Cat 906 als Leinwand: Comic-Stil auf der Baustelle

Wer mit schwarzem Graffitistift Konturen auf Baumaschinen zieht, erzeugt einen visuellen Effekt, der im Arbeitsumfeld der Baustelle ungewöhnlich ist. Der sogenannte Comic-Stil, der sich bei Pkw seit Jahren etabliert hat, wird zunehmend auch auf Nutz- und Arbeitsmaschinen übertragen. Ein Beispiel dafür ist der Cat 906, ein kompakter Radlader, der gemeinsam mit einem Zeppelin Elektro-Telehandler ZT 6.26e von dem Autolackierer Alexander Bloch aus Bergheim neu gestaltet wurde. Sowohl der Cat 906 als auch der ZT 6.26e waren auf der Messe RATL in Karlsruhe ausgestellt und zogen dort aufgrund ihrer grafischen Erscheinung Aufmerksamkeit auf sich.
Arbeitsprozess unter technischen Randbedingungen
Die Lackierung von Baumaschinen wie dem Cat 906 unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der Gestaltung klassischer Artcars. Zentrale Komponenten bleiben montiert, da eine vollständige Demontage technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. „Wir können nicht alles demontieren. Es ist eine Menge Arbeit, weil wir alles abkleben müssen“, erklärt Alexander Bloch.

Beim Cat 906 betrifft das unter anderem Fahrerhaus, Herstellerlogos und Beleuchtungseinrichtungen. Die Farbgebung erfolgt mit Spraydosen, wie sie im Graffiti-Bereich üblich sind. Dabei kommen unterschiedliche Gelbtöne zum Einsatz, deren Menge je nach Farbton stark variiert.
„Mal sind es 20 bis 30 Dosen von einem Farbton. Von manchen Farbtönen braucht man dagegen nur ein paar Sprühstöße“, so Bloch. Die Farben werden in mehreren Ebenen aufgetragen, wobei Übergänge von dunkel zu hell und umgekehrt für Tiefenwirkung sorgen. Weiße Akzente setzen gezielt Kontraste.
Cat 906 und die Bedeutung der Outlines
Charakteristisch für den Comic-Stil ist die abschließende Konturierung. Mit schwarzem Graffitistift werden Kanten und Linien nachgezogen, die im Graffiti-Jargon als Outlines bezeichnet werden. Diese Linien sind bewusst nicht gleichmäßig oder streng geradlinig, sondern variieren in Stärke und Verlauf. Die so entstehende Cartoon-Optik verändert die Wahrnehmung der Maschine, ohne ihre technische Funktion zu beeinflussen. Videos auf dem YouTube-Kanal von Stilbruch Lack dokumentieren diesen Arbeitsschritt und zeigen, wie die Konturen in fließenden Bewegungen aufgetragen werden.

Vom klassischen Lackierer zum spezialisierten Gestalter
Alexander Bloch begann seine Laufbahn mit Graffiti und absolvierte anschließend eine Ausbildung als Autolackierer. Die standardisierten Abläufe der industriellen Lackierung empfand er jedoch zunehmend als repetitiv. Vor acht Jahren machte er sich mit dem Unternehmen Stilbruch Lack selbstständig und begann, Fahrzeugteile grafisch zu verändern.
Der Comic-Stil entwickelte sich schrittweise und wurde kontinuierlich verfeinert. Seine erste Baumaschine war ein Cat Kettendozer D6 XE. „Caterpillar war mir natürlich ein Begriff. Ich habe mir ein Foto von der Raupe schicken lassen und habe erst eine Skizze gemacht, bevor ich dann in der Niederlassung von Zeppelin loslegte. Doch das ist ungewöhnlich. Normalerweise entwickle ich alle Ideen im Kopf und setze sie dann direkt um“, beschreibt er den Entstehungsprozess.
Leuchtende Oberflächen als Erweiterung des Gestaltungsspektrums
Neben der klassischen Lackierung experimentiert Bloch mit elektrolumineszenten Beschichtungen. Zum Einsatz kommt dabei ein System namens Lumilor, das aus mehreren Schichten besteht, darunter eine leitfähige Kupferschicht und eine Deckschicht mit lichtemittierenden Pigmenten. Unter Strom beginnen diese zu leuchten. „So ein Effekt wirkt nur in der Dunkelheit. Das wäre auch etwas für eine Maschine, die im Bergbau unter Tage im Einsatz ist“, meint er. Derartige Anwendungen erweitern das gestalterische Spektrum, bleiben jedoch auf spezielle Einsatzszenarien beschränkt.

Live-Arbeiten und langfristige Ziele
Die Gestaltung von Maschinen erfolgt nicht ausschließlich im Werkstattumfeld. Auf internationalen Messen arbeitet Bloch teilweise live vor Publikum, etwa auf der SEMA Show in Las Vegas, wo er einen Porsche GT3 vor Ort lackierte. „Ich operiere quasi am offenen Herzen. Da muss jeder Strich sitzen. Zum Glück bin ich noch nie verrutscht, aber falls das doch passiert, dann muss ich die Stelle wieder abschleifen und von vorn anfangen“, sagt er.
Für die kommenden Jahre formuliert er ambitionierte Ziele, unter anderem die Gestaltung von Maschinen für die bauma 2028. „Monster-Baumaschinen wären mein Traum“, erklärt er und ergänzt: „Ich habe viele Ideen, die ich nicht alle auf einmal in einem Objekt verwirklichen will, sondern ich zeige mit jedem Stück ein neues Detail.“ Dabei legt er Wert auf Einzigartigkeit. „Ich kann nicht zwei Mal das Gleiche machen. Jedes Werk ist einzigartig und etwas Besonderes.“

Resonanz aus der Fach- und Online-Öffentlichkeit
Über soziale Netzwerke dokumentiert Alexander Bloch seine Arbeiten in kurzen Videos und erreicht damit eine große Reichweite. Die Reaktionen auf den gestalteten Cat Radlader 906 reichen von Anerkennung bis zu ironischen Kommentaren wie „Zu schön für die Baustelle“ oder „Später tut jeder Kratzer weh“. Sie verdeutlichen die Spannung zwischen funktionalem Arbeitsgerät und gestalterischem Einzelstück, in der sich der Comic-Stil auf Baumaschinen wie dem Cat 906 bewegt.
Über die Zeppelin Baumaschinen GmbH
Die Zeppelin Baumaschinen GmbH ist eine Vertriebs- und Servicegesellschaft für Baumaschinen in Europa. Das Unternehmen ist seit 1954 in Deutschland Vertriebs- und Servicepartner von Caterpillar Inc. Zum Produktprogramm gehören neue und gebrauchte Caterpillar Baumaschinen mit Einsatzgewichten von etwa einer bis zu 150 Tonnen.
Das Dienstleistungsspektrum umfasst Serviceleistungen, technische Beratung sowie Finanzierungsangebote. Der Service erfolgt bundesweit über 35 Niederlassungen. Die Zeppelin Baumaschinen GmbH beschäftigte im Jahr 2024 insgesamt 1.941 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von rund 1,19 Milliarden Euro. Sie ist die größte Gesellschaft des Zeppelin Konzerns. Die Zentrale sowie der juristische Sitz befinden sich in Garching bei München.
Fotos: Zeppelin




