Kontrollgang unter dem Oberbecken als zentrales Element der Instandsetzung

Die Reaktivierung des stillgelegten Pumpspeicherwerks Happurg erfolgt unter maßgeblicher Beteiligung von Paschal und ist Teil einer umfassenden Modernisierung, mit der die Anlage wieder in den energiewirtschaftlichen Regelbetrieb überführt werden soll.
Vor dem Hintergrund gestiegener Energiepreise seit 2022 und der energiepolitischen Diskussion um Versorgungssicherheit gewinnen Pumpspeicherkraftwerke als großtechnische Speicherlösungen erneut an Bedeutung. In Happurg wird seit 2024 daran gearbeitet, die seit 2011 aufgrund von Schäden am Oberbecken außer Betrieb befindliche Anlage technisch und baulich zu ertüchtigen.
Nach Abschluss der Maßnahmen soll das Werk wieder Strom für rund 160.000 Menschen speichern können. Das Funktionsprinzip bleibt unverändert: Überschüssige Energie wird genutzt, um Wasser aus dem Happurger See in das höher gelegene Oberbecken zu pumpen; bei Bedarf wird das Wasser kontrolliert über Turbinen abgelassen und so elektrische Energie erzeugt.
Paschal liefert Sonderschalung für 530 Meter Kontrollgang
Ein zentrales Teilprojekt der Instandsetzung ist die Herstellung eines 530 Meter langen Kontrollgangs unterhalb des Oberbeckens. Der Tunnel wird in offener Bauweise in Ortbeton ausgeführt. Mit der Lieferung der Schalung einschließlich der zugehörigen Unterstützungskonstruktion wurde der Schalungshersteller Paschal mit Sitz in Steinach beauftragt. Der Baubeginn erfolgte im Dezember 2024, die Fertigstellung ist für März 2026 vorgesehen.
Ausführendes Unternehmen ist die Josef Rädlinger Ingenieurbau GmbH aus 94575 Windorf. Das Unternehmen arbeitet seit Jahren mit Paschal zusammen und verfügt über Erfahrung im Bereich Sonderschalungsbau. Die geometrischen und logistischen Rahmenbedingungen des Projekts stellten besondere Anforderungen an Planung und Taktung, da der Kontrollgang aus einer Vielzahl nahezu identischer Abschnitte besteht und ein gleichbleibend hoher Qualitätsstandard bei gleichzeitig wirtschaftlicher Bauweise sicherzustellen war.

Planungskoordination und werkseitige Feinabstimmung der Sonderschalung
„Durch die Länge des Kontrollgangs und der großen Anzahl an fast baugleichen Abschnitten musste für den optimalen Bauablauf vor Beginn der Arbeiten überlegt werden, wie die Herstellung möglichst schnell, qualitativ gleichbleibend und einfach in der Handhabung gestaltet werden kann. Durch die intensiven Abstimmungen mit der Firma Paschal und einer Feinabstimmung der Schalung im Werk bei einem Ortstermin konnten Lösungen für unsere Anforderungen gefunden und ein gutes Ergebnis erzielt werden. Hervorzuheben ist das lösungsorientierte Handeln, welches sich auch bei mehreren Baustellenterminen zur gemeinsamen ausführungstechnischen Lösungsfindung gezeigt hat“, so Bauleiter Louen.
Konstruktive Details und Schalungskonzept im Paschal Systemverbund
Der konstruktive Aufbau des Kontrollgangs erfolgt in drei aufeinander abgestimmten Betonierabschnitten. Nach der Herstellung der Bodenplatte wurden zunächst 1,00 Meter hohe Seitenwände betoniert. Im abschließenden Abschnitt wurde der halbkreisförmige Tunnelbogen mit einem Durchmesser von 2,20 Metern hergestellt. Sämtliche Bauteile weisen eine Wand- beziehungsweise Bauteildicke von 40 Zentimetern auf.
Für den Tunnelbogen entwickelte Paschal eine Innenschalung als Sonderschalung in Stahlausführung. Diese war mit Gelenken ausgestattet, um das Ausschalen und Absenken konstruktiv zu ermöglichen. Als tragende Unterkonstruktion kamen Stützen, Rahmen und Jochträger des Traggerüstes Gass zum Einsatz, die als Serienteile mietbar sind. Ergänzend wurde eine radienverstellbare Trapezträger-Rundschalung als Außenschalung verwendet, ebenfalls aus dem mietbaren Systembestand. Innen- und Außenschalung wurden kraftschlüssig miteinander verspannt. Zur Betoneinbringung wurden in die Segmente der Außenschalung in regelmäßigen Abständen Betonieröffnungen integriert.

Effiziente Schalungslogistik und funktionale Einbindung des Kontrollgangs in das Entwässerungskonzept
Insgesamt waren 54 Schalungseinsätze mit Abschnittslängen zwischen 4,00 und 12,00 Metern vorgesehen. Das Umsetzen der Schalung erfolgte durch Absenken auf Lenkrollen, die unter dem Traggerüst montiert waren. Da der Tunnel auf nahezu ebenem Untergrund hergestellt wird, konnte die gesamte Schalung ohne zusätzliche technische Hilfsmittel manuell verfahren werden. Dieses Vorgehen reduzierte den Einsatz schwerer Hebe- oder Transporttechnik innerhalb des Baufelds und vereinfachte die Ablaufkoordination.
„Nach der Fertigstellung verläuft der Kontrollgang unter der späteren Beckensohle. Angeschlossen an diesen Gang sind Drainagerohre, welche unter der Beckenabdichtungsebene verlegt werden. Dadurch kann kontrolliert und lokalisiert werden, ob und an welcher Stelle Wasserverluste im Becken auftreten“, so Bauleiter Louen.
Mit Abschluss der Gesamtmaßnahme soll das Pumpspeicherwerk im Jahr 2028 wieder in Betrieb gehen. Das Oberbecken übernimmt dann erneut die Funktion eines großvolumigen Energiespeichers im bayerischen Netzverbund. Die bauliche Umsetzung des Kontrollgangs stellt dabei ein wesentliches Element der langfristigen Betriebssicherheit dar.
Über die Paschal-Gruppe
Die Paschal-Gruppe gehört zu den führenden Herstellern von Schalungs- und Unterstützungssystemen für den zeitgemäßen Betonbau und befindet sich heute in der dritten Generation der Unternehmensführung. In Deutschland sorgt das Stammwerk in Steinach gemeinsam mit vier Niederlassungen, einem Service Center und einem umfangreichen Handelspartnernetz für eine enge Kundenbetreuung. International ist das Unternehmen über Tochtergesellschaften, Beteiligungen und Partner in mehr als 40 Ländern vertreten.
Fotos: Paschal




