Entwässerung als kritischer Faktor

Der erste Bauabschnitt des Rogfast-Tunnels stellt den norwegischen Tunnelbau vor Herausforderungen, die in dieser Kombination bislang kaum erprobt wurden. Mit einer geplanten Länge von rund 27 Kilometern und einer maximalen Tiefe von mehr als 390 Metern unter dem Meeresspiegel bewegt sich das Projekt in Dimensionen, bei denen selbst etablierte Bauverfahren an ihre Grenzen stoßen.
Die geologischen Verhältnisse, der hohe hydrostatische Druck und das permanente Eindringen von Grund- und Meerwasser machen eine leistungsfähige und ausfallsichere Entwässerung zu einer Grundvoraussetzung für einen kontinuierlichen Vortrieb. Ohne eine stabile Wasserhaltung wären sowohl die Arbeitssicherheit als auch die Terminplanung des Gesamtprojekts nicht zu gewährleisten.
Der Rogfast-Tunnel soll nach seiner Fertigstellung die Fährverbindung zwischen der Region Stavanger und der Insel Bokn ersetzen und damit eine durchgehende, wetterunabhängige Straßenverbindung auf der Europastraße 39 schaffen. Für den Fern- und Schwerlastverkehr bedeutet dies eine deutliche Reduzierung von Wartezeiten und eine höhere Planbarkeit der Transportketten. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Bauqualität und Betriebssicherheit, die bereits in der Bauphase durch präzise abgestimmte technische Systeme abgesichert werden müssen.

Entwässerung unter extremen Druckverhältnissen
Im Vortrieb fallen täglich erhebliche Wassermengen an, die aus Klüften im Fels, aus Bohr- und Sprengarbeiten sowie aus kondensationsbedingter Feuchte resultieren. Diese Wassermengen müssen nicht nur kontinuierlich, sondern auch über große Höhenunterschiede abgeführt werden. Hinzu kommt, dass das Wasser häufig mit feinem Gesteinsabrieb und anderen Feststoffen belastet ist, was die mechanische Beanspruchung der eingesetzten Aggregate deutlich erhöht. Unter diesen Bedingungen reicht es nicht aus, auf Standardlösungen zurückzugreifen, da sowohl die Förderhöhe als auch die Beständigkeit gegenüber abrasiven Medien entscheidend sind.
Hochdruckwasserpumpen von Tsurumi
Auf der Baustelle kommen deshalb überwiegend Hochdruck-Schmutzwasserpumpen des japanischen Herstellers Tsurumi zum Einsatz, die für den Dauerbetrieb in tiefen Tunnelabschnitten ausgelegt sind. Die Projektverantwortlichen haben sich für Modelle entschieden, die über eine entsprechend robuste Lagerung, verstärkte Dichtsysteme und verschleißfeste Laufräder verfügen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Pumpen auch bei langen Laufzeiten und wechselnden Belastungen stabil arbeiten und keine zusätzlichen Stillstandszeiten durch ungeplante Wartungsarbeiten entstehen.

Rogfast als Härtetest für Hochdruckpumpen im Dauerbetrieb
Im Zentrum der Entwässerungskonzepte stehen Hochdruckpumpen der Tsurumi LH-Serie, insbesondere das Modell LH8110. Mit einem Trockengewicht von rund 1,2 Tonnen und einer maximalen Förderhöhe von über 100 Metern ist dieses Aggregat für Einsatzszenarien konzipiert, in denen große Wassermengen aus erheblichen Tiefen gefördert werden müssen.
Die Bauweise ist auf hohe mechanische Stabilität ausgelegt, was sich unter anderem in der massiven Gehäusekonstruktion und in der Auslegung der Wellenabdichtung widerspiegelt. Diese Komponenten sind entscheidend, um dem dauerhaften Druck und der Belastung durch Schmutzwasser standzuhalten.
Im praktischen Einsatz zeigt sich, dass die Pumpen nicht nur die erforderlichen Förderleistungen erreichen, sondern auch unter wechselnden Betriebsbedingungen konstant arbeiten. Gerade im Tunnelbau, wo sich Wasserzuflüsse kurzfristig verändern können, ist diese Betriebssicherheit ein wesentlicher Faktor für die Taktung der Bauprozesse. Verzögerungen in der Wasserhaltung würden unmittelbar den Vortrieb beeinträchtigen und könnten im ungünstigsten Fall sicherheitsrelevante Situationen nach sich ziehen. Entsprechend eng sind die Entwässerungssysteme in die Gesamtlogistik der Baustelle integriert.

Betrieb, Wartung und technische Begleitung
Neben der reinen Leistungsfähigkeit spielt die Wartungsfreundlichkeit der eingesetzten Technik eine wichtige Rolle. Die Tsurumi Pumpen müssen in regelmäßigen Intervallen überprüft werden können, ohne dass dafür umfangreiche Demontagearbeiten notwendig sind.
Gleichzeitig ist eine zuverlässige Ersatzteilversorgung erforderlich, da im Tunnelbau oft keine längeren Unterbrechungen toleriert werden können. Aus diesem Grund erfolgt die Betreuung der Aggregate durch einen regionalen Servicepartner, der sowohl die Installation als auch die laufende technische Unterstützung übernimmt.
Ergänzend dazu sind regelmäßig Spezialisten des Herstellers vor Ort, um Betriebsdaten auszuwerten und die Pumpenkonfiguration bei Bedarf an veränderte Bedingungen anzupassen. Diese enge Verzahnung von Bauunternehmen, Servicepartner und Hersteller trägt dazu bei, dass die Entwässerung als kritischer Teilprozess stabil funktioniert. Für andere Großprojekte im Tunnel- und Tiefbau lassen sich aus diesen Erfahrungen Rückschlüsse auf die Auslegung von Wasserhaltungssystemen ziehen, insbesondere wenn ähnliche Tiefenlagen und Druckverhältnisse zu erwarten sind.

Ausblick auf den weiteren Projektverlauf
Mit dem Fortschreiten der Bauarbeiten am Rogfast-Tunnel werden die Anforderungen an die Entwässerung nicht geringer, da mit zunehmender Tiefe sowohl der Wasserdruck als auch die logistischen Herausforderungen steigen. Die bisher gewonnenen Betriebserfahrungen fließen daher kontinuierlich in die Feinjustierung der technischen Abläufe ein. Ziel ist es, auch in den kommenden Bauphasen einen gleichmäßigen Vortrieb sicherzustellen und die Risiken, die aus unerwarteten Wasserzutritten resultieren könnten, möglichst gering zu halten.
Der Rogfast-Tunnel dient damit nicht nur als infrastrukturelles Schlüsselprojekt für die norwegische Westküste, sondern auch als groß angelegtes Praxisfeld für den Einsatz leistungsstarker Entwässerungstechnik unter Extrembedingungen. Die hier erprobten Lösungen und Betriebsstrategien dürften für künftige Unterwasser- und Tiefbautunnel von erheblicher Relevanz sein, insbesondere dort, wo lange Bauzeiten, große Tiefen und hohe Sicherheitsanforderungen zusammenkommen.
Fotos: Tsurumi




