SHF erprobt neuen Starrrahmen-Muldenkipper

Der Volvo R70 absolviert bei der SHF Steinbruchbetriebe GmbH & Co. KG Bettenfeld derzeit einen Praxiseinsatz im Kalksteinbruch. Der Starrrahmen-Muldenkipper verfügt über ein Muldenvolumen von mehr als 42 Kubikmetern und eine Nutzlast von bis zu 65 Tonnen. Für SHF ist der Einsatz zugleich ein Praxistest einer neuen Maschinengeneration: Das Unternehmen prüft den R70 unter den Bedingungen des täglichen Steinbruchbetriebs und will dabei vor allem Leistungsfähigkeit, Verbrauch, Fahrerkomfort und Betriebseignung bewerten. Eine Besonderheit ist die Ausführung mit Motorenstufe V. Nach Angaben von Volvo CE handelt es sich bei der Maschine um den ersten R70 dieser Emissionsstufe, der bei einem Kunden in Deutschland beziehungsweise Europa eingesetzt wird.
SHF entwickelt seinen Maschinenpark mit Blick auf lange Einsatzzeiten und die damit verbundenen Anforderungen an Produktivität und Betriebskosten. Die Entscheidung für einen Volvo R70 entstand deshalb nicht allein aus der Suche nach einer Maschine mit hoher Nutzlast. „Der Kunde wollte unbedingt einen Volvo, überzeugt von Effizienz und Leistung“, erklärt Volker Bonnke, technischer Produktspezialist bei Volvo CE, der SHF seit vielen Jahren betreut. Für das Unternehmen sind neben der technischen Leistungsfähigkeit auch die Erfahrungen mit den bisherigen Starrrahmen-Muldenkippern und die Rahmenbedingungen im regionalen Service entscheidend.

Ergonomie für den mehrstündigen Steinbrucheinsatz
Bei Einsatzzeiten von täglich rund acht bis zehn Stunden kommt dem Fahrerarbeitsplatz eine wesentliche Bedeutung zu. Volvo CE hat die Kabine des R70 entsprechend großzügig ausgelegt. Eine gute Schallisolierung und die Rundumsicht sollen die Arbeitsbedingungen im laufenden Transportbetrieb verbessern. Klaus Schneider, Geschäftsführer von SHF, hebt insbesondere die Anpassungsmöglichkeiten des Fahrerarbeitsplatzes hervor: „Die Sitzposition ist sehr gut, sehr ergonomisch. Man kann das Lenkrad und den Sitz verstellen, alles kann an den Fahrer angepasst werden.“
Auch beim Zugang zur Kabine spielt die praktische Auslegung eine Rolle. Der R70 verfügt über zwei Aufstiege, wobei der linke Einstieg einen besonders einfachen Zugang ermöglicht. Solche konstruktiven Details sind im täglichen Betrieb relevant, wenn Fahrer die Maschine mehrfach während einer Schicht verlassen und wieder betreten. Für den Einsatz im Steinbruch verbindet sich damit die technische Auslegung des Muldenkippers mit Anforderungen an einen möglichst unkomplizierten Arbeitsablauf.

Lenkgeometrie verbindet Wendigkeit und Federungskomfort
Für den Materialtransport im Kalksteinbruch muss ein Starrrahmen-Muldenkipper nicht nur hohe Lasten bewegen, sondern auch auf wechselnden Transportwegen kontrollierbar bleiben. Beim R70 setzt Volvo CE deshalb auf eine MacPherson-Lenkgeometrie mit kompakten Federbeinen. Diese stützen sich oben an der Karosserie und unten an einem einzelnen Querlenker ab. Die Konstruktion ermöglicht einen vergleichsweise großen Lenkeinschlag und damit eine hohe Wendigkeit, während zugleich der Federungskomfort verbessert werden soll.
Auf den Transportstrecken des Steinbruchs wirkt sich diese Auslegung vor allem auf die Bewegungen der Maschine und damit auf den Fahrerarbeitsplatz aus. Die Kombination aus Lenkgeometrie, Fahrwerk und Rahmenkonstruktion soll eine kontrollierte Führung der Maschine auch unter den Bedingungen eines anspruchsvollen Untergrunds ermöglichen. Für den Betreiber ist dabei nicht nur die reine Fahrleistung relevant, sondern auch die Frage, wie sich die Maschine über eine komplette Schicht im Materialtransport verhält.
Eine weitere konstruktive Besonderheit ist die V-förmige Mulde. Sie unterstützt die sichere Aufnahme des Materials und soll beim Kippvorgang ein möglichst vollständiges Entleeren ermöglichen. Hinzu kommen schnelle Hub- und Senkzeiten der Mulde, die dazu beitragen, die Standzeiten während des Entladevorgangs kurz zu halten. Im kontinuierlichen Steinbruchbetrieb wirken sich solche Abläufe unmittelbar auf die Zykluszeit und damit auf die Produktivität des Transportprozesses aus.

Wirtschaftlichkeit steht beim Volvo R70 im Mittelpunkt
Neben Leistungsdaten und Fahrerkomfort bleibt für SHF die Wirtschaftlichkeit ein entscheidendes Kriterium. Der Kraftstoffverbrauch ist für den Betreiber unmittelbar mit den Betriebskosten verbunden. „Der Spritverbrauch passt für uns, das ist ja für uns eine wirtschaftliche Frage“, sagt Klaus Schneider. Der Betreiber betrachtet die Muldenkipper entsprechend langfristig als Wirtschaftsgüter, die über viele Betriebsstunden zuverlässig eingesetzt werden müssen.
Die bisherigen Maschinen bei SHF haben bereits Laufleistungen von rund 25.000 bis 30.000 Betriebsstunden erreicht. Diese Einsatzdauer setzt den Maßstab für die neue Maschine. Der R70 muss sich deshalb nicht nur im kurzfristigen Testbetrieb bewähren, sondern perspektivisch auch hinsichtlich Zuverlässigkeit, Wartungsaufwand und Gesamtwirtschaftlichkeit überzeugen.
Sven Kersten, zweiter Geschäftsführer von SHF, beschreibt den technischen Ansatz des Unternehmens entsprechend: „Wir wollen bei neuen Technologien dabei sein und testen, aber Wirtschaftlichkeit, Preis-Leistungs-Verhältnis und zufriedene Fahrer müssen am Ende passen.“ Der Testeinsatz dient damit dazu, die Maschine unter den konkreten betrieblichen Bedingungen des Unternehmens zu beurteilen und nicht ausschließlich anhand von technischen Kennwerten.

Von Terex zu Volvo CE
Die heutige Zusammenarbeit mit Volvo CE knüpft bei SHF an eine langjährige Erfahrung mit Starrrahmen-Muldenkippern an. Seit Ende der 1990er-Jahre setzt das Unternehmen entsprechende Maschinen im Steinbruch ein. Über viele Jahre kamen dabei Muldenkipper von Terex zum Einsatz, die sich nach Angaben von SHF im harten Betriebsalltag durch hohe Laufleistungen bewährt haben.
Eine wichtige Zäsur erfolgte 2014, als Volvo CE die entsprechende Sparte von Terex übernahm. Damit wechselte auch die Produktlinie unter das Dach von Volvo CE und wurde dort weiterentwickelt. Für SHF entstand daraus eine Verbindung zwischen den aus dem bisherigen Maschinenpark bekannten technischen Grundlagen und einer neuen Generation von Muldenkippern. Hinzu kommen die bei Volvo CE vorgesehenen Lösungen für Fahrerkomfort und Ergonomie.
Die Entscheidung für den R70 steht damit auch im Zusammenhang mit dieser Entwicklung. Für SHF ist die Maschine kein vollständig neuer Ansatz im Muldenkipper-Segment, sondern eine Weiterentwicklung eines Maschinentyps, mit dem das Unternehmen bereits langjährige Betriebserfahrungen gesammelt hat.
Regionaler Service als Teil des Maschinenkonzepts
Für den Einsatz eines Großmuldenkippers spielt neben der Maschine selbst die Verfügbarkeit des Kundendienstes eine zentrale Rolle. Ungeplante Stillstände können im Steinbruchbetrieb den Materialfluss unterbrechen und dadurch erhebliche Folgekosten verursachen. Bei der Betreuung des R70 arbeiten deshalb Robert Aebi und der regionale Partner SSM, Schöller special machines, eng zusammen. SSM ist zugleich SAS-Partner von Volvo CE.
Für SHF hat diese Konstellation einen praktischen Vorteil: Der Betrieb von SSM liegt lediglich rund drei Kilometer vom Steinbruch entfernt. Das Unternehmen arbeitet bereits seit vielen Jahren mit SHF zusammen und kennt damit die betrieblichen Abläufe sowie die Anforderungen des Standorts. Kurze Wege und direkte Kommunikationsmöglichkeiten können speziell dann relevant werden, wenn Wartungs- oder Servicearbeiten kurzfristig erforderlich sind.
„Für uns steht immer die beste Lösung für den Kunden im Mittelpunkt. Deshalb arbeiten wir dort, wo es sinnvoll ist, eng mit erfahrenen regionalen Partnern wie SSM zusammen. So verbinden wir unsere Produkt- und Beratungskompetenz mit der Kundennähe unserer Partner“, sagt Christian Düll, Verkaufsberater bei Robert Aebi. Wilfried Schöller, Geschäftsführer und Inhaber der Schöller special machines GmbH & Co. KG, sieht die räumliche Nähe ebenfalls als wesentlichen Bestandteil der Zusammenarbeit: „Unsere Stärke ist die Nähe zum Kunden und das gegenseitige Vertrauen. Wir kennen die Abläufe im Steinbruch und wissen, worauf es im täglichen Einsatz ankommt.“

Testbetrieb bis zum Jahresende
Der R70 ist bei SHF zunächst gemietet und bis zum Jahresende im Testeinsatz. Im Mittelpunkt steht die Bewertung unter realen Betriebsbedingungen. Dabei kann der Betreiber Erfahrungen mit der Maschine über die unterschiedlichen Arbeitssituationen im Steinbruch sammeln und deren Einfluss auf Produktivität, Verbrauch, Bedienbarkeit und Verfügbarkeit beurteilen. Nach Abschluss der Testphase ist eine Übernahme des Fahrzeugs vorgesehen.
Das Interesse von SHF reicht dabei über den laufenden Betrieb hinaus. Klaus Schneider hat das Volvo Werk im schottischen Motherwell bereits mehrfach besucht und sich dort mit der Herkunft und Fertigung der Baureihe auseinandergesetzt. Das Werk verfügt über eine lange Tradition im Bau von Muldenkippern und steht damit zugleich für die industrielle Entwicklung des Maschinentyps.
Für SHF fügt sich der R70 in die schrittweise Erneuerung des eigenen Muldenkipperbestands ein. Entscheidend wird sein, wie sich die Maschine unter den konkreten Bedingungen des Kalksteinbruchs über den weiteren Einsatzzeitraum bewährt. Erst die Erfahrungen aus dem täglichen Betrieb können zeigen, ob die Kombination aus Nutzlast, Fahrwerk, Ergonomie, Verbrauch und Servicekonzept den Anforderungen des Unternehmens auch langfristig entspricht.
Fotos: Volvo CE




