Du betrachtest gerade THW – 4 kleine Krane leisten Großes

THW – 4 kleine Krane leisten Großes

THW errichtet eine 70 Meter lange Schwerlastbrücke als zweijähriges Verkehrsprovisorium

Vier Liebherr LTC 1050-3.1 unterstützen das THW beim Bau einer Behelfsbrücke über die Donau
Das Technische Hilfswerk (THW) hat in Tuttlingen eine große Schwerlastbrücke errichtet. Im Hintergrund ist eines der fertiggestellten Brückensegmente zu sehen

In Tuttlingen in Baden-Württemberg hat das Technische Hilfswerk (THW) eine 70 Meter lange Behelfsbrücke über die Donau errichtet. Vier Kompaktkrane des Typs Liebherr LTC 1050-3.1 übernahmen wesentliche Arbeiten bei der Vormontage und dem Zusammenbau der Stahlkonstruktion. Das Bauwerk ersetzt während des geplanten Neubaus eine abbruchreife Donaubrücke und soll den Verkehr für voraussichtlich zwei Jahre aufnehmen. Die Montagearbeiten stellten vor allem aufgrund der beengten Platzverhältnisse auf der Vormontagefläche hohe Anforderungen an die eingesetzte Hebetechnik und die Koordination der beteiligten Einsatzkräfte.

Größte stützenfreie Schwerlastbrücke des THW

Mit einer Spannweite von 70 Metern ist die Konstruktion die bislang größte stützenfreie Schwerlastbrücke, die das THW errichtet hat. Die haushohe Fachwerkkonstruktion besteht aus mehreren Hundert Einzelteilen, die zunächst zu vier großen Segmenten zusammengefügt wurden. Für diese Arbeiten kamen die vier LTC 1050-3.1 zum Einsatz. Die Kompaktkrane übernahmen das Positionieren und Verbinden der Stahlbauteile und ermöglichten damit die Vormontage der einzelnen Brückenabschnitte.

Die gesamte Vorbereitung und Montage erfolgte im Rahmen einer Zivilschutzübung. Innerhalb von zwei Wochen setzte ein umfangreiches Aufgebot an THW-Kräften die Brückenkonstruktion zusammen und bereitete sie für den Transport an ihren endgültigen Standort vor. Nach Abschluss der Vormontage mussten die vier jeweils rund 100 Tonnen schweren Segmente über mehrere Hundert Meter bis zur Donau bewegt werden. Anschließend verbanden die Einsatzkräfte die Einzelabschnitte am Fluss zu einem durchgehenden Brückenbauwerk.

Vier Liebherr LTC 1050-3.1 unterstützen das THW beim Bau einer Behelfsbrücke über die Donau
Ein LTC 1050-3.1 des THW entlädt Fahrbahnelemente für die spätere Schwerlastbrücke. Durch den abbaubaren Frontkasten lässt sich der Kran für den Einsatz auf der beengten Baustelle verkürzen

Kompakte Abmessungen auf begrenzter Arbeitsfläche

Eine wesentliche Herausforderung lag in den räumlichen Bedingungen auf der Vormontagefläche. Neben den vier Kranen beanspruchten gelagertes Material, Lastkraftwagen, Stapler, Teleskoplader und Hebebühnen den verfügbaren Platz. Die Maschinen mussten deshalb nicht nur ausreichend Hubkraft für die schweren Stahlbauteile bereitstellen, sondern sich auch unter eingeschränkten Rangierbedingungen präzise positionieren lassen.

Um zusätzlichen Bewegungsraum zu gewinnen, demontierte das THW bei einigen LTC 1050-3.1 den vorderen Kasten, der regulär als Staubox dient. Dadurch reduzierte sich die Fahrzeuglänge auf 10,35 Meter. Die verkürzte Konfiguration erleichterte das Rangieren und schuf mehr Platz für die parallel laufenden Arbeiten.

Die Kombination aus kompakten Fahrzeugabmessungen und hoher Tragfähigkeit erwies sich damit als wichtiger Faktor für den Ablauf der Vormontage. Gerade bei der Arbeit mit schweren, großformatigen Stahlbauteilen kommt es darauf an, die Krane möglichst nah an den jeweiligen Montagepunkten aufzustellen, ohne die Bewegungsflächen anderer Maschinen und der beteiligten Mannschaften unnötig einzuschränken.

Vier Liebherr LTC 1050-3.1 unterstützen das THW beim Bau einer Behelfsbrücke über die Donau
Die Krankabine lässt sich bis zu sieben Meter anheben und ermöglicht so optimale Sicht auf Mensch und Material

THW setzt bei der Brückenmontage auf höhenverstellbare Fahrerkabinen

Eine weitere Rolle spielte die höhenverstellbare Fahrerkabine der LTC 1050-3.1. Das THW hatte diese optionale Ausstattung für sämtliche bestellten Geräte gewählt. Während der Montage nutzten die Kranfahrer die Möglichkeit, ihre Kabinen anzuheben und dadurch die Arbeitsbereiche aus einer größeren Höhe zu überblicken.

„Gerade beim Brückenbau ist die höhenverstellbare Kabine für mich einfach unschlagbar“, sagt Niklas Stein, der während des Einsatzes eine Woche lang einen der Kompaktkrane bediente. Insbesondere beim Einbau der oberen Stahlbauteile sei die direkte Sicht auf die beteiligten Kolleginnen und Kollegen ein Sicherheitsvorteil. Aus einer Höhe von rund sieben Metern könne er die Bewegungen im Arbeitsbereich besser verfolgen und die Hubvorgänge entsprechend abstimmen.

Stein gehört zu einer der bundesweit 16 auf den Brückenbau spezialisierten Fachgruppen des THW. Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte montieren in regelmäßigen Abständen Behelfsbrücken, um ihre technische Einsatzbereitschaft zu erhalten und die Abläufe unter realistischen Bedingungen zu trainieren. Seit knapp zwei Jahren ist Stein gemeinsam mit weiteren Helfern für den Kran der THW-Ortsgruppe Müllheim im Südwesten Deutschlands verantwortlich.

Auch die Hubkraft des LTC 1050-3.1 sei bei den Arbeiten in Tuttlingen von Bedeutung gewesen. Trotz seiner vergleichsweise kompakten Bauweise könne der Kran schwere Lasten handhaben und sei dadurch für die beengten Montagebedingungen geeignet, erklärt Stein.

Vier Liebherr LTC 1050-3.1 unterstützen das THW beim Bau einer Behelfsbrücke über die Donau
Die Fahrbahn eines der Brückenteile wird montiert. Anschließend wird die Fachwerkkonstruktion seitlich aufgebaut

Neue Krankonfiguration verkürzt die Bauzeit

Das THW hat vor zwei Jahren die ersten Geräte einer Bestellung über insgesamt 18 LTC 1050-3.1 aus dem Liebherr-Werk in Ehingen übernommen. Die neuen Kompaktkrane ergänzen die bisherige technische Ausstattung der Organisation, bei der für vergleichbare Aufgaben vor allem eigene Ladekrane zum Einsatz kamen.

Patrick Weisser, Ingenieur und gemeinsam mit Fiona Mager, der Leiterin der Fachgruppe Brückenbau des THW Müllheim, für die Koordination des Einsatzes an der Donau verantwortlich, sieht in der neuen Krantechnik einen wesentlichen Beitrag zur Beschleunigung solcher Projekte. Mit den LTC 1050-3.1 könne das THW Behelfsbrücken in kürzerer Zeit realisieren. In Tuttlingen seien die Arbeiten sogar fünf Tage früher als geplant abgeschlossen worden.

Neben der verfügbaren Hubkraft kommt es bei solchen Einsätzen auf das Zusammenspiel von Kranen, Transportmitteln und Montagepersonal an. Die vier Kompaktkrane ermöglichten es, die zahlreichen Einzelteile zu den vier großen Brückensegmenten zusammenzufügen. Nach der Vormontage wurden die jeweils rund 100 Tonnen schweren Einheiten zum Fluss transportiert, wo die Einsatzkräfte sie mithilfe der Krane zu einer durchgehenden Fachwerkkonstruktion verbanden.

Vier Liebherr LTC 1050-3.1 unterstützen das THW beim Bau einer Behelfsbrücke über die Donau
Mit zwei LTM 1650-8.1 von MSG-Krandienst GmbH und Scholpp Kran & Transport GmbH wurde die Ersatzbrücke nach dem Verschub vollständig über den Fluss gehoben und an ihrem endgültigen Platz abgesetzt

Vorschub und Tandemhub bringen die Brücke in ihre Endlage

Für das Überführen der montierten Konstruktion über die Donau kam anschließend eine Vorschubtechnik zum Einsatz. Dabei schoben die Beteiligten das Brückenbauwerk zunächst bis ungefähr zur Flussmitte vor. Für den abschließenden Hub standen an beiden Ufern jeweils ein Liebherr-Mobilkran des Typs LTM 1650-8.1 bereit.

Die beiden Großkrane übernahmen das Anheben und Positionieren der Konstruktion im Tandembetrieb. Eingesetzt wurden Maschinen der MSG Krandienst GmbH und der Scholpp Kran & Transport GmbH. Durch das koordinierte Zusammenspiel beider Krane ließ sich die Brücke auf die vorbereiteten Widerlager heben und an ihrer endgültigen Position absetzen.

Damit ergänzten die Großmobilkrane die zuvor eingesetzten Kompaktkrane um die für den abschließenden Hub erforderliche Tragfähigkeit. Während die LTC 1050-3.1 vor allem bei der Vormontage und beim Zusammenfügen der Fachwerksegmente gefragt waren, übernahmen die LTM 1650-8.1 das Einheben des vollständigen Bauwerks.

Die Behelfsbrücke soll während des Neubaus der bestehenden Donaubrücke für rund zwei Jahre den Verkehrsfluss aufrechterhalten. Der Einsatz in Tuttlingen zeigt zugleich, welche Bedeutung mobile Hebetechnik für temporäre Infrastrukturmaßnahmen hat, bei denen schwere Bauteile unter beengten Platzverhältnissen montiert, transportiert und präzise positioniert werden müssen.

Liebherr-Werk Ehingen GmbH

Die Liebherr-Werk Ehingen GmbH zählt zu den führenden Herstellern von Mobil- und Raupenkranen. Das Produktprogramm reicht bei Mobilkranen von zweiachsigen Fahrzeugen mit 35 Tonnen Traglast bis zu neunachsigen Schwerlastkranen mit einer Traglast von bis zu 1.200 Tonnen. Gittermastkrane auf Mobil- oder Raupenfahrwerken erreichen Traglasten von bis zu 3.000 Tonnen.

Mit unterschiedlichen Auslegersystemen und umfangreicher Zusatzausrüstung deckt das Unternehmen ein breites Spektrum an Hebeaufgaben im Bauwesen und in weiteren Industriebereichen ab. Am Standort Ehingen beschäftigt Liebherr rund 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein weltweites Servicenetz soll die Verfügbarkeit der Maschinen im Einsatz sicherstellen. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Werk einen Umsatz von 2,83 Milliarden Euro.

Fotos: Liebherr / THW