Goldhofer E-PowerPack absolviert Europapremiere im Schwertransport

Am 24. Juli 2026 hat Goldhofer in Berlin den ersten Praxiseinsatz seines vollelektrischen E-PowerPacks auf europäischem Festland realisiert. An der Ro-Ro-Rampe der BEHALA wurde eine rund 430 Tonnen schwere Gasturbine von Siemens Energy mit der elektrischen Antriebseinheit bewegt. Der Einsatz gilt als Europapremiere und zeigt den erstmaligen praktischen Einsatz der serienreifen Technologie unter realen Bedingungen im Schwerlasttransport.
Eingespielte Schwertransportlogistik in Berlin
Seit 2012 organisiert die BEHALA den Weitertransport der in Berlin gefertigten Gasturbinen von Siemens Energy. In diesem Zeitraum wurden mehr als 300 Turbinen über die Berliner Wasserstraßen transportiert. Die logistischen Prozesse gelten als etabliert, gleichzeitig sind die Anforderungen an die Transporte hoch.
Besonders anspruchsvoll ist dabei die Lage der Transportstrecke. Die Schwertransporte führen durch dicht bebaute innerstädtische Bereiche, in denen Wohngebiete, Verkehrsachsen und industrielle Infrastruktur unmittelbar aneinandergrenzen. Vor diesem Hintergrund gewinnen Aspekte wie Lärmminderung und die Reduzierung lokaler Emissionen zunehmend an Bedeutung.

Für die BEHALA stand nach eigenen Angaben vor allem die Praxistauglichkeit der neuen Antriebslösung im Mittelpunkt. Die Transportaufgabe, die Last sowie die logistischen Abläufe bleiben unverändert, lediglich die Antriebsform wurde ersetzt. Das E-PowerPack wurde dabei nicht als Demonstrator oder Versuchsträger eingesetzt, sondern als serienreife Lösung für eine klar definierte Anwendung im Schwerlasttransport.
„Wer eine 430 Tonnen schwere Gasturbine durch eine lebende Stadt bewegt, trägt Verantwortung – für den Transport, aber auch für die Menschen entlang der Strecke. Genau deshalb hat uns das E-PowerPack überzeugt“, so Leon Tietz, Leiter Logistik der BEHALA.
„Mit dem E-PowerPack konnten wir den Transport deutlich leiser und lokal emissionsfrei durchführen, ohne Kompromisse bei Leistung oder Bedienbarkeit einzugehen. Gerade in einer Stadt wie Berlin werden Themen wie Lärm, Emissionen und Akzeptanz künftig noch wichtiger.“

E-PowerPack nutzt Erfahrungen aus der Flughafentechnik
Die technische Grundlage des E-PowerPacks basiert auf Erfahrungen aus der Flughafenlogistik. Goldhofer entwickelt und produziert seit Jahren elektrische Flugzeugschlepper, die Flugzeuge mit Gewichten von bis zu 350 Tonnen bewegen. Erkenntnisse aus diesem Einsatzbereich, unter anderem zu Energiemanagement, Temperaturverhalten, Laufleistung und Systemverfügbarkeit, wurden nach Unternehmensangaben in die Entwicklung der elektrischen Antriebseinheit für Schwerlastmodule übernommen.
Das daraus entstandene E-PowerPack verfügt über eine Leistung von rund 340 PS und basiert auf einer neuen Systemarchitektur mit energieoptimierter Steuerung. Ergänzt wird das System durch eine vollständige Telemetrieanbindung über Goldhofer »LINK«. Zum Bedienkonzept gehören außerdem eine neue Funkfernsteuerung, eine Seitenneigungsanzeige sowie ein digitales Bedienkonzept, das den täglichen Einsatz unterstützen soll.

„Mit dem ersten Praxiseinsatz unseres E-PowerPacks in Europa zeigen wir, dass Elektrifizierung im Schwerlasttransport keine Zukunftsvision mehr ist. Entscheidend ist für uns nicht der Anspruch, jede Anwendung elektrifizieren zu wollen. Entscheidend ist, dort Lösungen zu schaffen, wo sie heute bereits einen echten Mehrwert bieten. Genau dafür wurde das E-PowerPack entwickelt.
Es verbindet die Leistungsfähigkeit und Präzision, die unsere Kunden erwarten, mit deutlich geringeren lokalen Emissionen und einer spürbar reduzierten Geräuschentwicklung. Der erfolgreiche Einsatz in Berlin beweist, dass diese Technologie serienreif, wirtschaftlich und im harten Alltag schwerer Transportaufgaben angekommen ist“, so Matthias Ruppel, CEO der Goldhofer AG.
Serienreife Lösung für definierte Einsatzbereiche
Nach Einschätzung des Unternehmens markiert der Berliner Einsatz den Übergang von der Entwicklung in die praktische Anwendung. Der Transport der Gasturbine soll zeigen, dass sich elektrische Antriebslösungen bereits heute für definierte Schwerlastaufgaben einsetzen lassen, ohne die bestehenden logistischen Abläufe grundlegend zu verändern.
Insbesondere in urbanen Räumen, auf Werksgeländen oder in emissionssensiblen Bereichen könnten lokal emissionsfreie und geräuscharme Antriebskonzepte künftig an Bedeutung gewinnen. Mit dem E-PowerPack steht nach Angaben von Goldhofer bereits eine serienreife Lösung für entsprechende Einsatzszenarien zur Verfügung, während konventionelle Antriebssysteme für andere Anwendungsbereiche weiterhin ihre Berechtigung behalten.
Fotos: Goldhofer




