Spiegeleier im Stahlwerk
Beim Stahlwerk Peiner Träger in Peine arbeiten Cat Laderaupen vom Typ 973D am Limit: Sie laden glühend heiße Elektroofen-Schlacke, einem Nebenprodukt der Stahlproduktion

Spiegeleier im Stahlwerk

Die Wiedergeburt einer 973D-Laderaupe, nach jahrelangem Handling mit heißer Stahlwerksschlacke

Trotz all der Schutzvorrichtungen unterliegen die Maschinen einem starken Verschleiß – schon nach den ersten Betriebsstunden legt sich um das gelb-schwarze Cat-Design eine graue Schicht aus Staub und die Maschinenfarbe verbrennt nach und nach

Vor nunmehr 17 Jahren hat Caterpillar zusammen mit Zeppelin das Rebuild-Programm in Deutschland auf den Weg gebracht, um Bau­maschinen für einen weiteren Einsatz zu rüsten. Das rief auch die Mitarbeiter eines auf die Weiterverarbeitung heißer Stahlwerksschlacke spezialisierten Unternehmenszweigs der Horn Industrial Services auf den Plan. Hier stand der Ersatz einer der unternehmenseigenen Cat-973D-Laderaupen an. Weil im Unternehmen die Maxime gilt, die eigene Flotte nicht zu mischen, war das Zeppelin-Rebuild-Programm die ideale Lösung.

Also entschied man sich, die betreffende Maschine komplett rundum zu erneuern. Mehr als 7.000 Teile mussten für dieses Serviceangebot ersetzt werden. Kein Wunder, denn diese Raupe hatte und hat auch in Zukunft den heißesten und härtesten Job, den es für Baumaschinen in Deutschland gibt: Im Stahlwerk Peiner Träger in Peine, das zur Salzgitter AG gehört, übernahm und übernimmt auch künftig die 973D die Heißentsorgung von Stahlwerksschlacken sowie alle damit verbundenen Dienstleistungen. 

Gewappnet für einen Job in der Hölle

Nirgendwo sonst arbeiten Baumaschinen und Maschinisten aufgrund der extremen Belastungen durch die Hitze so hart am Limit. So steht die 973D beim Verladen von glühend heißer Elektroofen-Schlacke auf Dumper zum Teil in intensivstem Kontakt mit dem weit über tausend Grad heißen Material. Damit die Maschine das überhaupt durchsteht, sind besonders exponierte Komponenten wie die Zähne der Schaufel und die Glieder der Laufwerksketten aus besonderem Stahl gefertigt, der sich auch bei der höllischen Hitze nicht verzieht. Auch die innen verbauten Komponenten wie Verbrennungsmotor und Hydraulikpumpen werden bei der Cat-Spezialausführung „Steel Mill“ durch ein einzigartiges Hitzeschutzsystem abgeschirmt. Hinzu kommt etwa eine besonders hohe Kühlleistung. Und damit der Maschinist bei der Arbeit nicht bei lebendigem Leibe gegrillt wird, verfügt auch die Fahrerkabine über eine Spezialverglasung, die insbesondere wegen des Funkenflugs und der enormen Strahlungswärme erforderlich ist. Auf ihr könnten mühelos Spiegeleier gebraten werden.

Die erste von Zeppelin im Certified Rebuild-Verfahren generalüberholte Laderaupe bei der Übergabe: Andreas Hein, Prokurist, Ralf Treude, MTA, Jens Meiling, Betriebsleiter Peine, Arno Petrausch, Serviceleiter, Matthias Behrens, Servicetechniker und Klaus Wolf, Werkstattleiter Peine

Trotz all der Schutzvorrichtungen unterliegen die Maschinen einem extremen Verschleiß. Schon nach den ersten Betriebsstunden legt sich um das gelb-schwarze Cat-Design eine graue Schicht aus Staub, unter der die Maschinenfarbe nach und nach verbrennt. Die Arbeitsausrüstung hält aufgrund der thermischen Belastung nur einen Bruchteil der Zeit, die sie selbst im rauesten Felseinsatz durchsteht. Zu der Hitze kommt die abrasive Wirkung des Staubs. So sprachen die Ausgangsbedingungen, mit denen die Zeppelin-Mitarbeiter im Vorfeld des Rebuild konfrontiert waren, oberflächlich eher für einen hoffnungslosen Fall. 

Ein neues Leben für eine Laderaupe

Daher wurde die Maschine zuvor einer umfassenden Inspektion unterzogen, um ihren Zustand im Detail zu erfassen. Entscheidend bei der Frage, ob der Raupe ein zweites Maschinenleben beschieden wäre, war der Zustand des Maschinenrahmens. Im Fall der 973D-Laderaupe zeigte das Chassis nach der Bestandserfassung durch ein Ultraschallgerät keine nennenswerten Beschädigungen. 

So konnte das Rebuilt-Programm in der Zeppelin-Niederlassung Hannover in Angriff genommen werden. Es beinhaltete den kompletten Kraftstrang, die komplette Hydraulik sowie Elektrik und Elektronik. Letztlich wurde die Baumaschine in einen neuwertigen Zustand versetzt. Teil des Programms ist außerdem, die Maschine bis zu ihrem finalen Zusammenbau mit sämtlichen technischen Neuerungen auszustatten, die zwischenzeitlich Eingang in die Serienproduktion gefunden haben.  

Seit Anfang Juni hat die Laderaupe den Betrieb wiederaufgenommen, nachdem sie in Summe rund 350 Tests sowie einer peniblen Durchsicht vor der Erstinbetriebnahme unterzogen wurde.