Du betrachtest gerade Multifarmer 30.9 – effizienter Allrounder

Multifarmer 30.9 – effizienter Allrounder

Praxisbericht aus der Baumpflege

Merlo Multifarmer 30.9 Classic 2 im Ein-Mann-Betrieb bei Franz Hartl
Der Fuhrpark von Franz Hartl umfasst neben dem Merlo Multifarmer 30.9 Classic 2 auch Standard-Bühneneinheiten, Traktoren und Lkw sowie Eigenbauten und Spezialmaschinen

Der Merlo Multifarmer 30.9 Classic 2 steht im Zentrum eines Arbeitskonzepts, das auf möglichst wenige, dafür vielseitig einsetzbare Maschinen setzt. In Bad Birnbach in Niederbayern betreibt Franz Hartl einen Betrieb für Hebebühnenvermietung und Baumpflege als Ein-Mann-Unternehmen. In dieser Konstellation übernimmt er sämtliche Rollen selbst, vom Transport über die Bedienung bis zur Wartung der Technik. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die eingesetzten Maschinen, die unterschiedliche Aufgaben ohne großen Umrüstaufwand abdecken müssen.

Hartl arbeitet mit einem Fuhrpark, der neben klassischen Hebebühnen, Lkw und Traktoren auch Eigenbauten und Speziallösungen umfasst. Seit 2011 gehört ein gebrauchter Merlo Multifarmer 30.9 Classic 2 dazu, der damals erst wenige Betriebsstunden aufwies.

Das Konzept des Multifarmers, der Funktionen von Teleskoplader und Traktor in einem Fahrzeug vereint, war bereits bei seiner Markteinführung Anfang der 2000er-Jahre als eigenständiger Ansatz positioniert worden. In Hartls Betrieb ist die Maschine seit rund 15 Jahren fester Bestandteil des Technikportfolios. „Vielseitigkeit ist Trumpf“, sagt Hartl und verweist damit auf ein zentrales Kriterium seiner Investitionsentscheidungen.

Merlo Multifarmer 30.9 Classic 2 im Ein-Mann-Betrieb bei Franz Hartl
Hartl setzt den Multifarmer Teleskop-Traktor vor allem auf der eigenen Hofstelle ein, um Hackschnitzel zu produzieren, das Holzlager zu ordnen und den Hof instand zu halten

Einsatzspektrum auf der Hofstelle und technische Eckdaten

Der jährliche Einsatzumfang des Multifarmers liegt bei etwa 250 Betriebsstunden. Zum ursprünglichen Lieferumfang gehörten Lastgabeln, Schaufel und Lasthaken. Diese Grundausstattung bildet bis heute die Basis für zahlreiche Transport- und Umschlagarbeiten auf der eigenen Hofstelle. Dort nutzt Hartl den Teleskop-Traktor unter anderem zur Produktion und zum Umschichten von Hackschnitzeln, zum Ordnen des Holzlagers sowie für allgemeine Instandhaltungsarbeiten. Auch das Räumen von Laub oder der Transport von Fräsgut und Holzresten gehören zu den regelmäßigen Aufgaben. Darüber hinaus zieht die Maschine Rückewagen oder fährt mit Kippern, um Schüttgüter wie Sand oder Kies zu holen.

Technisch ist der Multifarmer 30.9 Classic 2 mit einer maximalen Tragfähigkeit von drei Tonnen und einer Hubhöhe von neun Metern ausgelegt. Der Dreipunkt-Kraftheber bietet eine Hubkraft von 4,3 Tonnen. Angetrieben wird die Maschine von einem Vierzylinder-Deutz-Motor mit 88 kW beziehungsweise 120 PS bei 2.400 Umdrehungen pro Minute. Zur Ausstattung gehören ein hydrostatischer Fahrantrieb, permanenter Allradantrieb sowie ein Zweigang-Getriebe mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h. An der Heckzapfwelle stehen die Drehzahlen 540 und 1.000 U/min zur Verfügung, der Dreipunkt-Kraftheber wird elektrohydraulisch gesteuert.

Merlo Multifarmer 30.9 Classic 2 im Ein-Mann-Betrieb bei Franz Hartl
Über Heckzapfwelle und Hydraulik stellt der Multifarmer die notwendige Leistung für den Rückewagen mit Pfanzelt Kran und Fällgreifer bereit. Der eingesetzte GMT035 ist ein 245 kg schwerer Holzgreifer mit integrierter Säge für Schnittdurchmesser bis 35 cm

Multifarmer 30.9 Classic 2 als zentrale Einheit in der Baumpflege

Seinen eigentlichen Schwerpunkt findet der Teleskop-Traktor in der Baumpflege auf dem eigenen bewaldeten Grundstück sowie bei Kundenaufträgen. Dort fungiert er als Antriebs- und Trägerfahrzeug für unterschiedliche Anbaugeräte. Am Heck ist häufig eine Funkseilwinde der S-Line von Pfanzelt montiert, während der Teleskopausleger mit Lastgabeln Baumteile bewegt oder mit der Schaufel Hackschnitzel lädt. Zusätzlich dient die Maschine als Antriebsaggregat für einen Pfanzelt-Kran in Kombination mit dem Fällgreifer GMT035 von Gierkink.

Über den Anbau der Seilwinde beschreibt Hartl den Ablauf aus der Praxis: „Der Merlo muss beim Anschluss laufen, da die Hydraulik zum Verbinden benötigt wird. Die Winde kann über eine Funk- oder Handsteuerung betätigt werden. Wenn Maschine und Seilwinde eingeschaltet sind und die Zapfwelle läuft, kann ich per Funk das Seil rausziehen. Die Seilwinde hat einen Ausstoß und ein Seil von 90 Metern. Man kann es per Haken um den Baum legen, festziehen und den liegenden Baum rausziehen. Steht er noch, wird er praktisch mit dem Seil gesichert. Mit der Motorsäge wird einen Fallkeil rausgeschnitten. Dann kann die Seilwinde den Baum in die gewünschte Richtung ziehen.“

Merlo Multifarmer 30.9 Classic 2 im Ein-Mann-Betrieb bei Franz Hartl
Der GMT035 am Multifarmer fungiert als kombinierter Fäll- und Greifarm

Anbau und Betrieb der Rückewagen-Kran-Kombination

Auch für den Rückewagen mit Kran und Fällgreifer liefert der Multifarmer die erforderliche Leistung über die Heckzapfwelle und die Hydraulik. Der eingesetzte GMT035 ist ein 245 Kilogramm schwerer Holzgreifer mit integrierter Säge und ermöglicht Schnittdurchmesser bis 35 Zentimeter. Der Anbau der Kombination folgt einem festen Ablauf: Zunächst wird die Kupplung des Rückewagens angeschlossen und verriegelt, anschließend die passende Zapfwelle montiert.

Danach werden die Druckluftkupplungen für die Bremsanlage verbunden, gefolgt von den Hydraulikleitungen für die Schwenkdeichsel und dem Stromanschluss für die Steuerung. Per Aufstellwinde wird der Rückewagen schließlich auf den Rädern abgesetzt, bevor noch die Stecker für die Anhängerbeleuchtung angeschlossen werden. Der Prozess ist technisch klar strukturiert, erfordert jedoch Sorgfalt, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten.

Alois Kölbl, Regional-Vertriebsleiter bei Merlo Deutschland, sieht in dieser Konfiguration einen praxisnahen Einsatz des Konzepts: „Der Multifarmer passt zu Franz wegen der Multifunktionalität. Ein echter Allrounder, mit dem er einfach mehr machen kann. Mit ihm kann er ins Holz hineingehen. Er kann ihn als Stapler, Lader und Schlepper nehmen.“ Damit beschreibt er genau jene Kombination aus Geländegängigkeit, Hubtechnik und Traktorfunktionen, die in der Baumpflege und im Forstbetrieb häufig gefragt ist.

Merlo Multifarmer 30.9 Classic 2 im Ein-Mann-Betrieb bei Franz Hartl
Franz Hartl, bekannt als „Hebebühnen-Franz“, widmet sich leidenschaftlich klassischen Fahrzeugen und Motorrädern und errichtete dafür 2016 eine eigene Halle

Sorgfältiger Umgang und Blick fürs Dauerhafte

Für Hartl selbst ist die Maschine ein fester Bestandteil seines Betriebs, ein Verkauf kommt für ihn nicht infrage. Als Kfz-Meister führt er einen Großteil der Wartungs- und Pflegearbeiten eigenständig durch. Für spezifische technische Fragen greift er auf die Fachberatung zurück, während Ersatzteile über einen regionalen Landtechnikbetrieb bezogen werden.

„Das ist insgesamt eine super Sache, weil die sich gut auskennen. Bisher fielen nur Wartungsarbeiten an. Größere Reparaturen habe ich noch nicht gehabt. Das Gerät läuft gut. Wichtig ist, dass regelmäßig alles nachgeschaut wird und das Öl gewechselt wird. Auch die richtige Umgangsart mit dem Fahrzeug ist zu beachten.“ Der Fokus liegt damit weniger auf kurzfristiger Leistungsoptimierung als auf langfristiger Einsatzsicherheit und Werterhalt.

Abseits des beruflichen Alltags beschäftigt sich Hartl intensiv mit klassischen Fahrzeugen. Er sammelt und restauriert Oldtimer, insbesondere Modelle von BMW und historische Motorräder, wofür er 2016 eine eigene Halle errichtete. Die Teilnahme an Oldtimer-Treffen gehört ebenso dazu wie Auszeichnungen aus der Szene. Besonders schätzt er den BMW E9 3,0 CS in Gruppe-5-Optik. „Mir gefallen einfach farbige oder schöne Autos, die einen historischen Wert haben.“ Die Affinität zu Technik, Mechanik und Werterhalt zeigt sich damit sowohl im Hobby als auch im beruflichen Umgang mit Maschinen, bei dem funktionale Vielseitigkeit und technische Solidität im Vordergrund stehen.

Über Merlo Deutschland

Die Merlo Deutschland GmbH mit Sitz in Bremen vertreibt seit Anfang der 1990er-Jahre die Teleskopmaschinen des italienischen Herstellers Merlo S.p.A. Das Unternehmen fungiert dabei nicht nur als Importeur, sondern übernimmt auch die Anpassung der Grundmaschinen an unterschiedliche nationale Anforderungen und Einsatzbereiche. In Bremen werden Serienfahrzeuge mit spezifischen Ausstattungsoptionen und Anbaugeräten kombiniert, bevor sie über ein bundesweites Händler- und Servicenetz an Anwender ausgeliefert werden.

Neben Vertrieb und technischer Beratung gehören auch Schulungsangebote für Händler, Servicepersonal und Maschinenführer zum Leistungsumfang. Ziel ist es, sowohl die Betriebssicherheit als auch die fachgerechte Nutzung der teils komplexen Maschinenkonzepte sicherzustellen. In Deutschland wurden bislang mehrere zehntausend Teleskopmaschinen der Marke in unterschiedlichen Branchen eingesetzt, darunter Landwirtschaft, Bauwesen, Industrie und kommunale Anwendungen.

Fotos: Merlo