des Aufliegers setzt Fliegl auf die ProSave-Steuerung mit Funkfernbedienung. Zur weiteren Ausstattung des Fahrzeugs gehören eine Fertigerbremse, eine Liftachse, Scheibenbremsen und Alufelgen. Die Kombination zielt darauf, den Auflieger in den bestehenden Arbeitsablauf zwischen Mischwerk, Transportstrecke und Asphaltfertiger zu integrieren.

Für Anwendungen, bei denen Material nicht unmittelbar maschinell, sondern gezielt von Hand eingebaut werden soll, kann der ASS 372 Mega mit einem aufsteckbaren Dosierkeil ausgerüstet werden. Diese Option ist insbesondere für den Kommunal- und Waldwegebau relevant, bei dem kleinere Materialmengen kontrolliert verteilt werden müssen und andere Anforderungen an die Dosierung bestehen als beim klassischen Einbau mit einem Straßenfertiger.

Fliegl Asphalt Profi-Thermo ASS 372 Mega
Der Fliegl Asphalt Profi-Thermo ASS 372 Mega beim Entladen von Bodenmaterial auf einer Baustelle in den Niederlanden

Abschiebetechnik in verschiedenen Fahrzeugkonfigurationen

Der auf der IAA Transportation gezeigte ASS 372 Mega repräsentiert eine Ausführung innerhalb eines breiteren Abschiebeprogramms von Fliegl Bau- und Kommunaltechnik. Der Hersteller bietet das System in verschiedenen Fahrzeuggrößen und Typenkonfigurationen an. Die Grundidee bleibt dabei unabhängig von der jeweiligen Ausführung gleich: Das Schüttgut wird nicht durch das Anheben der Ladeeinheit, sondern durch eine kontrollierte horizontale Bewegung entladen.

Fliegl Bau- und Kommunaltechnik entwickelt und produziert seine Fahrzeuge und Anlagen am Standort Mühldorf am Inn. Auf dem rund 30 Hektar großen Betriebsgelände beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa 450 Mitarbeiter. Zum Programm gehören unter anderem Misch- und Bewässerungstechnik sowie die patentierte Fliegl Abschiebetechnik für den kontrollierten Transport und die Entladung von Schüttgütern.

Das Unternehmen ist Teil der international tätigen Fliegl Gruppe und vertreibt seine Transport- und Spezialfahrzeuge auch außerhalb Europas. Die auf der IAA Transportation präsentierte Mega-Variante ordnet sich damit in ein Produktprogramm ein, das neben Anwendungen im Straßenbau auch Lösungen für den Tiefbau und kommunale Einsatzbereiche umfasst.

Fotos: Fliegl