Infrastruktur, Digitalisierung und Fachkräftesicherung prägen die 71. NordBau

Wenn die NordBau vom 9. bis 13. September 2026 auf dem Gelände der Holstenhallen in Neumünster ihre Tore öffnet, rücken zentrale Zukunftsthemen der Bauwirtschaft in den Mittelpunkt. Die 71. Ausgabe der Fachmesse verbindet aktuelle Entwicklungen im Infrastruktur- und Verkehrswegebau mit innovativer Baumaschinentechnik, angewandter Forschung sowie Fragen der Fachkräftegewinnung. Als wichtigste Kompaktbaumesse Nordeuropas und des Ostseeraums versteht sich die Veranstaltung erneut als Treffpunkt für Bauunternehmen, Maschinenhersteller, Planer, Wissenschaftler und öffentliche Auftraggeber.
Infrastrukturforum beleuchtet Großprojekte im Norden
Besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Jahr dem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur in Norddeutschland. Vor dem Hintergrund der Finanzierungszusagen für die Autobahnprojekte A 20, A 26 und A 39 stehen Planung, Umsetzung und wirtschaftliche Rahmenbedingungen großer öffentlicher Bauvorhaben im Fokus des NordBau-Infrastrukturforums im Forum der Halle 1.
In Form von Live-Podcasts werden die geplanten Maßnahmen einem praxisnahen Realitätscheck unterzogen. Diskutiert werden unter anderem Fragen der Projektbeschleunigung, der Wirtschaftlichkeit sowie der Transparenz bei Planung und Ausführung. Darüber hinaus geht es um die Auswirkungen langfristiger Infrastrukturinvestitionen auf die Planungssicherheit von Bauunternehmen und Maschinenherstellern. An den drei Messetagen Mittwoch, Donnerstag und Freitag stehen jeweils die Themenfelder Autobahnbau, Bundeswehr-Infrastruktur und die Projekte der DB InfraGO im Mittelpunkt. Die fachliche Koordination übernimmt der VDBUM e.V., der Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik.

Moderne Baumaschinen als Schlüssel für leistungsfähige Baustellen
Auf dem weitläufigen Freigelände präsentieren Hersteller und Händler aktuelle Maschinen- und Gerätetechnik für den Hoch-, Tief- und Straßenbau. Gezeigt werden sowohl klassische Erdbewegungs- und Baustellenmaschinen als auch Anbaugeräte, Aufbereitungstechnik, Verdichtungslösungen, Krantechnik und Ausrüstung für Recyclinganwendungen.
Ein deutlicher Trend zeigt sich weiterhin bei elektrisch betriebenen Maschinen und Geräten. Fortschritte bei Batterietechnologie, Leistungsfähigkeit und Einsatzdauer erweitern deren Einsatzspektrum zunehmend auch für anspruchsvolle Anwendungen.
Parallel dazu gewinnt die Automatisierung von Baumaschinen weiter an Bedeutung. Sensorik, Künstliche Intelligenz und digitale Vernetzung schaffen die technischen Voraussetzungen für teilautonome und perspektivisch autonome Arbeitsprozesse. Ziel ist eine höhere Ausführungsgenauigkeit bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität sowie eine effizientere Nutzung von Material- und Personalressourcen.
Neben den Herstellern präsentieren sich auch zahlreiche Bauunternehmen auf der Messe. Sie nutzen die Plattform, um ihre Kompetenzen bei der Umsetzung komplexer Infrastrukturmaßnahmen und individueller Bauprojekte vorzustellen und den fachlichen Austausch mit Auftraggebern und Partnern zu vertiefen.

NordBau als Schaufenster für Forschung und Digitalisierung
Wie sich neue Technologien auf Bauprozesse auswirken können, zeigt die Technische Hochschule Lübeck mit einem Exponat zur 3D-Betondrucktechnologie in Halle 1. Der Demonstrator veranschaulicht den aktuellen Entwicklungsstand additiver Fertigungsverfahren im Bauwesen und macht sichtbar, welche konstruktiven Möglichkeiten diese Technologie bereits heute eröffnet.
Gemeinsam mit den Industriepartnern Instatiq und Nelcon wurden dabei Lösungen für Prozessabläufe, Oberflächengestaltung und konstruktive Details entwickelt, die sowohl im Modell als auch in laufenden Bauprojekten Anwendung finden. Der 3D-Betondruck gilt als wichtiger Baustein der Digitalisierung im Bauwesen und wird insbesondere hinsichtlich einer effizienteren Ressourcennutzung sowie möglicher Entlastungen bei Personalengpässen intensiv diskutiert.
Ergänzt wird das Forschungsangebot durch die Partner der Initiative Bauwesen, das Netzwerk Recycling im Hoch- und Tiefbau sowie die Materialprüfanstalt Schleswig-Holstein. Gemeinsam gestalten sie den Bereich „Lehre, Forschung und Studentenaustausch“, der aktuelle Entwicklungen aus Wissenschaft und Praxis zusammenführt und Einblicke in künftige Bauverfahren ermöglicht.

Fachkräftesicherung bleibt strategische Herausforderung
Neben Technik und Innovation zählt die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter zu den zentralen Themen der Branche. Der steigende Bedarf an Wohnraum und Infrastrukturprojekten trifft auf tiefgreifende Veränderungen durch Digitalisierung, Nachhaltigkeitsanforderungen und neue Arbeitsmethoden. Technologien wie Building Information Modeling (BIM), automatisierte Baumaschinen oder vernetzte Gebäudetechnik erhöhen die Anforderungen an Qualifikation und Weiterbildung.
Vor diesem Hintergrund hat sich die NordBau in den vergangenen Jahren zunehmend als Plattform für Personalgewinnung und Arbeitgeberpräsentation etabliert. Unternehmen nutzen die Messe, um mit Fachkräften, Studenten und Berufseinsteigern ins Gespräch zu kommen und ihre Tätigkeitsfelder vorzustellen.
Eine besondere Rolle spielt dabei das Format „NordJob Bau“. Es richtet sich gezielt an Schülerinnen und Schüler und vermittelt Einblicke in Berufe des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes. Allein am Donnerstag werden rund 1.000 angehende Schulabgänger zu vereinbarten Gesprächsterminen mit ausstellenden Unternehmen erwartet. Die Initiative verdeutlicht, dass modernes Bauen nicht nur innovative Technik erfordert, sondern weiterhin auf handwerkliches Können und fundiertes Prozessverständnis angewiesen ist.

Bedeutender Branchentreffpunkt im Ostseeraum
Mit rund 69.000 Quadratmetern Freigelände und mehr als 20.000 Quadratmetern Hallenfläche zählt die NordBau zu den größten und traditionsreichsten Baumessen Europas. Jährlich präsentieren sich etwa 700 Aussteller aus 15 Ländern vor rund 50.000 Besuchern. Hinzu kommen rund 50 Seminare und Fachveranstaltungen mit etwa 4.000 Teilnehmern. Ein großer Teil dieser Veranstaltungen wird von der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein als Fortbildung anerkannt.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1956 hat sich die Messe als zentrale Plattform für die Bauwirtschaft im Norden etabliert. Die enge Zusammenarbeit mit dem Partnerland Dänemark besteht seit mehr als fünf Jahrzehnten und unterstreicht die internationale Bedeutung der Veranstaltung. Mit der Integration der CONBAU Nord, die seit 2024 Teil der Messe ist, wurde das inhaltliche Spektrum zusätzlich erweitert.
Die NordBau 2026 zeigt damit einmal mehr, wie eng Infrastrukturentwicklung, Maschinentechnik, Forschung und Fachkräftesicherung miteinander verknüpft sind. Für die Bauwirtschaft bietet die Veranstaltung einen umfassenden Überblick über aktuelle Markttrends, technologische Entwicklungen und die Herausforderungen der kommenden Jahre.
Fotos: Holstenhallen Neumünster – NordBau – SixConcept




