Zuckerrohrproduzent investiert in eigene Straßenbautechnik von Vögele und Hamm

Der brasilianische Agrarbetrieb Usina Alta Mogiana hat die Asphaltierung seines rund 60 Kilometer langen betrieblichen Wegenetzes mit einem eigenen Maschinenpark umgesetzt. Zum Einsatz kamen ein Straßenfertiger Super 1400 von Vögele und eine Tandemwalze HD 90 K von Hamm. Mit der Investition verfolgte das Unternehmen das Ziel, die innerbetriebliche Logistik zu verbessern, die Transportzeiten zwischen den Anbauflächen und der Verarbeitungsanlage zu verkürzen und den Unterhalt der stark beanspruchten Wirtschaftswege zu reduzieren. Anstelle eines externen Straßenbauunternehmens übernahm der Betrieb das Projekt mit eigenen Mitarbeitern, die zuvor von Anwendungstechnikern der Wirtgen Group in den Grundlagen des Asphalteinbaus geschult worden waren.
Agrarproduktion der Usina Alta Mogiana stellt hohe Anforderungen an die Logistik
Die Usina Alta Mogiana hat ihren Sitz in São Joaquim da Barra im Norden des brasilianischen Bundesstaates São Paulo. Der Betrieb verarbeitet jährlich mehr als zehn Millionen Säcke Kristallzucker und produziert mehrere hundert Millionen Liter Ethanol. Darüber hinaus nutzt das Unternehmen die bei der Verarbeitung anfallende Biomasse zur Stromerzeugung. Die gewonnene elektrische Energie deckt einen Teil des eigenen Bedarfs und wird zusätzlich in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Die Dimensionen des Agrarbetriebs spiegeln sich auch im Maschinenpark wider. Während der Erntesaison sind rund 300 Maschinen im Einsatz, darunter Traktoren und Erntemaschinen. Hinzu kommt ein umfangreicher Fuhrpark für den Abtransport des geernteten Zuckerrohrs zu den Verarbeitungsanlagen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Infrastruktur, denn ein reibungsloser Materialtransport ist eine wesentliche Voraussetzung für die kontinuierliche Produktion.
Das betriebliche Wegenetz der Usina Alta Mogiana umfasst etwa 60 Kilometer und ist damit mit dem Straßennetz einer kleineren Stadt vergleichbar. Bislang bestanden die Wege überwiegend aus Schotter. Vor allem während der brasilianischen Sommermonate führten intensive Niederschläge jedoch regelmäßig zu Problemen. Das Wasser weichte den Untergrund auf, schwemmte Schottermaterial aus und beeinträchtigte die Befahrbarkeit. Um die Verkehrswege funktionsfähig zu halten, waren deshalb wiederkehrende Instandsetzungsmaßnahmen erforderlich.
Die schlechten Fahrbahnverhältnisse belasteten zugleich die eingesetzten Transportfahrzeuge. Die schweren Lkw mussten auf den unbefestigten Strecken vergleichsweise langsam fahren und waren einer erhöhten mechanischen Beanspruchung ausgesetzt. Daraus ergaben sich zusätzliche Wartungs- und Reparaturkosten sowie längere Transportzeiten. Für die Betriebsleitung wurde die Asphaltierung deshalb zu einer logistischen und wirtschaftlichen Maßnahme. „Wir wollten die Wege asphaltieren, um den Verkehrsfluss und die Logistik der Farm zu verbessern und die Sicherheit zu erhöhen“, erläutert Carlos Adriano, Produktionsleiter der Usina Alta Mogiana.

Eigener Maschinenpark statt externer Bauausführung
Bei der Umsetzung entschied sich die Usina Alta Mogiana gegen die Vergabe der Straßenbauarbeiten an einen externen Dienstleister. Stattdessen investierte das Unternehmen in eigene Straßenbautechnik und setzte auf den Aufbau entsprechender Kompetenzen innerhalb der Belegschaft. Diese Entscheidung sollte nicht nur die unmittelbare Durchführung der Asphaltierungsarbeiten ermöglichen, sondern auch die Grundlage für eine langfristig eigenständige Instandhaltung und den bedarfsgerechten Ausbau des Wegenetzes schaffen.
Bei der Bewertung des Vorhabens unterstützten die Wirtgen Group und Terraverde Máquinas den Agrarbetrieb Usina Alta Mogiana. Terraverde Máquinas ist der offizielle Vertriebspartner für Produkte von John Deere und der Wirtgen Group in der Region. Gemeinsam untersuchten die Beteiligten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und bewerteten die technische Eignung der vorgesehenen Maschinen für den Einsatz auf dem Betriebsgelände. Ergänzend dazu fanden umfangreiche Tests und technische Beratungen statt.
Eine zentrale Rolle spielte die Qualifizierung der Mitarbeiter. Da die Arbeiten während der erntefreien Zeit stattfinden sollten, musste das Unternehmen Personal aus dem landwirtschaftlichen Betrieb für Aufgaben im Straßenbau vorbereiten. Die Wirtgen Group stellte dafür eine mehrtägige Schulung sowie technische Unterstützung bereit. Damit umfasste das Projekt neben der Beschaffung der Maschinen auch die Organisation der Arbeitsabläufe und den Wissenstransfer an die künftigen Bediener.
Vögele Super 1400 für den Einbau auf schmalen Wirtschaftswegen
Für die Asphaltierungsarbeiten fiel die Wahl auf den Raupenfertiger Super 1400 von Vögele und die Tandemwalze HD 90 K von Hamm. Ausschlaggebend für den Fertiger waren unter anderem seine kompakten Abmessungen, die das Manövrieren auf den vergleichsweise schmalen Wirtschaftswegen erleichtern. Gleichzeitig verfügt die Maschine über ein robustes Fahrwerk und ein leistungsfähiges Materialfördersystem, das auf einen kontinuierlichen Einbau ausgelegt ist.
Ausgestattet mit der Ausziehbohle AB 480 erreicht der Super 1400 Einbaubreiten zwischen 2,55 Metern und 4,80 Metern. Mit zusätzlichen Anbauteilen lässt sich die Arbeitsbreite auf bis zu 6,30 Meter erweitern. Die Bohle verfügt über die Verdichtungsaggregate Tamper und Vibration, die bereits während des Einbaus eine hohe Vorverdichtung des Asphalts ermöglichen. Damit standen für das Projekt sowohl die erforderliche Flexibilität bei den Einbaubreiten als auch die technischen Voraussetzungen für einen gleichmäßigen Schichtaufbau zur Verfügung.
Auf dem Wegenetz der Usina Alta Mogiana erfolgte der Einbau über die gesamte Streckenlänge von rund 60 Kilometern in zwei Bahnen mit jeweils vier Metern Breite. Der vorgesehene Aufbau umfasste eine fünf Zentimeter starke Binderschicht und eine drei Zentimeter dicke Deckschicht. Die gewählten Schichtdicken sollten den Anforderungen des betrieblichen Schwerlastverkehrs Rechnung tragen, der vor allem durch die regelmäßigen Fahrten der Zuckerrohrtransporter geprägt ist.

Hohe Einbauleistung reduziert witterungsbedingte Risiken
Neben den Abmessungen und der Wendigkeit war die Leistungsfähigkeit des Fertigers für die Einsatzplanung entscheidend. Der Super 1400 erreicht eine Einbaukapazität von bis zu 600 t/h. Damit konnte die Mannschaft innerhalb der verfügbaren Arbeitszeit vergleichsweise große Streckenabschnitte fertigstellen. Das war speziell mit Blick auf die klimatischen Bedingungen am Standort von Bedeutung.
Die häufigen Niederschläge während der Sommermonate begrenzen die Zeitfenster für den Asphalteinbau. Eine hohe Einbauleistung hilft, die verfügbaren trockenen Phasen effizient zu nutzen und die Zahl der witterungsbedingten Unterbrechungen zu reduzieren. Auch das Kühlsystem des Fertigers erwies sich unter den tropischen Einsatzbedingungen als relevant. Es unterstützte den zuverlässigen Maschinenbetrieb bei den hohen Umgebungstemperaturen und den damit verbundenen thermischen Belastungen.
Die Kombination aus Fertiger und Walze bildete die Grundlage für einen kontinuierlichen Bauablauf. Während der Super 1400 den Asphalt einbaute und bereits eine entsprechende Vorverdichtung sicherstellte, übernahm die Hamm HD 90 K die weitere Verdichtung des eingebauten Materials. Die Abstimmung der beiden Maschinen war damit ein wesentlicher Bestandteil des Einbauprozesses.

Schulung und Bedienkonzept erleichtern den Einstieg in den Straßenbau
Für die Mitarbeiter der Usina Alta Mogiana bedeutete das Projekt einen Wechsel des Tätigkeitsbereichs. Die bisherigen Arbeitsschwerpunkte lagen in der Landwirtschaft und der Zuckerrohrproduktion, während der maschinelle Asphalteinbau spezielle Kenntnisse in der Anwendungstechnik voraussetzt. Entsprechend intensiv fiel die Einweisung durch die Anwendungs- und Servicetechniker der Wirtgen Group aus. Im Mittelpunkt standen insbesondere die fachgerechte Bedienung der Maschinen und die Anforderungen an einen qualitativ hochwertigen Asphalteinbau.
Bei der täglichen Maschinenbedienung kam dem Bedienkonzept ErgoBasic des Vögele Super 1400 eine wichtige Rolle zu. Es konzentriert sich auf die wesentlichen Funktionen für den Einbau und ist auf eine übersichtliche, intuitive Handhabung ausgelegt. Klar erkennbare Symbole, ein strukturiertes Bedienfeld und robuste Bedienkonsolen unterstützen die Anwender der Usina Alta Mogiana bei der Steuerung der Maschine. Hinzu kommen gut lesbare Funktions- und Statusanzeigen, die eine schnelle Orientierung ermöglichen.
Auch die Wartung und die grundlegende Bedienung ließen sich nach Angaben der Projektbeteiligten vergleichsweise unkompliziert vermitteln. Damit konnten die landwirtschaftlich geprägten Mitarbeiter die erforderlichen Maschinenkenntnisse aufbauen, ohne zuvor über umfangreiche Erfahrungen im Straßenbau verfügen zu müssen. Die anwendungstechnische Schulung blieb dennoch unverzichtbar, denn die Qualität des fertigen Straßenbelags hängt nicht allein von der Maschinentechnik ab. Ebenso entscheidend sind die richtige Einstellung der Einbauparameter, ein abgestimmter Materialfluss und die fachgerechte Verdichtung.
Geringere Instandhaltungskosten und kürzere Transportwege
Nach Abschluss der Asphaltierungsarbeiten erwartet die Usina Alta Mogiana deutliche wirtschaftliche Effekte. Die befestigten Wege sollen sowohl den Aufwand für die regelmäßige Instandhaltung des Wegenetzes als auch die Belastung der Lkw-Flotte reduzieren. Insbesondere der bislang notwendige Unterhalt der Schotterpisten verursachte erhebliche laufende Kosten. Durch dessen weitgehenden Wegfall rechnet das Unternehmen mit jährlichen Einsparungen von bis zu sieben Millionen brasilianischen Real. Das entspricht umgerechnet knapp 1,2 Millionen Euro.
Zusätzliche Einsparpotenziale ergeben sich aus den verbesserten Fahrbedingungen. Auf den asphaltierten Strecken können die Transportfahrzeuge mit höheren Geschwindigkeiten und unter gleichmäßigeren Bedingungen verkehren. Dadurch verkürzen sich die Fahrzeiten zwischen den Zuckerrohrfeldern und der Verarbeitungsanlage. Gleichzeitig dürfte die geringere Beanspruchung der Fahrzeuge den Wartungs- und Reparaturbedarf verringern.
Insgesamt geht die Betriebsleitung der Usina Alta Mogiana davon aus, dass sich die Logistikkosten durch die Maßnahmen um etwa 25 Prozent reduzieren lassen. Neben diesen erwarteten Einsparungen gewinnt das Unternehmen mit dem eigenen Maschinenpark auch an Flexibilität. Künftige Anpassungen und Erweiterungen des Wegenetzes können bedarfsgerecht geplant und mit eigenem Personal umgesetzt werden. Die Investition in den Vögele Fertiger und die Hamm Walze ist damit nicht allein auf die Asphaltierung der bestehenden Wirtschaftswege ausgerichtet, sondern schafft zugleich die technische und personelle Grundlage für einen eigenständigen Straßenbau innerhalb des Agrarbetriebs.
Fotos: Wirtgen Group




