Batterieelektrischer Radlader im Dauereinsatz zwischen Biogasanlage und Kompostwerk
Der Cat 950 GC Electric muss sich bei der BioIN GmbH aus Ingolstadt im anspruchsvollen Alltag der Abfallwirtschaft bewähren. Zwischen den ersten Gesprächen über einen batterieelektrischen Radlader und dem heutigen Praxiseinsatz liegen Entwicklungsarbeit, technische Anpassungen, der Aufbau einer Ladeinfrastruktur und die enge Abstimmung zwischen Hersteller Caterpillar, Händler Zeppelin und dem Anwender. Die Vorserienmaschine ist die erste ihrer Art, die in Deutschland in der Abfallwirtschaft dauerhaft eingesetzt wird. Ihre Erfahrungen sollen zeigen, wie sich ein batterieelektrischer Radlader unter realen Bedingungen verhält und welche technischen, organisatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für einen späteren Serieneinsatz entscheidend sind.

Praxiserfahrungen mit neuer Antriebstechnik
Für BioIN ist der Einsatz des Cat 950 GC Electric zugleich Teil einer grundsätzlicheren Betrachtung der Elektromobilität. Das Unternehmen, an dem die Büchl-Gruppe und die Ingolstädter Kommunalbetriebe (IN-KB) beteiligt sind, will anhand des praktischen Betriebs die Potenziale, Herausforderungen und die Wirtschaftlichkeit elektrischer Arbeits- und Baumaschinen bewerten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur Caterpillar und Zeppelin bei der Weiterentwicklung der Technologie unterstützen, sondern auch als Entscheidungsgrundlage für den künftigen Maschinenpark der beteiligten Unternehmen dienen.
Bereits 2022 schloss BioIN deshalb eine Vorvereinbarung mit Zeppelin. Damit signalisierte der Betrieb, dass grundsätzlich Potenzial für ein batterieelektrisches Antriebskonzept gesehen wird. Konkret wurde der spätere Praxistest auf der bauma 2025 besprochen. Nach der Messe sollte der batterieelektrische Radlader zunächst zweieinhalb Monate im Unternehmen erprobt werden. Voraussetzung dafür war allerdings zunächst die technische Vorbereitung des Standorts.
Ladeinfrastruktur als Teil des Praxistests
Gemeinsam mit Caterpillar und Zeppelin schuf BioIN die notwendige Infrastruktur für den Betrieb. Dazu gehörten das Verlegen von Kabeln, die Installation eines Hyperchargers und die Anbindung der vorhandenen Stromspeicher. Gleichzeitig mussten die Fahrer auf die Besonderheiten des batterieelektrischen Antriebs vorbereitet werden. Die Einweisung umfasste neben dem E-Antrieb auch das Laden, die Reinigung der Maschine und die tägliche Sichtkontrolle.
„Wir haben uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht“, sagt BioIN-Geschäftsführer Peter Meißner. Eine der zentralen Fragen lautete, wie lange die Batterie unter den konkreten Einsatzbedingungen ausreicht und zu welchem Zeitpunkt der Radlader wieder geladen werden muss. Diese Frage blieb auch nach dem ersten Test relevant. Im Februar 2026 nahm schließlich ein Cat 950 GC Electric im Miet-/Leasingmodell den regulären Betrieb bei BioIN auf.
Der Cat 950 GC Electric arbeitet dort unter Bedingungen, die eine hohe Verfügbarkeit und eine zuverlässige Einsatzplanung voraussetzen. Am Standort werden jährlich rund 25.000 Tonnen Bioabfälle sowie 10.000 Tonnen Grünabfälle der Ingolstädter Kommunalbetriebe und der Landkreise Eichstätt und Neuburg sowie der Stadt München verwertet. Die Maschine übernimmt dabei unterschiedliche Aufgaben. Mit ihrer vier Kubikmeter großen Hochkippschaufel fährt sie in die Haufwerke und beschickt eine Siebanlage mit Gärresten. „Da kommt es auf Effizienz an“, erklärt Meißner.
Darüber hinaus wird der Cat 950 GC Electric zum Umschichten von Mieten, zum Umschlagen von Haufwerken und zum Beladen von Walking-Floor-Lkw eingesetzt. Bei diesen Arbeiten kommt es gleichermaßen auf Geschwindigkeit und präzise Maschinenführung an. Im Durchschnitt ist der Radlader vier bis sechs Stunden pro Tag in Bewegung. Eine Zwischenladung ist dabei bislang nicht erforderlich. „Wir haben keinen Dauerbetrieb von acht Stunden am Stück, sodass wir mit der geladenen Batterie gut über den Tag kommen“, sagt Meißner. Entscheidend sei für BioIN allerdings nicht allein die Reichweite, sondern eine möglichst intensive tägliche Nutzung der Maschine.
Für das Laden steht ein integriertes Onboard-Ladegerät mit 22 kW für Wechselstrom zur Verfügung. Im ersten Einsatz habe dieses Konzept gut funktioniert, berichtet Meißner. Beim Miet-/Leasinggerät wollte BioIN jedoch gezielt auf den eigenen Stromspeicher zurückgreifen. Zeppelin Rental stellte dafür die erforderlichen Verteilerschränke, Kabel und Stecker bereit. Seitdem kann der Cat 950 GC Electric nach 16 Uhr direkt am Stromspeicher geladen werden. Ziel ist, die Batterie über Nacht vollständig aufzuladen, damit der Radlader am nächsten Morgen wieder uneingeschränkt zur Verfügung steht. „Entscheidend ist für uns, dass wir am Morgen mit dem Radlader losfahren können“, betont Meißner.
Überwacht wird der Ladezyklus durch das Batteriemanagementsystem. Es kontrolliert die vier Batterien und verhindert eine Tiefenentladung. Damit soll die Lebensdauer der Batterien erhalten bleiben.

Eigene Energie für den Cat 950 GC
Eine Besonderheit des Einsatzes bei BioIN ist die Möglichkeit, einen Teil des benötigten Stroms selbst zu erzeugen. Das Unternehmen produziert am Standort über eine Photovoltaikanlage und die seit 2012 betriebene Biogasanlage erneuerbare Energie. Das Biogas entsteht aus Bioabfall und wird zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt. Mit der daraus erzeugten Energie lassen sich rund 2.500 Einfamilienhäuser mit Strom versorgen. Gleichzeitig soll der batterieelektrische Cat Radlader 950 GC Electric mit dieser Energie betrieben werden.
Damit ist der Cat 950 GC Electric nicht ausschließlich auf Solarstrom angewiesen. „Wir können daher die Baumaschine auch einsetzen, wenn mal keine Sonne scheint“, erklärt Meißner. Für BioIN eröffnet der elektrische Radlader damit die Möglichkeit, den selbst produzierten Strom auch für einen energieintensiven mobilen Verbraucher zu nutzen. Langfristig verfolgt das Unternehmen das Ziel, klimaneutral zu werden und sämtliche mobilen Maschinen auf elektrischen Betrieb umzustellen.
Technisch basiert die Elektroversion des Cat 950 GC weitgehend auf dem bekannten Konzept des konventionell angetriebenen Modells. Das Einsatzgewicht des 950 GC Electric beträgt 19,7 Tonnen. Für die Achsen kommt der gleiche Antriebsstrang zum Einsatz wie bei der Version mit konventioneller Antriebstechnik. Der batterieelektrische Antrieb arbeitet mit zwei Elektromotoren, die für den Antrieb und die Hydraulik zuständig sind. Hinzu kommen Leistungselektronik-Komponenten einschließlich eines Inverters zur Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom.
Kabine, Vorderwagen, Hubgerüst und Hydraulik blieben gegenüber dem konventionellen Modell unverändert. Durch die Batterien ist die Maschine im hinteren Bereich allerdings um 33 Zentimeter länger. Bei BioIN ist die maximale Fahrgeschwindigkeit deshalb aus Sicherheitsgründen auf 20 km/h begrenzt.
Ursprünglich hätte ein Cat Radlader 938 aufgrund seiner Größe besser zum Betrieb gepasst. Eine batterieelektrische Maschine in dieser 16-Tonnen-Klasse bietet Caterpillar derzeit jedoch noch nicht an. BioIN musste sich daher für das nächstgrößere Modell entscheiden. Das hatte unmittelbare Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Fahrer. Die Fahrwege am Standort sind eng, und insbesondere beim Beladen von Lkw unter der Freihalle erforderte die größere Maschine zunächst eine Umstellung.

Fahrer müssen sich auf den E-Antrieb einstellen
„Die Fahrer hatten anfangs Respekt wegen der Maschinengröße, wenn sie dann unter der Freihalle Lkw beladen“, berichtet BioIN-Betriebsleiter Horst Feghelm. Hinzu kam die Umstellung von dieselbetriebenen Baumaschinen auf die Charakteristik des Elektroantriebs. Das betrifft insbesondere das direktere Ansprechverhalten. Gleichzeitig bewegt der Cat 950 GC Electric eine größere Schaufel, was ebenfalls eine Anpassung der gewohnten Arbeitsweise erforderlich macht.
Nicht alle Maschinisten waren deshalb von Beginn an überzeugt. BioIN setzte auf eine schrittweise Heranführung an die neue Technik und erläuterte dem Team die Gründe für die Umstellung. „Wir haben dem Team erklärt, warum wir diesen Schritt gehen wollen“, sagt Meißner. Hinter das Steuer kommen bei BioIN nur Fahrer, die mit dem Cat 950 GC Electric sicher umgehen können.
Mit zunehmender Erfahrung änderte sich die Einschätzung der Fahrer. Besonders das Leistungspotenzial und die Performance des Cat 950 GC Electric überraschten das Team. Feghelm beschreibt das Ansprechverhalten als schnell. Das mache sich insbesondere beim Umsetzen von Haufwerken bemerkbar. Beim Eindringen der Schaufel in das Material könne der Radlader tiefer in den Haufen fahren und gleichzeitig höher hineinfahren.
Auch das Ladeverhalten musste Teil des täglichen Arbeitsablaufs werden. Anders als bei einer dieselbetriebenen Maschine lässt sich der Energiebedarf nicht durch einen Tankvorgang innerhalb weniger Minuten ausgleichen. Die Fahrer müssen dafür sorgen, dass der Cat 950 GC Electric nach dem Einsatz korrekt angeschlossen und ausreichend geladen wird. Wird dieser Arbeitsschritt vergessen oder die Maschine nicht richtig angeschlossen, kann das unmittelbar Auswirkungen auf die Betriebsorganisation haben. „Wir müssen den Betrieb umplanen, Mitarbeiter anders einsetzen und auf einen anderen Lader zugreifen“, erläutert Meißner. Auch der Umgang mit der Ladeinfrastruktur wurde damit zu einem Lernprozess für das Fahrerteam.

Praxiseinsatz liefert Daten für weitere Maschinen
Die Erfahrungen aus dem Betrieb des Cat 950 GC Electric könnten über BioIN hinaus Bedeutung gewinnen. Auch andere Entsorgungs- und Recyclingbetriebe beziehungsweise Standorte der Büchl-Gruppe beschäftigen sich mit der Umstellung auf elektrische Antriebe. Die Erfahrungen aus dem Ingolstädter Kompostwerk liefern deshalb praktische Erkenntnisse für weitere Entscheidungen innerhalb der Unternehmensgruppe.
Für Caterpillar und Zeppelin ist der Einsatz des Cat 950 GC Electric ebenfalls von besonderer Bedeutung. Unter realen Einsatzbedingungen lassen sich Daten und Erfahrungen zu Leistung, Energieverbrauch, Ladeverhalten und Verfügbarkeit des batterieelektrischen Radladers sammeln. Diese Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung künftiger Serienmaschinen einfließen.
Begleitet wird der Einsatz von Theresia Brändle, Senior-Produktmanagerin für mittelgroße Radlader bei Zeppelin, gemeinsam mit dem Team der Abteilung Service-Technik-Schulung. Bei technischen oder betrieblichen Fragen stehen außerdem der Service der Zeppelin Niederlassung München und Vertriebsrepräsentant Fabian Schäfer zur Verfügung. Die enge Begleitung ermöglicht es, Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb unmittelbar aufzunehmen und bei Bedarf technische oder organisatorische Anpassungen vorzunehmen.
Wirtschaftlichkeit bleibt entscheidende Größe
Für Peter Meißner und Horst Feghelm ist die technische Leistungsfähigkeit allerdings nur ein Teil der Bewertung. Am Ende muss sich der Cat 950 GC Electric auch wirtschaftlich im Recyclingbetrieb behaupten. Neben der Reduzierung von Emissionen geht es deshalb um die Frage, ob sich eine alternative Antriebstechnologie unter den vorhandenen Einsatzbedingungen dauerhaft zuverlässig und wirtschaftlich betreiben lässt.
Dabei spielt auch die Maschinengröße eine Rolle. „Wir müssen uns überlegen, ob das Gerät wirtschaftlich Sinn macht und dabei die Maschinengröße den höheren Anschaffungskosten gegenüberstellen“, sagt Meißner. BioIN arbeitet derzeit mit drei Radladern. Sollte sich der Einsatz des batterieelektrischen Modells als ausreichend leistungsfähig erweisen, könnte langfristig möglicherweise eine Reduzierung auf zwei Maschinen infrage kommen.
Eine weitere offene Frage betrifft die Energieversorgung. Der eigene Stromspeicher habe nicht konstant durchweg funktioniert, berichtet Meißner. Dadurch konnte BioIN den günstigen PV-Strom zeitweise nicht nutzen und musste auf Strom aus der Biogasanlage zurückgreifen. Auch diese Rahmenbedingung muss in eine belastbare Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einfließen. „Nur wenn Technik zuverlässig funktioniert und mit hoher Auslastung im Einsatz ist, rechnet sie sich auch“, lautet das Fazit des Geschäftsführers.
Entscheidend wird deshalb sein, den Stromverbrauch des Radladers dem Dieselverbrauch einer vergleichbaren konventionellen Maschine gegenüberzustellen. Dabei betrachtet BioIN nicht nur die laufenden Energiekosten, sondern die gesamte Nutzungsdauer. Für die Maschinen des Unternehmens liegt diese im Durchschnitt bei acht bis zehn Jahren.
Die Elektrifizierung des Radladers betrachtet Meißner ohnehin nicht als isoliertes Einzelprojekt. Soll die mobile Flotte langfristig vollständig auf elektrische Antriebe umgestellt werden, müssen neben den Baumaschinen auch Pkw und Lkw sowie die gesamte Lade- und Energieinfrastruktur berücksichtigt werden. Die Umstellung betrifft damit Beschaffung, Energieversorgung und Betriebsorganisation gleichermaßen.
„Ein Radlader ist nur ‚ein‘ Gerät in unserem Maschinenpark“, sagt Meißner. Die Elektrifizierung sei deshalb als langfristiger Transformationsprozess für das gesamte Unternehmen zu verstehen. Ob der batterieelektrische Radlader am Ende tatsächlich die wirtschaftlich günstigere Option darstellt, lässt sich nach den bisherigen Erfahrungen noch nicht abschließend beantworten. BioIN sammelt weiterhin Betriebsdaten und Erfahrungen, um genau diese Frage unter den eigenen Einsatzbedingungen beantworten zu können.
Fotos: Zeppelin




