Innovative Schwerlasttechnik ermöglicht effiziente Logistik

Erstmals hat der Windenergieanlagenhersteller Enercon den neuen BladeLifter für den Transport von Rotorblättern eingesetzt. Das System, entwickelt von TII Scheuerle, wurde jüngst an Enercon ausgeliefert und kam beim Aufbau des Windparks Olsbrücken in Rheinland-Pfalz unter realen Einsatzbedingungen zum ersten Mal zum Tragen.
In dem Windpark entstehen derzeit zwei zusätzliche Anlagen des Typs E-138 EP3 mit einer Nabenhöhe von 160 Metern. Zusammen mit den bereits bestehenden Turbinen wird der Standort künftig eine Gesamtleistung von 8,52 Megawatt in das Stromnetz einspeisen.
Betreiber ist die juwi Beteiligungs GmbH & Co. NaturPower 4 KG aus Wörrstadt, die Inbetriebnahme der neuen Anlagen ist für Anfang November vorgesehen.

Technische Präzision anspruchsvollen Gelände
Die topografischen und infrastrukturellen Gegebenheiten rund um Olsbrücken stellten besondere Anforderungen an den Transportprozess. Die etwa 68 Meter langen Rotorblätter mussten über schmale Ortsdurchfahrten, enge Kurven und Bahnübergänge bewegt werden – Bedingungen, die mit herkömmlicher Transporttechnik nur schwer zu bewältigen sind.
Genau hier kam der neue Scheuerle BladeLifter G4 zum Einsatz. Das System erlaubt es, Rotorblätter hydraulisch um bis zu 60 Grad anzuheben und zu schwenken. Dadurch können selbst in unübersichtlichem Gelände Hindernisse wie Bäume, Gebäude oder Stromleitungen umfahren werden, ohne dass aufwändige infrastrukturelle Eingriffe notwendig sind. Diese technische Flexibilität war ausschlaggebend für den sicheren und zügigen Ablauf der Transporte in Olsbrücken.

„Gerät und Mannschaft haben die Herausforderung mit Bravour gemeistert“
Für Enercon war der Einsatz des BladeLifter G4 nicht nur ein technisches, sondern auch ein organisatorisches Pilotprojekt. Die Integration einer neuen Transportlösung in bestehende Logistikprozesse erfordert eine präzise Planung und ein eingespieltes Team. „Mit dem BladeLifter G4 erschließen wir uns neue Möglichkeiten beim Transport unserer Rotorblätter. Gerade bei langen Komponenten und anspruchsvollen Streckenführungen verschafft uns die Technik mehr Flexibilität und Planungssicherheit. Für uns als Team war der erste Einsatz eine echte Herausforderung, aber Gerät und Mannschaft haben sie mit Bravour gemeistert“, erklärt Björn Feddermann, Global Logistics Project Manager bei Enercon.
Das Operator-Team um Feddermann bestand aus Stefan Grote, Kevin Hellbach, Malte Tjarks, Klaus Richter und Andre Engel. Ihre Aufgaben umfassten die Koordination der Fahrtrouten, die Abstimmung mit den örtlichen Behörden sowie die präzise Steuerung des BladeLifter-Systems während der Fahrt. Der Erfolg des Projekts war nicht zuletzt das Ergebnis dieser engen Zusammenarbeit und der Erfahrung der Beteiligten im Bereich Großkomponenten-Logistik.

Der BladeLifter als technischer Meilenstein im Schwerlasttransport
Die Transporttechnik von TII Scheuerle gilt seit Jahren als fester Bestandteil im internationalen Schwerlastsektor, doch der BladeLifter G4 markiert eine neue Entwicklungsstufe. Das System wurde speziell für den Transport moderner, immer längerer Rotorblätter konzipiert, die durch den technischen Fortschritt im Anlagenbau stetig an Dimension gewinnen.
Während frühere Transportlösungen oftmals nur geringe Neigungswinkel zuließen, ermöglicht der BladeLifter eine variable und präzise Steuerung des Rotorblatts in unterschiedlichen Achsen. So lassen sich Kurvenradien verkleinern und Streckenverläufe wählen, die zuvor als ungeeignet galten.
Für Hersteller wie Enercon bedeutet dies eine erhebliche logistische Entlastung. Der Transport großer Komponenten verursacht bislang häufig hohe Kosten und zeitliche Verzögerungen, etwa durch notwendige Umleitungen oder bauliche Anpassungen entlang der Transportstrecke. Mit dem BladeLifter reduziert sich dieser Aufwand deutlich. Zudem erhöhen sich die Planungssicherheit und die Effizienz, da mehr Streckenvarianten in kürzerer Zeit realisiert werden können.

Enge Zusammenarbeit zwischen Enercon und TII Scheuerle
Neben den technischen Vorteilen betonte Enercon vor allem die Qualität der Zusammenarbeit mit dem Fahrzeughersteller TII Scheuerle. Bereits in der Planungsphase stand ein intensiver Austausch zwischen den Ingenieurteams beider Unternehmen im Vordergrund. „Wir hatten für jeden Part einen kompetenten Ansprechpartner, das Know-how reichte von A bis Z, und unsere Anregungen wurden jederzeit aufgenommen“, berichtet Feddermann.
Diese partnerschaftliche Herangehensweise ermöglichte eine passgenaue Anpassung des Systems an die spezifischen Anforderungen von Enercon. Die Transportlogistik des Unternehmens ist auf wechselnde Projektbedingungen ausgelegt, von flachen Küstenregionen bis zu bergigem Inlandsterrain. Der BladeLifter G4 bietet hier eine universell einsetzbare Lösung, die in unterschiedlichen Umgebungen zuverlässig funktioniert.

Weitere Einsätze des BladeLifter geplant
Nach den positiven Erfahrungen beim Windpark Olsbrücken plant Enercon, den Scheuerle BladeLifter G4 künftig regelmäßig einzusetzen. Bereits in Vorbereitung befindet sich der nächste Einsatz im Windpark Bingen nahe Sigmaringen am Bodensee. Dort sollen die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Premierenprojekt gezielt genutzt werden, um die Abläufe weiter zu optimieren.
Der erfolgreiche Praxiseinsatz des BladeLifter zeigt, welchen Beitrag moderne Schwerlasttechnik zur Umsetzung der Energiewende leisten kann. Durch den gezielten Einsatz hydraulischer Anhebungs- und Schwenkmechanismen lassen sich aufwändige Eingriffe in bestehende Infrastrukturen vermeiden. Gleichzeitig wird die Effizienz in der Projektabwicklung gesteigert, was nicht nur ökonomische Vorteile bietet, sondern auch den ökologischen Fußabdruck von Transportprozessen verringert.
Mit dem neuen System steht Enercon eine zukunftsweisende Technologie zur Verfügung, die den Transport von Großkomponenten in der Windenergiebranche auf ein neues Niveau hebt. Der BladeLifter G4 von TII Scheuerle verbindet Ingenieurskunst, Praxistauglichkeit und Nachhaltigkeit – Eigenschaften, die künftig entscheidend sein werden, um die wachsenden Anforderungen im Bereich des Windkraftausbaus erfolgreich zu bewältigen.




