Zwei Unimog-Konzepte zeigen auf der GaLaBau die Bandbreite kommunaler Ganzjahreseinsätze

Der MB Unimog steht auf der GaLaBau 2026 in Nürnberg für den flexiblen Einsatz als kommunaler Geräteträger. Noch bis einschließlich 18.09. zeigen Henne Nutzfahrzeuge, Mercedes-Benz Special Trucks sowie die Unimog ExpertPartner Mulag und Bucher Municipal in Halle 6 am Stand 6-329 zwei Fahrzeugkonfigurationen, die unterschiedliche saisonale Aufgaben abdecken: Während ein Unimog U 535 mit Mähtechnik von Mulag für die Pflege von Straßenbegleitgrün und Böschungen ausgelegt ist, tritt ein kompakter U 219 mit Winterdienstausrüstung von Bucher Municipal an. Die Exponate verdeutlichen dabei weniger einzelne Maschinenleistungen als vielmehr das Zusammenspiel von Trägerfahrzeug, Leistungshydraulik, Anbaugeräten und aufgabenspezifischer Gerätetechnik.
U 535 mit Front- und Heckausleger
Im Mittelpunkt der Mähtechnik steht der Mercedes-Benz Unimog U 535 mit 260 kW (354 PS) und einem Radstand von 3.350 Millimetern. Für den Mäheinsatz ist das Fahrzeug unter anderem mit einer Mähtür und dem zuschaltbaren hydrostatischen Fahrantrieb EasyDrive ausgerüstet. EasyDrive erlaubt es, die Fahrgeschwindigkeit unabhängig von der Motordrehzahl beziehungsweise der Arbeitsdrehzahl des Anbaugeräts feinfühlig anzupassen. Das ist insbesondere bei kontinuierlichen Mäharbeiten entlang von Straßen und Böschungen relevant, bei denen eine gleichmäßige Arbeitsgeschwindigkeit und eine bedarfsgerechte Anpassung an den Bewuchs entscheidend sind.
Die Geräteausstattung für den Unimog liefert Mulag. An der Front arbeitet die Kombinationsauslegerlösung MKF 600 mit Randstreifenmäher und MK 1200 Mähkopf. Das Konzept verbindet einen Frontausleger mit einem separat geführten Randstreifenmähgerät und ermöglicht damit die Bearbeitung unterschiedlicher Bereiche des Straßenquerschnitts in einem Arbeitsgang. Die unabhängige Querverschiebbarkeit von Ausleger und Randstreifenmäher erleichtert insbesondere Arbeiten an Straßenalleen und Schutzplanken. Mit ausgefahrenem Teleskop erreicht der Frontausleger je nach Konfiguration eine maximale Reichweite von bis zu sieben Metern; bei montiertem Randstreifenmähgerät liegt die angegebene Reichweite des Frontauslegers entsprechend darunter.

Schlegelmähkopf und Teleskopausleger für große Reichweiten
Der MK 1200 ist als Schlegelmähkopf für Gras und Gestrüpp bis zu einer Schnittstärke von 20 Millimetern ausgelegt. Die Arbeitsbreite beträgt 1.200 Millimeter. Mulag bietet den Mähkopf mit unterschiedlichen Messersystemen an; abhängig von der Ausführung kommen zwölf MS-Messer oder 30 GB-RM-Messer zum Einsatz. Der Direktantrieb erfolgt über einen Axialkolben-Einschubmotor, während eine höhenverstellbare Abrollwalze die Schnitthöhe bestimmt. Eine Schnellwechselaufnahme mit hydraulischen Schnellkupplungen ermöglicht den zügigen Wechsel der Arbeitsgeräte.
Für den Heckbereich ist der Unimog U 535 mit dem neu entwickelten Mulag-Heckausleger MHU 900 ausgestattet. Das System arbeitet mit zwei integrierten Teleskopauslegern und erreicht nach Herstellerangaben eine maximale Reichweite von 9,5 Metern nach rechts beziehungsweise 9,3 Metern nach links. Gleichzeitig lässt sich der Ausleger für Arbeiten im unmittelbaren Straßenrandbereich kompakt einfahren. Der Schwenkbereich beträgt 224°, der Querverschub 1.200 Millimeter. Eine Portalhöhe von 3,3 Metern erleichtert zudem das Überfahren von Hindernissen wie Verkehrszeichen.

MB Unimog mit Mähgutaufnahme
Am MHU 900 kommt der Mähkopf AMK 1200 zum Einsatz. Im Unterschied zu einem reinen Mulchmähkopf ist die AMK-Baureihe für das Mähen und gleichzeitige Aufnehmen des Schnittguts konzipiert. Der Mähkopf arbeitet mit einer Arbeitsbreite von 1.200 Millimetern, zerkleinert den Bewuchs und führt das Material über eine Absaugvorrichtung ab. Mulag gibt für den AMK 1200 eine maximale Schnittstärke von 20 Millimetern und eine Arbeitsgeschwindigkeit von bis zu 10 km/h an, wobei die tatsächlich erreichbare Geschwindigkeit vom Bewuchs und den Einsatzbedingungen abhängt. Der Antrieb erfolgt direkt über einen Axialkolbenmotor; die Schnitthöhe lässt sich über die höhenverstellbare Abrollwalze einstellen.
Das aufgenommene Mähgut wird über einen Absaugschlauch vom Mähkopf zu einem angehängten Sammelanhänger transportiert. Damit unterscheidet sich die gezeigte Konfiguration vom klassischen Mulcheinsatz: Das Material verbleibt nicht unmittelbar am Straßenrand, sondern wird aus dem Arbeitsbereich abgeführt. Gerade bei bestimmten Anforderungen an die Pflege von Straßenbegleitgrün kann das eine relevante Funktion sein. Die Kombination aus Heckausleger und Aufnahmegerät erweitert damit den Einsatzbereich des Unimog über das reine Mähen hinaus.
Auch die Kinematik des MHU 900 ist auf wechselnde Arbeitsbedingungen ausgelegt. Sensoren in Schwenkfunktion und Auslegerarmen unterstützen die Kollisionsvermeidung zur Fahrerkabine. Über die Tilt- und Schwenkeinrichtung lässt sich der Mähkopf automatisch in die Arbeitsposition von 90° zur Fahrbahn ausrichten. Die hydraulische Vorschwenkung und die elektrohydraulische Proportionalsteuerung ermöglichen eine kontinuierliche Anpassung des Auslegers während der Fahrt. Optional kann eine automatische Auslegerentlastungssteuerung über m|tronic eingesetzt werden.

Kompakter Unimog U 219 für den Winterdienst
Den saisonalen Gegenpol zur Mähtechnik bildet ein Mercedes-Benz Unimog U 219 mit Winterdienstausrüstung von Bucher Municipal. Das Fahrzeug gehört zur kleinsten Baureihe des Unimog und zielt damit auf Einsätze, bei denen Wendigkeit und kompakte Abmessungen eine größere Rolle spielen als maximale Nutzlast oder Gerätegröße. Im kommunalen Winterdienst betrifft das insbesondere innerstädtische Straßen, Nebenstrecken und Bereiche mit beengten Platzverhältnissen.
Bucher Municipal kombiniert den Unimog U 219 mit dem Keil-Vario-Schneepflug Unix LN30u und dem Yeti W16. Der Unix LN30u besitzt eine Pflugbreite von 3.050 Millimetern und kann in Keil-, Schaufel- oder Seitenstellung betrieben werden. Für diese Baureihe weist Bucher Municipal eine Räumbreite von 2.620 Millimetern in Seitenstellung, 2.430 Millimetern in Keilstellung und 2.480 Millimetern in Schaufelstellung aus. Damit lässt sich die Räumgeometrie an unterschiedliche Straßenprofile und Einsatzsituationen anpassen.
Die Neoprenräumleiste ist auf einen vergleichsweise materialschonenden und geräuscharmen Räumbetrieb ausgelegt. Für Anwendungen, bei denen eine aggressivere Räumwirkung erforderlich ist, kann das System mit einer zusätzlichen Stahlräumleiste ergänzt werden. Damit lässt sich die Charakteristik des Pflugs während des Winterdiensteinsatzes an die jeweilige Schneedecke beziehungsweise den Zustand der Fahrbahn anpassen.

Streutechnik mit Doppelförderschnecke
Für die anschließende oder parallele Ausbringung von Streustoffen ist der Unimog mit dem Yeti W16 ausgerüstet. Das Gerät verfügt über einen Behälter für 1,6 Kubikmetern Trockenstoff und eine integrierte Solekapazität von 640 Litern. Die Yeti-Baureihe ist grundsätzlich für den Aufbau auf Unimog und mittelgroßen Lkw konzipiert und arbeitet mit einem Doppelförderschnecken-System. Die konstruktiv niedrig gehaltene Behälterbauweise reduziert den Schwerpunkt des Aufbaus und unterstützt gleichzeitig die Sicht des Fahrers nach hinten.
Der Streuteller des Yeti W16 ermöglicht Streubreiten zwischen zwei und acht Metern. Die Kombination mit der Feuchtsalztechnik erlaubt es, trockenen Streustoff mit Sole zu befeuchten und damit die Ausbringung an die jeweiligen Bedingungen anzupassen. Für die kommunale Praxis ist dabei nicht allein die maximale Streubreite entscheidend. Ebenso relevant sind eine gleichmäßige Dosierung, die kontrollierte Materialförderung und die Möglichkeit, die Streucharakteristik an Fahrbahn und Witterung anzupassen. Die Yeti-Baureihe setzt hierfür auf die konstruktiven Vorteile der beiden parallel angeordneten Förderschnecken und ist in verschiedenen Behältergrößen verfügbar.
Mit den beiden Unimog-Exponaten zeigt die Präsentation in Nürnberg damit zwei unterschiedliche Ausprägungen desselben Geräteträgerprinzips. Der U 535 kombiniert hohe Motorleistung und weitreichende Auslegertechnik für die professionelle Straßenunterhaltung, während der kompaktere U 219 mit Pflug und Streuautomat auf die Anforderungen des innerstädtischen Winterdienstes zugeschnitten ist. Die Auswahl der Anbaugeräte macht zugleich deutlich, dass die Leistungsfähigkeit des Trägerfahrzeugs wesentlich durch die Schnittstellen zwischen Fahrzeug, Hydraulik, Steuerung und Arbeitsgerät bestimmt wird. Genau diese Systemintegration ist für kommunale Betreiber relevant, wenn ein Fahrzeug nicht nur für einen saisonalen Arbeitsschwerpunkt, sondern möglichst über das gesamte Jahr hinweg wirtschaftlich eingesetzt werden soll.
Fotos: © Daimler Truck AG / Mulag




