Herausfordernde Arbeiten unter beengten Platzverhältnissen

Holzminden und Holzminde sind untrennbar miteinander verbunden, nicht nur sprachlich, sondern auch baulich: Der kleine Fluss Holzminde, im Volksmund als „rotes Wasser“ bezeichnet, prägt seit jeher die Stadtentwicklung im südlichen Niedersachsen. Bereits 1904 wurde der Wasserlauf auf einer Teilstrecke in ein gemauertes Tunnelbauwerk verlegt, um im innerstädtischen Bereich Raum für neue Verkehrswege zu schaffen.
Über dem Bauwerk entstand die heutige Landesstraße L550, die seither eine zentrale Verbindungsfunktion übernimmt. Mehr als ein Jahrhundert später ist genau dieses Bauwerk Gegenstand einer umfassenden statischen Ertüchtigung, da die ursprüngliche Konstruktion den heutigen Anforderungen des Schwerlastverkehrs nicht mehr genügt.
Bestandsbauwerk unter heutigen Lastannahmen
Das Tunnelbauwerk führt die Holzminde auf einer Länge von rund 160 Metern unter der L550 hindurch. Es handelt sich um eine unbewehrte Konstruktion, deren Tragreserven nach heutigem Regelwerk als unzureichend einzustufen sind. In den vergangenen Jahren musste der Streckenabschnitt deshalb für den Schwerlastverkehr gesperrt werden.
Um die Verkehrsachse wieder uneingeschränkt nutzbar zu machen und zugleich den langfristigen Erhalt des historischen Bauwerks sicherzustellen, entschied die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, eine umfassende Verstärkung der Tragstruktur umzusetzen. Mit der Ausführung wurde die SPESA Spezialbau und Sanierung GmbH beauftragt, die auf Bauwerksinstandsetzung und konstruktive Verstärkungsmaßnahmen spezialisiert ist.
Neue Innenschale als tragendes System
Kern der Maßnahme ist die Herstellung einer neuen, bewehrten Innenschale aus Ortbeton und Spritzbeton, die innerhalb des bestehenden Tunnelquerschnitts eingebracht wird und künftig die maßgeblichen Lasten aus dem Straßenverkehr aufnehmen soll. Gleichzeitig wird damit die Restnutzungsdauer des Bauwerks deutlich verlängert.
Die Bauarbeiten begannen im April 2025 und sind planmäßig bis März 2026 vorgesehen. Zu Beginn standen Erd- und Betonabbrucharbeiten an, um loses und geschädigtes Material zu entfernen und den erforderlichen Arbeitsraum herzustellen. Daran schloss sich die Herstellung der Baugruben für die neuen Fundamente an. Derzeit laufen die Bewehrungs- und Schalungsarbeiten, parallel dazu werden Fundamente und Kämpfer in Ortbeton hergestellt. Der Tunnelscheitel wird abschließend im Spritzbetonverfahren ausgeführt, um die neue Innenschale vollständig zu schließen und mit dem Bestand zu verbinden.

Holzminden im Fokus der Baustellenlogistik
Die Lage des Bauwerks mitten im Stadtgebiet von Holzminden stellt hohe Anforderungen an die Organisation der Baustelle. Die Platzverhältnisse im Tunnel und im unmittelbaren Umfeld lassen kaum Pufferflächen für Material, Geräte oder Abbruchmassen zu, weshalb sämtliche Transporte und Arbeitsschritte eng aufeinander abgestimmt werden müssen. Dies betrifft sowohl die Anlieferung von Beton, Bewehrung und Schalung als auch den Abtransport des Abbruchmaterials und des Rückpralls, der beim Spritzbetonauftrag anfällt.
Zusätzlich ist das Gerinne der Holzminde im Arbeitsbereich temporär abzudecken, um die Arbeiten im Tunnel sicher durchführen zu können. Diese Maßnahme hat zur Folge, dass bei Starkregenereignissen die Baustelle kurzfristig geräumt werden muss, um ein unkontrolliertes Aufstauen des Wassers zu vermeiden. „Eine weitere Herausforderung sind die mit acht Metern sehr großen Schalungsabschnitte“, so SPESA Projektleiter Lars Prokosch.
Arbeiten im Bestand unter laufendem Verkehrsumfeld
Im November befand sich das Holzminde-Projekt in einer Phase, in der mehrere Gewerke parallel im Einsatz waren. Während die Baugruben nahezu fertiggestellt waren, liefen gleichzeitig die Bewehrungs-, Schalungs- und Betonarbeiten an Fundamenten und Kämpfern. Diese Überlagerung der Arbeitsschritte ist notwendig, um den engen Zeitplan einzuhalten und die Sperrzeiten der L550 so kurz wie möglich zu halten.
Technisch besteht die Aufgabe darin, die historische Substanz soweit wie möglich zu erhalten und zugleich ein neues Tragwerk zu integrieren, das den heutigen Lastannahmen für den Schwerlastverkehr entspricht. „Es ist immer etwas Besonderes, an einem so alten Bauwerk zu arbeiten. Wir verbinden die historische Vergangenheit der Stadt mit moderner Bauweise – und tragen dazu bei, dass die Infrastruktur in Holzminden auch in Zukunft zuverlässig funktioniert“, so Lars Prokosch abschließend.
Nach Abschluss der Arbeiten soll die L550 im Frühjahr 2026 wieder vollständig für den Schwerlastverkehr freigegeben werden, während das Tunnelbauwerk der Holzminde für die kommenden Jahrzehnte als gesichert gilt.
Über die BAUER Resources Gruppe
Die BAUER Resources GmbH ist regional organisiert und mit Tochtergesellschaften in Deutschland, Afrika, dem Mittleren Osten und Südamerika tätig. Der Leistungsumfang umfasst Bohrdienstleistungen und Brunnenbau, Umwelttechnik, Pflanzenkläranlagen, Bergbau sowie Sanierung. Der Geschäftsbereich Bauer Umwelt ist seit über 30 Jahren in der Altlastensanierung sowie in der Bodenaufbereitung und Entsorgung aktiv. Weitere Unternehmen der Gruppe sind die GWE GmbH, die Schachtbau Nordhausen GmbH und die SPESA Spezialbau und Sanierung GmbH.
Fotos: © BAUER Gruppe




